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Foto: Wolfgang Tschakert

Zahnräder und Hightech

ZF-Komponenten für Omnibusse

ZF löst mit dem automatisierten Traxon-Getriebe die AS-Tronic ab, und Stadtbusse mit Ecolife-Automatik sparen künftig dank Start-Stopp-Funktion Kraftstoff.

Aus der Omnibuswelt ist der ZF-Konzern nicht mehr wegzudenken. Das beginnt bei den Getrieben, die in Bussen aus aller Herren Länder ihren Dienst versehen. Wer unter die bunt lackierten Blechkleider blickt, findet selbst bei renommierten Fahrzeugherstellern Achskonstruktionen, die aus dem Passauer ZF-Werk stammen. Und nicht zuletzt die 8098er-Lenkungen, die mittlerweile von einem Bosch-Unternehmen kommen. Wegen der Fusion mit dem amerikanischen Zuliefergiganten TRW mussten die Joint-Venture-Anteile am Lenkungshersteller ZF Lenksysteme aus kartellrechtlichen Gründen an den bisherigen Partner Bosch verkauft werden. Der jetzt weit größere ZF-Konzern stellt sich nun rundum neu auf. Es gilt, rechtzeitig Lösungen für die Megatrends von morgen zu entwickeln.

Kein Megatrend, aber nicht zu übersehen, ist der Fortschritt, den das Lastschaltgetriebe Ecolife im Stadtbus realisiert. Längst erwartet und hinlänglich angekündigt ist die neue Start-Stopp-Funktion, mit der die Sechsgangautomatik bis zu zehn Prozent Kraftstoff einsparen soll. Was auch plausibel klingt, schließlich laufen die Diesel von Stadtomnibussen bis zu 40 Prozent unnötigerweise im Leerlauf.

Das Fahrzeugsystem funktioniert auch ohne Motor

Eine Kostprobe davon gibt der VDL Citea LLE, dem die Experten ohnehin eine hohe Effizienz nachsagen. Auf der ZF-Testanlage kommt der vollformatige Low-Entry mit kleinem Cummins-Diesel mit schnellen ruckfreien Ecolife-Schaltungen zügig in Schwung. An der fingierten Haltestelle hat der Sechszylinder nach einem kräftigen Tritt aufs Bremspedal erst einmal Pause. Tür auf, Tür zu – das Fahrzeugsystem funktioniert auch ohne Motor. Auf den Befehl des Gasfußes hin meldet sich das 250-PS-Triebwerk wieder zurück zum Dienst. Den fürs Gangeinlegen nötigen Hydraulikdruck hält der Primärretarder bereit. Darüber hinaus verstärkten die Entwickler den Wandler und die Wandlerkupplung.

Dass eine Wandlerautomatik auch eine Option für Reisebusse sein kann, demonstriert ZF anhand eines rechtsgesteuerten Irizar i6 mit MX-11-Sechszylinder von DAF. Die Beschleunigung fällt für 435 PS fast fulminant aus; der 15 Meter lange Dreiachser ist damit mehr als ausreichend motorisiert – ein Fall für viele Stadtfahrten, effizient auch auf schwieriger Topografie. Der ohne Zugkraftverluste agierende Antriebsstrang in Verbindung mit einer langen Achse wird nicht nur im Zielmarkt Großbritannien Freunde finden. Das automatisierte Zwölfganggetriebe Traxon hat seine erste Bewährungsprobe hinter sich. ZF liefert das Nutzfahrzeuggetriebe weltweit an zahlreiche Lkw-Hersteller. Im nächsten Schritt soll Traxon die bewährte AS-Tronic im Reisebus ablösen.

