MAN Trucknology Days, Lkw 12 Bilder Zoom
Foto: Thomas Küppers

MAN Trucknology Days

170 MAN-Lkw unter der Lupe

Bei den Trucknology Days von MAN gibt es reichlich Gelegenheit, die Produkte des Münchner Lkw-Bauers zu testen. lastauto omnibus hat dort fünf Fahrzeuge für besondere Aufgaben gefahren.

Produktschau der Superlative – MAN hat zu den Truck­nology Days nach München geladen. Rund 7.000 Besucher sind der Aufforderung gefolgt, um mehr als 
170 Lkw unter die Lupe zu nehmen.  Wir haben uns daruntergemischt.

Vom kleinen TGL bis zum Flaggschiff TGX ist alles vertreten, was Räder hat. Dabei gewährt der Münchner Lkw-Bauer nicht nur Einblicke in die Produktpalette, sondern stellt auch alle Gewichts- und Leistungsklassen für Probefahrten zur Verfügung. Mit von der Partie sind zahlreiche Aufbauhersteller, die die MAN-Lkw für besondere Einsatzzwecke veredeln.

Trucknology Road Show gibt es seit 2005

"Für den Kunden ist die Kombination aus Lkw und Aufbau interessant", erklärt Roy Tietze. Der Abteilungsleiter für Aufbauherstellerbetreuung bei MAN hat 2005 die Trucknology Road Show initiiert – eine jährliche Leistungsschau, bei der 80 MAN-Fahrzeuge durch 
14 Länder reisen, um sich den Kunden vor Ort zu präsentieren.

Seit 2009 öffnet MAN einmal pro Jahr auch in München zwei Tage lang die Tore des Truck Forums für alle Interessierten. Rund 7.000 Besucher sind in diesem Jahr dem Ruf gefolgt. Bei der ersten Veranstaltung waren es noch halb so viele.

Einigen Besuchern ist anzusehen, welche Kombination aus MAN-Fahrgestell und Aufbau sie bevorzugen, so auch den Herren der Freiwilligen Feuerwehr ­Wernau bei Stuttgart.

Die Gruppe gestandener Männer ist unter anderem nach München gereist, um die neuen Feuerwehrfahrzeuge mit Euro 6 Probe 
zu fahren. MAN gehört zu den ­ersten Herstellern, die ­Fahrgestelle für Feuerwehraufbauten mit der neuen Abgasstufe anbieten.

Rosenbauer liefert schon Euro 6

"Wir haben bei der Entwicklung unserer Fahrzeuge darauf geachtet, dass die Position der Auspuff­anlage für Feuerwehraufbauten entsprechend versetzt werden kann", erklärt Tietze. Im ­Moment gebe es in Deutschland zwar noch eine Ausnahmegenehmigung für die Nutzung von Euro-5-Fahr­zeugen bei der Feuerwehr, aber erste Interessenten für Euro 6 gebe es schon, sagt Tietze.

Einer der Aufbauer, die bereits Euro-6-Lkw ausrüsten, ist die österreichische Firma Rosenbauer. Deshalb steht auf der Teststrecke hinterm MAN Truck Forum auch ein TGM 18.340 4x4-Löschfahrzeug für eine Proberunde bereit. "Der Feuer­wehraufbau kostet in der Regel weit mehr als das Fahrgestell", erläutert Tietze. Deshalb kaufe der Aufbauer das Grundfahrzeug von MAN, bevor es an die umfang­reichen Umbauten geht.

Was das reine Fahren betrifft, unterscheidet sich der Rosenbauer-Lkw kaum von anderen TGM. Lediglich am Drehschalter der MAN Tipmatic ist mit "Ds" ­eine zusätz­liche Option vorhanden, die nur Feuerwehrmännern und Katastrophenschützern bekannt sein dürfte.
Dabei handelt es sich um ein Schaltprogramm, das MAN speziell für sogenannte Alarmfahrten entwickelt hat. Im direkten Vergleich zur Standardstrategie bedeutet das kürzere Schaltzeiten und eine ­anders angelegte Logik für Rückschaltungen, um den TGM spurtstärker zu machen. Diese Ausführung ist übrigens auch für die leichtere TGL-Reihe zu haben.

