FERNFAHRER LIVE Sendung #070

Fahrermangel, was tun? [RELIVE]

05.11.2021

Ausgehend von einem Fünf-Punkte-Appell des Spediteurs Michael Schaaf zum Fahrermangel in Europa diskutierten die Gäste der 70. Sendung von FERNFAHRER live vor allem die Notwendigkeit einer guten Aus- und Weiterbildung von Lkw-Fahrern.

In einem Fünf-Punkte-Appell hatte sich Michael Schaaf, Geschäftsführer der Bay Logistik aus Waiblingen, einer Silo- und Tankspedition mit 130 Lkw und 150 Fahrern, unter anderem einen schnelleren Zugang für potenzielle Neueinsteiger auf die immer moderner werdenden Lkw gewünscht, um zu verhindern, dass auch in Deutschland bald britische Verhältnisse herrschen. Dort hat der Brexit dazu geführt hat, dass osteuropäische Lkw-Fahrer seit Beginn des Jahres nicht mehr die europäische Freizügigkeit der Wahl des Arbeitsplatzes haben und keine mehr Visa bekommen.

Schlagartig wurde auch der Mangel an britischen Fahrern deutlich. Wie in nahezu allen europäischen Ländern trifft gerade die Logistik diese demographische Falle besonders hart: Es kommen pro Jahr weniger gut ausgebildete Fahrer nach als gleichzeitig in Rente gehen. In Deutschland beträgt diese jährliche Lücke etwa 15.000 bis 17.000 Fahrer. Das hat, so eine aktuelle Berechnung des Bundesverbandes Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung, BGL, zu einem Mangel an 60.000 bis 70.000 Fahrern geführt. Auch hierzulande konnte diese Lücke bislang durch den Einsatz vor allem osteuropäischer Fahrer, laut BAG rund 21 Prozent der rund 571.000 sozialversicherungspflichtig beschäftigen Fahrer im gewerblichen Güterverkehr, geschlossen werden. Doch nun bleiben in der Tat Lkw stehen, Lieferketten drohen zu reißen. Viele Lkw sind tatsächlich nur noch mit einem Fahrer besetzt, was bedeutet, dass er stehen bleiben muss, sollte der Fahrer krank werden oder Urlaub haben. Ein weiteres Wachstum des Verkehrs über die Straße ist, obwohl immer wieder prognostiziert, im Prinzip ausgeschlossen.

Vor diesem Hintergrund gingen neben Michael Schaaf, der auch Gerüchte in den sozialen Medien, er würde nur noch billige Fahrer aus Osteuropa beschäftigen, sehr offen entkräftete, Marcus Hover, der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes VVWL aus Nordrhein-Westfalen, Clemens Stanzel, der Bildungskoordinator am Berufskolleg Simmerath-Stolberg, sowie die drei thematisch gut informierten Fahrer Jörg Blommel, Lars Krivitz und Heinz Mahn der Frage nach, was sich an der dreijährigen Ausbildung und der verpflichtenden Grund- und Weiterbildung laut Berufskraftfahrer-Qualifikations-Gesetz ändern muss, um wieder mehr junge Menschen für den anspruchsvollen Beruf des Lkw-Fahrers zu gewinnen und in der Branche zu halten. Natürlich hat auch das gesellschaftliche und wirtschaftliche Umfeld, in der sich die Speditionen und Frachtführer befinden, einen entsprechenden Raum in dieser Debatte gefunden.

Oder wie es Marcus Hover am Ende zum Ausdruck brachte: „Wir werden niemals die eine Maßnahme machen können, den einen Imagefilm, die große Demo, wonach dann alles gut und der Himmel blau ist. Wir haben einen längeren Weg hinter und einen noch längeren Weg vor uns hin zu einem Umfeld, die eine gerechte Bezahlung, einen respektvollen Umgang, eine gute Work-Life-Balance ermöglicht. Und auf dem Weg dahin brauchen wir möglichst eins: Engagement. Und dafür möchte ich dringend werben. Ob das jetzt in den Kraftfahrerkreisen ist, in einer Gewerkschaft oder, bitte, nicht nur als zahlendes sondern auch als engagiertes Mitglied in einem Logistikverband. Wir haben es alle ein Stück weit selber in der Hand.“

In der 71. Sendung von FERNFAHRER Live am 18.11. führen wir das wichtige Thema in einer anderen Mischung der Gäste fort.

Mehr Infos:
www.eurotransport.de/artikel/fahrermangel-in-der-diskussion-mehr-oder-weniger-ausbildung-11194524.html

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