Was tun gegen die Welle an neuen Mitbewerbern aus Fernost inmitten globaler Unsicherheiten und Herausforderungen rund um den Antriebswandel? Das ist wohl die Frage, die in den Vorständen der europäischen Lkw-Bauer dieser Tage am intensivsten diskutiert wird. Und die Antwort scheint beim Blick durch die Messehallen der IAA klar zu sein: Ruhe bewahren. Mit Stolz auf die Geschichte in Form von Sondermodellen. Mit der Besinnung auf Stärken in Form verbesserter Diesel. Und mit Ideen für die Zukunft neben dem breiteren Ausrollen des E-Antriebs.
Beispiel Daimler Truck: Mit dem eActros Lowliner erweitern die Stuttgarter pünktlich zur IAA ihr E-Lkw-Portfolio. Die 4x2-Zugmaschine ist auf eine Aufsattelhöhe und Bodenfreiheit wie bei vergleichbaren Diesel-Lkw ausgelegt und soll damit den Einsatz von Mega-Trailern ermöglichen. Angeboten wird der Lowliner mit zwei oder drei LFP-Batteriepaketen à 207 kWh, die längs statt quer unter dem Rahmen liegen. Der eActros 600 Lowliner soll bei voller Beladung rund 500 Kilometer weit kommen, beim leichteren eActros 400 Lowliner steigt die maximale Zuladung auf rund 24 Tonnen. Die Serienproduktion in Wörth läuft im zweiten Quartal 2027 an, später soll auch Megawattladen mit Ladezeiten von unter 30 Minuten möglich sein.
Hunderte Millionen Euro für Wasserstoff
Aber: Daimler Truck hält auch dem Wasserstoff die Treue – mit größerem Einsatz, als mancher angesichts des Batteriehochlaufs erwarten würde. Der auf der IAA erstmals gezeigte NextGenH2 Truck wird ab Ende des Jahres in einer auf 100 Einheiten begrenzten Kleinserie zu Kunden rollen. Fast die Hälfte der Fahrzeuge ist laut Hersteller bereits vergeben. Der Brennstoffzellen-Lkw setzt auf Flüssigwasserstoff und soll damit Reichweiten von "deutlich mehr" als 1.000 Kilometern ermöglichen. In Kooperation mit dem Münchner Wasserstoff-Spezialisten Keyou arbeitet Daimler Truck zudem an der Markteinführung von Actros mit Wasserstoff-Verbrennungsmotoren im nächsten Jahr.
Für den Hochlauf von Wasserstoff-Lkw will Daimler Truck nach eigenen Angaben bis Ende des Jahrzehnts einen mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Betrag investieren. Gemeinsam mit Partnern wie der Volvo Group, Toyota, Bosch, Air Liquide und Total sollen die Voraussetzungen für einen skalierbaren Einsatz bis 2030 geschaffen werden – vom Kraftstoff über die Tankstellen bis zum Fahrzeug. Wasserstoff ist für Daimler Truck damit ausdrücklich mehr als ein Forschungsprojekt: Er soll batterieelektrische Lkw dort ergänzen, wo große Reichweiten, kurze Betankungszeiten und Flexibilität gefragt sind.
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