Renault Trucks T520 Maxispace, Truck of the Year 2015 11 Bilder Zoom
Foto: Thomas Küppers

Renault Trucks T520 Maxispace

Mehr als Äusserlichkeiten

Der T520 Maxispace bietet im Fernverkehrsangebot von Renault Trucks in jeglicher Hinsicht das Maximum an Leistung, Raum und Ausstattung. Wir haben uns besonders dem Innenraum gewidmet.

Drehen sich die Gespräche um den Renault Trucks T, geht es fast immer nur um das ­Design. Auf unserer rund 2.000 Kilometer langen Testfahrt mit dem Franzosen war das ebenso der Fall. An Autohöfen kommt es immer wieder zu Diskussionen über das Äußere des großen Franzosen. Seine technischen Eigenschaften treten dabei in den Hintergrund. Kaum ein Lkw-Fahrer spricht beispielsweise über die leistungsstärkste Ausführung des 13 Liter großen Motors, es geht auch nie um das große Fernverkehrshaus, das High Sleeper Cab. Die Geister scheiden sich zu sehr an der Optik des T. Schade, denn der Franzose hat viel mehr zu bieten als nur ein unkonventionelles Design.

Wer sich ein umfassendes Urteil über den T bilden möchte, sollte zunächst über die vier steilen Stufen über dem Radkasten das hoch positionierte Fahrerhaus entern. Oben angekommen, heißt ein topfebener Kabinenboden den Fahrer willkommen. Den Verzicht auf einen Motor­tunnel hat sich Renault Trucks für die großen Häuser ins Lastenheft geschrieben. So kann der Fahrer sich frei im geräumig angelegten Wohn- und Arbeitszimmer bewegen.

Sogleich fallen die zahlreichen Schränke über Armaturenträger und Bett auf. Gab es im Magnum gelegentlich Platzprobleme beim Verstauen des täglichen Bedarfs, ist im T mit dem sogenannten Maxispace-Konzept reichlich Raum. Neben den fünf Staufächern oberhalb der Windschutzscheibe ersetzt im Maxispace-Haus eine weitere Schrankeinheit mit drei Fächern die obere ­Liege. Unterm Bett findet sich zudem ein geräumiges Staufach, das auch von außen zugänglich ist.

Ablagen knapp bemessen

Was trotz reichlich Fächern etwas zu kurz kommt, sind Ablagen für Dokumente und ­Papiere in der Nähe des ­Fahrerarbeitsplatzes. Im Format DIN A4 ist dort nichts zu finden. ­Einzige Alternative ist die Ablage auf dem ­Armaturenträger, unter der sich auch gut ­zugänglich der Sicherungskasten versteckt.

Vor dem Start hilft ein Blick in die Bedienungsanleitung, um den Besonderheiten des T auf die Schliche zu kommen. Wenn der Lesestoff auch trocken ist, so lässt er sich wenigstens gemütlich im drehbaren Beifahrersitz konsumieren. Vom 90 Grad gedrehten Sitz aus kann der Fahrer, wenn die Arme schwer werden, das Bibel-dicke Werk auf dem Klapptisch überm Bett ablegen. Der bietet reichlich Fläche, könnte aber eine rutschhemmende Oberfläche, Kanten am Rand und einen Becherhalter gut vertragen. Letzterer käme allerdings nur zum Einsatz, wenn der Fahrer vor dem Drehen des Beifahrersitzes sein Getränk aus dem Kühlschrank holt. Andernfalls lässt sich die elektrisch verriegelte Schublade des Kühlschranks nicht öffnen, weil der gedrehte Sitz den Weg verstellt.

Nach dem Studium des Bordbuchs steht dem Beginn der Tour nichts mehr im Wege. Der bequeme Fahrer-Ledersitz lässt sich leichtgängig in Position bringen. Die Einstellung des Lenkrads nach Betätigen der Taste neben der Lenk­säule fällt schwerer. Im Gegensatz zum Konzernbruder Volvo FH bietet der Renault anstatt drei nur zwei Verstellpunkte an der Lenk­säule an. Das letzte bisschen Neigung des Volants für ­eine dauerhaft bequeme Armposition bleibt der T schuldig.