Getriebesoftware zeigt Alarmfahrt an

Im 340 PS starken Rosenbauer-MAN zeigt die Getriebesoftware auch gleich, was mit Alarmfahrt gemeint ist. Die Schaltunterbrechungen 
sind ähnlich kurz wie bei einem Offroad-Programm. Allerdings überspringt der Ds-Modus im Gegensatz zum Offroad-Programm auch Gänge beim Hochschalten.

2.000 Umdrehungen sind jeweils die Untergrenze für einen Gangwechsel. So kann der Fahrer dem Lkw bei Bedarf ordentlich die ­Sporen ­geben. Der Einkuppelvorgang des automatisierten Getriebes geht ­dabei so schnell vonstatten, dass die Besatzung auf dem Lkw mit deftigen Lastwechselschlägen 
leben muss.

Bei der von der Dauerbremse unterstützten Verzögerung via Bremspedal schaltet die Getriebesoftware die Gänge nach unten durch, um auf eine erneute Beschleunigungsanforderung des Fahrers mit ausreichend Leistung unmittelbar reagieren zu können. Da diese Schaltstrategie für Teile des Antriebsstrangs eine hohe ­Belastung darstellt, ist das Ds-­Programm ausschließlich für Fahrzeuge mit einem hoheitlichen Auftrag verfügbar.

Entspannt im MAN TGS 26.480 6x6H

Wesentlich entspannter geht es in der Schwerlastzugmaschine TGS 26.480 6x6H zu. Das drei­achsige Zugfahrzeug mit wohn­lichem LX-Fahrerhaus zieht einen hydraulisch zwangsgelenkten Zweiachs-Tieflader von Faymonville übers MAN-Gelände. Als ­Ladung schleppt der TGS einen TGS 40.540 auf dem Auflieger hinter sich her. Viel Last und ein hoher Schwerpunkt fordern dadurch auch in der Ebene einiges von Fahrer und Fahrzeug.

Unter der Zugmaschine verrichtet der 480 PS starke D26 mit 12,4 Liter Hubraum seine Arbeit. Der Wechsel durch die Gänge findet manuell statt, wobei das Testfahrzeug mit Comfort-Shift ausgestattet ist, das nach Aktivieren über einen Knopf am Schalthebel einfaches Schalten ohne Kupplung erlaubt. Das erleichtert die Arbeit mit dem recht schwergängigen Schalthebel. Zudem bleibt der Tempomat im Comfort-Shift-Modus beim Schalten aktiv, was konzentriertes Arbeiten bei Schwerlastaufgaben erleichtert. Auf der MAN-Teststrecke fehlt es an herausfordernden Steigungen, deshalb kommt der Euro-6-TGS mit einem maximalen Drehmoment von 2.300 Newtonmetern trotz reichlich Gewicht kaum an seine Grenzen. Selbst wenn es so weit wäre, bietet die Allradzugmaschine mit dem hydrostatischen Zusatzantrieb Hydro-Drive an der gekröpften Vorderachse bis Tempo 30 noch Reserven.

TGS 35.480 8x4 mit Halfpipe-Aufbau

Deutlich häufiger im steigungsbedingten Grenzbereich dürfte sich der TGS 35.480 8x4 bewegen. Mit Halfpipe-Aufbau aus dem Hause Meiller ist der 480 PS starke Traktionskünstler auf der Baustelle beziehungsweise auf der Offroad-Etappe der MAN-Teststrecke zu Hause.

Auf Letzterer ist der TGS mit dem gewohnt schmaleren Fahrerhaus als beim TGX wenig gefordert. Das liegt zum einen am nicht sonderlich schwierigen Streckenprofil und zum anderen an den soliden Traktionseigenschaften. So krallen sich die Räder des Fahrzeugs auf der Verwindungsstrecke fest in den Boden, weil das Tandemachs­aggregat hinten mit langen Federwegen den Konturen des Untergrunds zuverlässigt folgt.

Bemerkenswert kleiner Wendekreis

Bemerkenswert ist der Wendekreis des Fahrzeugs. Mit zwei gelenkten Vorderachsen und einem Bremseneingriff an den kurven­inneren Rädern ist das 35 Tonnen schwere Fahrzeug auch auf engeren Baustellen gut manövrierbar.

