Alle Marken
Hier zu allen Marken des Fahrzeugtyps
1000 Punkte Test 31 Bilder Video Zoom
Foto: Karl-Heinz Augustin

1000 Punkte Test - Mercedes, Scania, Volvo

Obere Lkw-Mittelklasse im Vergleich

Mit mittelgroßer Kabine und moderater Motorisierung um die 450 PS stehen diese Zugmaschinen zwar nicht in der ersten Reihe. Doch sind genau sie es, deren Rackern den Laden für gewöhnlich am Laufen hält.

Gut situiert und jeglichem Exzess abhold: So ließe sich die obere Mittelschicht beim Lkw von heute beschreiben. Sie greift nicht nach den Sternen, ist aber strebsam. Tüchtig ohnehin – und gönnt sich auch mal was. Das Motto "Mit Maß und Ziel" bedeutet für die Motorisierung so rund 450 PS aus drehmomentstarken 13-Liter-Motoren. Und fürs Gehäuse kein verschwenderisches, aber ein ordentliches Maß an Platz. Ob Mercedes Actros mit Streamline-Fahrerhaus, ob der neue R-Scania mit Highline-Kabine oder der Volvo FH mit gewöhnlichem Globetrotter-Haus: Lkw ihres Schlages sind wahrscheinlich der beste Kompromiss, wenn es darum geht, Attraktivität für den Fahrer und hohe Wirtschaftlichkeit unter einen Hut zu bringen.

Fahrerhaus des Actros kann sich sehen lassen

Im Fall des Mercedes stellt sich allerdings gleich die Frage, ob mit der Streamline-Kabine nicht doch zu kurz gesprungen ist. Nein, lautet klar die Antwort, wenn der Streamline-Actros wie beim Testfahrzeug mit ebenem Boden innendrin daherkommt. Dieses Schmankerl hebt ihn unter seinen beiden Kontrahenten bei diesem Vergleich gleich einmal hervor. Denn beim neuen Scania gibt es ein motortunnelfreies Fahrerhaus jetzt zwar, jedoch nur in der Kabinen-Königsklasse namens S. Bei Volvo ist so etwas überhaupt nicht zu haben. Nachteil der ebenen Böden: der hohe Einstieg und gewisse Abstriche bei der maximalen Innenhöhe. Es führt klar in die Irre, bei Streamline eine Existenz zu vermuten, die doch arg im Schattender großen Brüder Giga- sowie Bigspace tapert. Bis zur Gürtellinie gibt es da beim Interieur ja gar keinen Unterschied in der Familie. Zwar ist beim Actros obendrein solch ein schickes Rückwandmodul nicht zu haben, mit dem Volvo der Stauraumbilanz schon seit Langem aufhilft und das Scania für die neue Generation des Greifen nun auch anbietet. Stattdessen gibt es für den Actros aber anstelle der oberen Liege ein Gepäcknetz in Hängemattenmanier, das auch etwas für sich hat: Wird’s grad nicht gebraucht, trägt es auch nicht so dick auf.

Und schweift der Blick nun auf das, was der Actros bei seiner sonstigen Möblierung zu bieten hat, so ist durchaus Respekt angebracht. Höchstes Lob erntet er gleich einmal für Verarbeitung und Finish. Bei der Kommode mittig vorn im Flur kann er dank des ebenen Bodens so aus dem Vollen schöpfen wie keiner der Mitstreiter. Weitere Stärken sind das vorbildliche Ablagenkonzept und die gelungene Raumaufteilung: Trotz einer durchgängig 740 Millimeter breiten Liege glänzt der Mercedes mit dem weitesten Verstellbereich des Sitzes in Längsrichtung. Sowohl Scania als auch Volvo gehen da mit Einzug hinterm Sitz bei den Liegen weniger großzügig vor. Und trotzdem fällt der Verstellbereich des Sitzes in Längsrichtung jeweils geringer aus.

Geringer Spritverbrauch beeinträchtigt Fahrleistung

In dieser Hinsicht macht das ja schon im Jahr 2011 vorgestellte Interieur der jüngeren Konkurrenz also immer noch was vor. Unterm Blech werkelt beim 1845er-Actros von heute aber schon die zweite Generation des Reihensechszylinders OM 471 im Verein mit einem vielerorts optimierten Triebstrang. Sprit zu sparen war erklärtes Ziel der Umbauten, die von neuer Spoilerlippe an der Front bis hin zu optimierter Antriebsachse reichen. Stark setzte Mercedes dabei auch darauf, dem Motor noch mehr Power bei niedrigen Drehzahlen zu verschaffen. Die nutzt der Eco-Modus der Powershift-Automatik denn auch weidlich. Und fährt damit am Ende das zweitbeste Ergebnis beim Spritverbrauch ein, das beste im Feld gar für den sparsamen Konsum von Adblue.

Erkauft ist dieses Resultat allerdings mit einer gewissen Mäßigkeit bei der Fahrleistung. Ein Muster an Spritzigkeit ist der Actros, sofern im Eco-Modus gefahren, nun ganz bestimmt nicht. Mag der Zweck beim Spritsparen manches subjektiv eher verdrießliche Mittel noch heiligen, so gilt das für bestimmte andere Eigenarten sicherlich weniger: Der Ton, den der Weltmotor OM 471 anschlägt, macht keine sonderlich reine Musik und ist einigermaßen aufdringlich. Die aus dem Maschinenraum stammendenVibrationen sind selbst im Lenkrad noch zu spüren. Und dass die Federung bestimmten Schlag-Frequenzen immer noch nur bedingt Paroli bieten kann, das macht die Sache auch nicht besser.

Kompletten Inhalt freischalten ...
Kostenlos für unsere Digital-Abonnenten
1000 Punkte Test

Melden Sie sich an und prüfen Sie, ob Ihre Abonummer in Ihrem Profil hinterlegt ist. Wenn Sie Abonnent sind, aber noch kein Profil haben, können Sie sich hier registrieren. Weitere Informationen zu Registrierung und Anmeldung finden Sie hier.

FERNFAHRER Lastauto Omnibus trans aktuell
Kaufen Sie diesen Artikel
 
1000 Punkte Test
Obere Lkw-Mittelklasse im Vergleich 1000 Punkte Test - Mercedes, Scania, Volvo

Nach dem Kauf können Sie diesen Artikel in Ihrem Profil unter Gekaufte Artikel jederzeit aufrufen. Falls Sie noch kein Profil haben, können Sie sich hier kostenlos registrieren.

PayPal
9,99€
Dieser Artikel stammt aus Heft lastauto omnibus 04/2018.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.

Autor

Datum

19. März 2018
5 4 3 2 1 0 5 0
Kommentare
Unsere Experten
Portrait von Thomas Pirke Thomas Pirke Verkehrspsychologe
Durchführung und Entwicklung von Rehabilitationsprogrammen für verkehrsauffällige Kraftfahrer… Profil anzeigen Frage stellen
Aktuelle Fragen