Dacia Dokker (2018) 6 Bilder Zoom
Foto: Thomas Küppers

Dacia Dokker Express

Transporter ohne viele Extras

Deutschlands günstigstes Nutzfahrzeug muss sich beweisen. Natürlich kommt dessen Preis aber nicht ohne Abstriche zustande. Lohnt sich der Dacia Dokker Express trotzdem?

Dacia ist seit seinem Markteintritt im westlichen Europa vor allem für günstige Preise bekannt – und das über alle Segmente. So erstaunt es wenig, dass auch der günstigste Kompaktlieferwagen Deutschlands einen stilisierten Flaschenöffner auf dem Kühlergrill trägt. Der 102 PS starke Benziner im Dacia Dokker Express schöpft seine Leistung und 156 Newtonmeter Drehmoment aus knapp 1,6 Litern Hubraum. Einen Turbo gibt es nicht. In der Praxis macht sich das auf zweierlei Art bemerkbar. So fehlt es dem Motor an Drehmoment im unteren und mittleren Drehzahlbereich. Einmal auf Touren, beschleunigt er den leer nur 1,2 Tonnen schweren Dokker aber dennoch halbwegs spritzig. Ein positiver Aspekt des Saugmotors fällt im Verbrauchskapitel auf.

Gefühllose Lenkung trifft auf weich abestimmtes Fahrwerk

Mit 6,2 Litern auf 100 Kilometer ist der Dacia zwar nicht übermäßig sparsam, immerhin reißt er die Werksangabe auf der Verbrauchsrunde aber nur um zehn Prozent, hält also im Praxisbetrieb keine unschönen Überraschungen bereit. Ohne Turbo kann das Triebwerk außerdem frei ausatmen. Rein akustisch kommt so ein Hauch von Sportlichkeit auf. Das Fahrverhalten wirkt etwas synthetisch, beinahe entkoppelt, was zu einem großen Teil am weich abgestimmten Fahrwerk und der etwas gefühllosen Lenkung liegt. Gleichzeitig fehlt es dem Dokker trotz des geringen Drehmoments hin und wieder an Traktion, obwohl die Reifen mit 185 Millimetern gar nicht so schmal ausfallen. Das deaktivierbare ESP zeigt, dass die Entwicklungsabteilung bei der Abstimmung etwas sparsam war. Es regelt ruppig und wirft eher den Anker, als den Fahrer sanft zu unterstützen.

Wenige Überraschungen warten auch im Innenraum. Bei einem Einstiegspreis von 8.400 Euro in der gehobenen Ambiance-Ausstattung vollbringen die Materialien natürlich keine Wunder. Das Interieur ist dennoch ordentlich verarbeitet und steht der meisten Konkurrenz nicht wirklich nach. Das leider recht tief eingebaute Touchnavi kommt ohne Bedien-Allüren aus und führt problemlos zum Ziel. Angenehm sind die reichlich vorhandenen Ablagen. Allerdings sind die Klimaregler noch weiter aus dem Sichtfeld des Fahrers entrückt als das Display. Das Kapitel Ergonomie fällt damit eher bescheiden aus. Denn auch die Sitzposition ist nicht ganz gelungen. Dafür reicht der Komfort der Sitze für kurze und mittlere Strecken völlig aus. Der Verstellbereich passt auch für Fahrer über 1,80 Meter. Hinter dem Fahrgastraum erstreckt sich das Ladekompartiment. Mit maximal 3,9 Kubikmetern – 3,3 ohne Easy Seat-System – fällt das tatsächlich üppig aus. Erwähnt sei hier nur, dass Dacia etwas mit den Verzurrpunkten geizt. Die acht Punkte beschränken sich auf den Boden – an den Seiten Fehlanzeige. Zudem gibt es keinen schnell sichtbaren Hinweis auf die maximal mögliche Zurrkraft.

Zoom Dacia Dokker Foto: Thomas Küppers
Durchs Heck passt eine Europalette, sofern sie nicht hoch ist. Die Schiebetür fällt eher eng aus.

Variable Trennwand

Den Laderaum trennt im Testwagen eine sogenannte Vario-Trennwand, wobei "Wand" eigentlich der falsche Begriff ist. Vielmehr handelt es sich dabei um ein Drahtgitter hinter den Sitzen. Dieses lässt sich schon von Hand leicht eindrücken. Auf einen Bremstest mit unzureichend gesicherter, schwerer Ladung haben wir darum lieber verzichtet. Gleichzeitig sind die Drähte ziemlich scharfkantig. Allerdings ermöglicht die Netzwand, den Laderaum signifikant zu vergrößern. Denn erst wenn der Beifahrersitz ausgebaut ist und das Gitter nach vorne schwenkt, sind die vollen 3,9 Kubikmeter verfügbar. Easy Seat-Sitz raus und Gitterschwenken gehen relativ einfach von der Hand. Die an den Sitz angenähte Anleitung ist dabei aber zunächst wenig hilfreich.

Beim zweiten Mal klappt’s aber besser, zumal der Sitz nicht allzu schwer ausfällt. Das Gitter rastet per Zughebel aus und ein. Die maximale Ladelänge wächst dann auf nicht zu verachtende 3,11 Meter. Er fährt, er bietet Platz, er hat einen gewissen Komfort, aber ist der Dokker Express auch sicher? Zwar ist der Dacia kein Rennwagen, doch die passive Sicherheit könnte etwas besser ausfallen. Der Vorderwagen wirkt nicht herausragend stabil und der Drei-Sterne-Crashtest des Cousins Lodgy bei NCAP zeigt, dass Luft nach oben ist. Maximal vier Airbags, drei davon aufpreispflichtig, sind ebenso keine Meisterleistung. Fahrerassistenzsysteme sind gar nicht erst Teil der Preisliste. Allerdings erwartet die in dieser Preisklasse auch niemand. Im Kapitel Sicherheit sollte Dacia dennoch nachbessern. Den Rest haben die französischen Rumänen, besonders zu diesem Preis, sehr passabel hingekriegt.

Dieser Artikel stammt aus Heft lastauto omnibus 04/2018.
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Ford Transit Custom

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Datum

9. April 2018
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