Verzichtbar ist indes die handgerissene 16-Gang-Schaltung im Euro-6-Testfahrzeug, aber in Verbindung mit Hydro-Drive unerlässlich. Im Zeitalter gut durchdachter Schaltstrategien bei automatisierten Getrieben ist manuelles Schalten bei einem 35-Tonnen-Truck eine unnötige Zusatzbelastung für Fahrer und Fahrzeug.

Apropos Belastung: Bevor es zurück zum Straßentest geht, lädt Marc Stegmaier auf eine Runde in seinen Trial-Truck ein und erteilt dem automatisierten Getriebe ­eine klare Absage. Auch das Thema Komfort wird im Trial-Truck eher kleingeschrieben. So muss der Beifahrer einiges aushalten können.

Brachialer Vortrieb dank 2.800 Newtonmeter

Dafür gibt’s Emotionen satt. 2.800 Newtonmeter maximales Drehmoment liegen an der Kurbelwelle an und sorgen für brachialen Vortrieb. Hinzu kommt eine Geräuschkulisse, die ihresgleichen sucht, da zwischen Turbolader und der freien Natur nur ein Blechrohr liegt.
Doch zurück zu alltäglichen Gefährten. Für die letzten Runden warten noch ein TGM 18.340-Absetzkipper sowie ein TGL 12.220 für den Frischedienst. Beide gehören wohl zu den Klassikern im leichten und mittelschweren innerstädtischen Verkehr. Entsprechend unspektakulär treten TGM und TGL auch auf.

Mit Einführung der ­Abgasstufe Euro 6 haben beide Stadt-Lkw kosmetische Veränderungen im Innenraum verpasst bekommen. Sehr zum Vorteil gereicht ihnen dabei die Instrumententafel im Stil der der großen Brüder. Der wohl maßgeblichste Eingriff mit Wechsel der Emissionsklasse findet bei der Abgasreinigung statt. Dort muss MAN nun auch bei den kleineren Baureihen auf eine Nachbehandlung mittels SCR-Technologie setzen.

TGL-Zwölftonner mit Frischdienstaufbau

Der TGL-Zwölftonner ist mit ­einem Frischdienstaufbau von TBV unterwegs. Bei voller Beladung ist der Lkw mit dem 220-PS-Aggregat ausreichend motorisiert. Auch hier kommt das automatisierte Zwölfgang-Getriebe Tipmatic (alias ZF AS-Tronic) zum Einsatz. Verfügbar wären noch zwei handgeschaltene Getriebe mit wahlweise sechs oder neun Gängen.

Beim TGM steht nur ein manuelles Neungang-Getriebe als Alternative zur Tipmatic im Testfahrzeug zur Verfügung. Das Sechsgang-­Getriebe ist den kleinen Aggregaten mit vier Zylindern vorbehalten. Den TGM gibt es ausschließlich mit einem Sechszylinder – im Testfahrzeug mit satten 340 PS.

Die wirken umso mächtiger, weil der Absetzkipper-Aufbau ohne Beladung daherkommt. Da bringt der zweistufig aufgeladene Motor in den niedrigen Gängen die Reifen leicht an die Traktionsgrenze. Das macht auf der Testrunde zugegebenermaßen einigen Spaß. Aber das soll es ja bei den ­Trucknology Days. Denn auch dafür hat Roy 
Tietze die Produktschau der Superlative auf die Beine gestellt.

Mit Brief und Siegel

MAN bietet nationalen und internationalen Aufbauherstellern ein Zertifizierungsprogramm an. Damit will der Lkw-Hersteller die Zusammenarbeit verbessern. Das Gütesiegel soll Kunden beim Kauf Sicherheit in Sachen Qualität geben. Wer zertifiziert ist, erklärt sich mit einer Qualitätsprüfung seiner Produkte durch MAN bereit. Danach erfolgt beim Bestellprozess ­eines Lkw mit Aufbau die Koordination durch MAN. Das bedeutet, dass Kunden einen Liefertermin für ihr Fahrzeug von MAN bekommen. Konstanty und Andrzej Kamionka von der polnischen Firma KH-Kipper haben eines dieser Zertifikate für ihre Baustellenlösungen auf MAN-Fahrgestellen erhalten. Der Verantwortliche für Aufbauhersteller bei MAN, Roy Tietze, übergab das Zertifikat. Aufbauer können den Prozess online über das Ad­vanced Body Builder Interface (ABBI) anstoßen.

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15. Juni 2014
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