Volvo FH16-750 6x4, Fahrbericht, Fuhre Holz 6 Bilder Zoom
Foto: Thomas Küppers

Volvo FH16-750 6x4

Der König des Waldes

62,5 Tonnen, 24 Meter Länge und 750 PS Leistung lauten die Eckdaten. Wir haben uns im Volvo FH16 mit einer Fuhre Holz auf den Weg von Göteborg Richtung Norden gemacht.

Skogens Konung, König des Waldes – nicht weniger als die Krone der Wald­arbeiter beansprucht dieser Volvo FH16 für sich, der im Hafen von Göteborg auf ­lastauto omnibus wartet. Zumindest eine Aufschrift an der Sonnenblende der Kabine verheißt royale Fahrfreuden. Mal sehen!

Volvo FH16 ist imposante Erscheinung

Der Lkw ist mit 4,4 Meter Höhe und 24 Meter Länge ohne Frage eine imposante Erscheinung. Das Fahrerhaus ist in Ultramarinblau lackiert und macht den Truck in Kombination mit dem wuchtigen Wildfang vor dem Kühler und den vier LED-Zusatzscheinwerfern am Kabinendach zu einem Hingucker. Doch Aussehen allein reicht nicht für den Thron der Waldarbeiter. Dafür braucht es neben optischen vor allem auch funktionale Qualitäten. Die Redaktion tritt mit dem FH16 eine zweitägige Tour an, um sein Können zu erproben. Der erste Rundgang ums Fahrzeug findet unter einem Verladekran am Hafenbecken statt. An diesem Kran hing der Bau-Lkw FMX, auf dem Volvo-Chef Claes Nilsson seine Ansprache für eines der Youtube-Videos von Volvo Trucks gehalten hat, erzählt Mikael Rosell, der die anstehende Tour auf dem Beifahrersitz begleitet.

Jetzt heißt es Platz nehmen und dem König des Waldes Leben einhauchen. Die 750 PS aus 16,1 Liter Hubraum werden nötig sein; auf Zugfahrzeug und Anhänger lasten Baumstämme – insgesamt 62,5 Tonnen bringt der FH16 auf die Waage.

Der Vortrieb des Sechszylinder-Aggregats lässt wiederum kein Ladungsgewicht in dieser Größenordnung vermuten. Zudem ist der Gliederzug mit 6x4-Fahrgestell und Vierachsanhänger wendiger als ein Sattelzug. Selbst in engen Kreisverkehren kommt kein Rad des 24-Meter-Trucks auch nur in die Nähe des Randsteins.

Toleranzbereich entscheidet über Spritverbrauch

Sogleich geht es auf die Stadtautobahn von Göteborg. Das I-Shift-Getriebe wechselt in den zwölften Gang. Die Motordrehzahl verharrt knapp unter 1.200 Touren, die Tachonadel knapp über Tempo 80. Bis zur Stadtgrenze sind es nur noch wenige Kilometer.

In der Kabine duftet es nach frisch gebrühtem Kaffee, den Rosell gebraut hat. Der Abstands­regeltempomat darf derweil Beschleunigung und Verzögerung übernehmen. Dabei ist die größtmögliche Stufe (die sogenannte Hysterese) des Toleranzbereichs eingestellt. Das bedeutet: Am Berg darf die Geschwindigkeit drei km/h unter Tempo 85 fallen, bergab beträgt die Toleranz nach oben acht km/h. Wer maximal Sprit sparen will, sollte diesen Bereich ausschöpfen.

Der Sparwille kann aber auch finanzielle Nachteile ergeben. Außerhalb von Göteborg geht es ins erste Gefälle. Tempo 93 steht plötzlich auf der Uhr. Bei den schwedischen Preisen für Geschwindigkeitsübertretungen ist das mutig. Rosell rät, den Tempomat händisch um drei oder vier Kilometer pro Stunde herabzusetzen. Die maximal 425 kW starke Motorbremse VEB+ greift ein und verzögert den Lkw auf 89. Abgesehen von den Eingriffen in die Aktivitäten des Tempomaten muss der Fahrer im FH16 wenig tun, außer auf den Verkehr zu achten. Doch den gibt es auf den schwedischen Straßen kaum. Bis zum Etappenziel sind es rund 350 Kilometer. Sie vergehen wie im Flug.

Übernachten im Skigebiet

Damit der FH16 zeigen kann, was in ihm steckt, hat Rosell fürs Nachtlager den Parkplatz eines Skigebiets ausgesucht. Dorthin geht es einige hundert Höhenmeter hinauf, die der 750-PS-Motor mit beeindruckenden 3.550 Newtonmeter Drehmoment beinahe glattbügelt. Man darf gespannt sein, wie die 62,5 Tonnen am nächsten Morgen diesen Berg wieder hinunterkommen.

Schlafenszeit: Aus der Standheizung quillt mollige Wärme. Da Volvo über dem Bett eine Bedienkonsole installiert hat, von der aus sich die meisten Fahrzeugfunktionen steuern lassen, gibt es nach dem Film keinen Grund mehr aufzustehen. Die Türen lassen sich vom Bett aus verriegeln, die Heizung einstellen und Radio sowie Beleuchtung ein- und ausschalten. Sechs Stunden später: Die Geräusche der Standheizung haben das Einschlafen am Abend etwas hinausgezögert, dafür hat sich die Matratze mittlerer Härte der 815 Millimeter breiten unteren Liege als komfortabler Untergrund erwiesen. Wer bei Lichteinfall nicht schlafen kann, muss sich mit den durchlässigen Vorhängen etwas ein­fallen lassen.

Anhängersteckbremse bei Bergabfahrt wichtig

Als der Motor die Arbeit wieder aufnimmt, erklärt Rosell noch einiges zur Bergabfahrt. Bei 60 Tonnen, starkem Gefälle und schlechtem Untergrund sollte der Fahrer die Anhängerstreckbremse einsetzen, lautet sein Rat. Sie verhindert, dass der Anhänger das Zugfahrzeug aus der Spur schiebt. Zum Aktivieren zieht der Fahrer am Hebel für die Motorbremse und betätigt danach einen Knopf am Hebel. Die Arbeit der Streckbremse ist durch regelmäßiges Ziehen des Anhängers am Zugfahrzeug deutlich zu spüren und sie bringt den 62,5-Tonnen-Lkw in stabiler Straßenlage wohlbehalten hinab, zurück auf die Autobahn in Richtung Göteborg. Während ­Rosell Kaffee kocht, bremst ein Pkw den Lkw auf der Einfädelspur aus. Nun steht der FH16 am Fuß einer achtprozentigen Steigung erst einmal still. Doch auch das ist kein Problem für den Koloss, der flugs wieder Fahrt aufnimmt.

Als der FH16 wieder bei Volvo Trucks in Göteborg auf den Hof rollt, bleibt die Erkenntnis, dass 750 PS mehr als genug sind – auch für einen 62,5 Tonnen schweren Lkw. Die Nacht in der Kabine war komfortabel und Mikael Rosell kocht den besten Kaffee in der Kabine. König des Waldes? Das konnten wir nicht vollumfänglich erproben. Er ist auf jeden Fall ein Top-Arbeitsgerät.

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6. Juli 2014
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