Aufgeräumtes Cockpit

Das ebenso futuristisch wie basisch gestaltete Cockpit des französischen Flaggschiffs wirkt aufgeräumt. Alle Schalter sind in Reichweite, ­allerdings teilweise nicht intuitiv bedienbar, wie sich auf den ersten Metern herausstellt. Vor dem Motorstart muss der Fahrer noch im Navi das ­Tagesziel programmieren, was sich als schwierig erweist. Eine einfache Zieleingabe, wie man sie von Tom-Tom, Garmin und Co. kennt, sucht der Fahrer vergebens. Es dauert trotz vermeintlich einfacher Bedienung per Touchscreen beim ­ersten Versuch tatsächlich gut zehn Minuten, bis das ­erste Ziel über das Menü mit seinen zahlreichen Ebenen eingestellt ist. Bei der zweiten Zieleingabe am nächsten Tag geht dann aber ­alles wesentlich leichter von der Hand.

Längere Einarbeitungsphasen nötigt der ­Re­nault T dem Fahrer auch während der Fahrt ab. Im ersten Schritt gilt es, alle benötigten Schalter, Rädchen und Regler zu finden. So verstecken sich beispielsweise auf der Unterseite des Lenkrads auf drei und neun Uhr Bedienelemente für die Menüführung des Kombiinstruments und die Steuerung der Tempomatgeschwindigkeit. Letztere kommt allerdings erst zum Einsatz, wenn der Fahrer am Armaturenträger über einen Drehschalter mit logisch angeordneten Funktionen die Wahl zwischen Limiter, Tempomat (CC) und Abstandsregeltempomat (ACC) getroffen hat. Vor allem beim Wechsel zwischen CC und ACC braucht der blinde Griff zum ­Armaturenträger etwas Übung. Deutlich intuitiver geht das bei Fahrzeugen der Wettbewerber von der Hand, die die Steuerung ausschließlich über Tasten auf dem Lenkrad bewerkstelligen.

Gute Kombination aus Motor und Übersetzung

Nach einer gewissen Einarbeitungszeit ist die Bedienung des Renault T unkompliziert. Von Stuttgart aus geht es direkt auf die Autobahn in Richtung Norden. Bereits auf den ersten Metern beeindruckt der T520 mit ansprechenden Fahrleistungen und einer gelungenen Schaltstrategie. Die Kombination des 13-Liter-Motors mit 520 PS und einem Drehmoment von 2.550 Newtonmetern ab 1.050 Umdrehungen mit der längsten verfügbaren Hinterachsübersetzung (i = 2,64) erweist sich als gute Kombination für den 40 Tonnen schweren Zug.

Dabei weiß das Zwölf-Gang-Optidriver-Getriebe, mit den meisten Fahrsituationen souverän umzugehen. Bei aktiviertem ACC wechselt das Fahrzeug die Gänge nach oben so früh wie möglich. Dafür schaltet es bei Bedarf erst spät zurück. Bei einer schwächeren Motorisierung ist das nicht immer die beste Lösung, aber mit dem leistungsstärksten Aggregat kombiniert, gibt sich Optidriver keine ­Blöße. Bei 85 km/h im Direktgang hat der T520 bei 1.215 Umdrehungen noch ausreichend Reserven.

Dieser Inhalt ist exklusiv für unsere Digital-Abonnenten

Melden Sie sich an und prüfen Sie, ob Ihre Abonummer in Ihrem Profil hinterlegt ist. Wenn Sie Abonnent sind, aber noch kein Profil haben, können Sie sich hier registrieren. Weitere Informationen zu Registrierung und Anmeldung finden Sie hier.

› Jetzt anmelden

Sie haben noch kein Digital-Abo? Angebote und Informationen zu unseren Titeln und den Digital-Abos erhalten Sie in unserem Shop.

› Jetzt informieren
Portrait

Autor

Datum

16. Juli 2015
5 4 3 2 1 0 5 0
Kommentare
Unsere Experten
David Keil, Berater und Projektmanager Logistiksoftware und Telematiksysteme David Keil Berater Logistiksoftware und Telematiksysteme
Beratung, Implementierung und Schulung von Logistiksoftware bei Unternehmungen. Anpassung und… Profil anzeigen Frage stellen
Experte für Softwareauswahl und -einführung (TMS, WMS, CRM etc.); Optimierung von Organisation, Prozessen und der IT in Transport und Logistik Rainer Hoppe Softwareauswahl und -einführung
Rainer Hoppe berät Speditionen und Logistikunternehmen bei der Auswahl von Software für das… Profil anzeigen Frage stellen
Aktuelle Fragen
Kostenloser Newsletter
Newsletter Small

+++ Tests +++
+++ News +++

Und immer bequem und kostenlos per E-Mail.