Im täglichen Stop-and-Go ist die Kriechfunktion hilfreich

Im ZF-eigenen Versuchsträger, einem VDL Futura, konnte man sich bereits ein Bild davon machen. Der VDL mit Traxon-Box fährt feinfühlig an und beschleunigt mit schneller Schaltfolge. Bedienelemente, DNR-Drehschalter und die manuelle Schaltung per Lenkstockhebel waren jedoch noch alter technischer Stand.Die ZF-Instruktoren attestieren dem Futura-Testfahrzeug noch Prototypstatus. Idle Speed heißt die Kriechfunktion. Der Hochdecker bummelt dann mit Leerlaufdrehzahl voran – im täglichen Stop-and-Go ist das sparsam und hilfreich. Der Verschleiß mit geschlossener Kupplung wird so minimiert. Wie es um die Schnellschaltfunktion der oberen Gänge steht, muss eine ausführliche Testfahrt zeigen. Ebenso wie der konzerneigene GPS-Tempomat mit dem Getriebe harmoniert – für Omnibushersteller ohne eigenen Antriebsstrang wie VDL, Irizar, Van Hool und Temsa sind diese Entwicklungen von essenzieller Bedeutung.

Und noch eine Getriebeneuheit lässt aufhorchen. Sie heißt ZF Powerline und basiert auf der erfolgreichen 8-HP-Baureihe. Die Achtgangautomatik wurde für mittelschwere Fahrzeuge weiterentwickelt und dürfte gerade Hersteller von Midibussen interessieren. Das Powerline-Getriebe, gut für bis zu 1.400 Newtonmeter Eingangsmoment, soll auch deutliche Gewichtsvorteile einbringen. Die erste Proberunde in einem artfremden Dodge Ram mit Cummins-Diesel macht jedenfalls Appetit auf mehr. Die Schaltqualität ist hervorragend, die breite Spreizung der Übersetzungen erlaubt lange Achsen. Das Produkt zielt geradewegs auf den Wettbewerber Allison.

ZF will bei der Elektrifizierung von Omnibussen ordentlich mitmischen

Geht es um E-Antriebe und die Elektrifizierung von Omnibussen, möchte ZF ein gewichtiges Wort mitreden. Hier bringt der Konzern vor allem seine bekannte Elektro-Portalachse AVE 130 in Stellung. Sie zielt auf Niederflurkonzepte, die Anbindung an den Fahrzeugkörper ähnelt konventionellen Portalachsen. Jeweils zwei radnahe Elektromotoren, aber keine Radnabenmotoren, mit maximal 120 kW sorgen für nachdrückliche Dynamik. Für eine Proberunde steht ein batterieelektrischer Sileo-Gelenkbus bereit, der mit zwei angetriebenen AVE-Achsen sehr flott und mit einem Tram-ähnlichen Singsang beschleunigt. Für weitere Omnibusprodukte, Low-Entry-Fahrzeuge beispielsweise, die auf Portalachsen verzichten, erweitert ZF sein Portfolio mit einem elektrischen Zentralantrieb. Diese wassergekühlte Asynchron-Elektromaschine bietet eine Ausgangsleistung bis 200 kW und bis zu 4.200 Nm.

Sie liefert die Leistung über ein Untersetzungsgetriebe an konventionelle Antriebsachsen. Das neue Produkt soll 2018 an den Start gehen. Die Manöverfunktion Safe-Range könnte das Rangieren an Omnibus-Betriebshöfen sicherer machen. Omnibusse könnten damit auch durch Waschanlagen gesteuert werden. Die autonome Rangierfunktion – ursprünglich für den Lkw entwickelt – vernetzt dabei die ZF-Systeme am Fahrzeug und am Betriebshof mittels stationärer Überwachung. Kameras in der Waschhalle und am Abstellplatz erfassen den zu rangierenden Gelenkbus, der mit einer aktiven Elektrolenkung genau in Position fährt. Bedient wird das Fahrzeug von außen. Dazu handhabt der Fahrer ein Tablet, anstatt die mühselige Rangierarbeit im Fahrzeug zu leisten.

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Dieser Artikel stammt aus Heft lastauto omnibus 09/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.

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Datum

24. August 2016
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