Scania Wuttke Trans 18 Bilder Zoom
Foto: Thomas Kueppers

Volvo NH

Würdiger Nachfolger der Haubenwagen

Obwohl Gesetzesänderungen die Haubenlastwagen längst ausgebremst haben, halten die Fans der Langnasen die letzten Exemplare am Leben.

Es ist noch nicht so viele Jahrzehnte her, da durften viele Lastwagenfahrerhäuser auch noch in Europa eine Schnauze tragen. Es muss ja nicht immer so eine endlos lange Haube wie bei den US-Trucks sein. Aber das Gefühl, einen schützenden Bug mit einem Motor darin vor sich herzuschieben und dadurch im Fahrerhaus immer einen durchgehenden Boden zu haben, macht auch das Fahren mit den kurzschnäuzigen Varianten zu einem echten Vergnügen. Bis in die 80er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts waren die Kurzhauber noch ein gewohnter Anblick auf den deutschen Straßen. Für den Export wurden sie sogar bis in die 90er-Jahre gebaut. Danach war es lange nur noch Hersteller Scania, der die Tradition der Haubenwagen am Leben hielt.

Harald Wuttke, der gemeinsam mit seinem Bruder Georg die gleichnamige Spedition aus dem oberfränkischen Burgkunstadt betreibt, hat mit der schon länger zurückliegenden Restaurierung eines Scania-111-Haubers, Baujahr 1978, den frühen Schnauzern ein technisches Denkmal gesetzt.

Haubenwagen scheitert an Vorschriften zum Aufprallschutz

Nachdem Volvo Ende der 80er-Jahre den Verkauf von Haubern schon einmal eingestellt hatte, besann sich der Hersteller noch mal im Jahr 2000 und bot den Kunden in Europa einen Hauber an. Dazu musste nichts neu konstruiert werden, denn das brasilianische Werk produzierte bereits ein prächtiges Modell, den NH 12, für den südamerikanischen Markt. Das musste nur noch importiert und für die europäischen Zulassungsvorschriften modifiziert werden. Schnell konnte der moderne Volvo- Schnauzer eine Fangemeinde gewinnen, trotzdem hielt sich der Absatz in Europa in Grenzen. Nur wenige Jahre später, 2003, verschärfte die Europäische Union die Vorschriften zum Aufprallschutz. Um den Haubenwagen dafür anzupassen, hätte großer technischer Aufwand betrieben werden müssen.

Volvo stoppte daher den Verkauf und bot ab da nur noch Frontlenker an. Das ist eigentlich sehr bedauerlich, ebenso wie das Verschwinden der Scania-Hauber vom hiesigen Markt, denn es liegt nur an den sturen europäischen Vorschriften, die die Gesamtlänge der Lastzüge begrenzt und nicht wie in Nordamerika die Länge der Ladeflächen. Ein Haubenwagen rangiert etwas sperriger, dafür bietet er dem Fahrer eine große Verformungszone zur Sicherheit und ein herrliches Fahrgefühl. Die meisten Volvo NH sind mittlerweile verschrottet oder in ferne Länder exportiert worden. Nur wenige Exemplare der legendären Volvo-Schnauzer sind hierzulande erhalten geblieben. Ein besonders schönes haben wir bei der Spedition Wuttke gefunden.

Wuttke Trans bleibt markanter Farbgebung bis heute treu

Der NH lief lange bei einem Messedienstleister in Dänemark und landete dann auf verschlungenen Wegen bei einem Händler in Gütersloh. Harald Wuttke entdeckte die Sattelzugmaschine, Baujahr 2001, im Internet und kaufte sie im Januar 2012. Die technische Substanz war noch gut brauchbar, trotzdem entschloss sich Harald Wuttke zu einer Generalüberholung. Der 53-jährige Unternehmer führt die eigene Werkstatt und kümmert sich darum, dass die 14 ziehenden Einheiten und die Flotte von Kipp- und Siloaufliegern jederzeit in perfektem Zustand sind. Nur, wenn gerade kein anderer Lastwagen zu behandeln war oder keine anderen Touren für den Werkstattmeister anstanden, konnte er die technische Überholung weiter vorantreiben. Das Transportunternehmen wurde im Jahr 1950 von Vater Herbert Wuttke begründet, das erste Zugfahrzeug war ein Lanz-Bulldog.

Später kamen Magirus, Krupp und Henschel in den Fuhrpark. Letztgenannter Hersteller bot schon damals eine zweifarbige Lackierung des Fahrerhauses ab Werk an, so entstand die markante Farbkombination, der Wuttke Trans bis heute treu geblieben ist. Die Gebrüder Wuttke und ihre Mitarbeiter behaupten sich heutzutage im harten Transportwettbewerb mit einem möglichst makellosen Auftritt und merkbar gutem Betriebsklima. Es gibt Kollegen, die seit Jahrzehnten dabei sind, und junge Fahrer, die als Krönung einer gut absolvierten Ausbildung zum Abschluss einen fabrikneuen Lastwagen bekommen haben. Drei Berufskraftfahrer-Azubis sind ein deutliches Zeichen, dass man hier auch über die eigene Zukunft nachdenkt.

Volvo NH trägt zur Leistungsfähigkeit der Firma bei

Und bei einem Rundgang am Wochenende über den Betriebshof zeigen sich sämtliche Fahrzeuge, selbst Wechselauflieger, in einem technisch und optisch absolut einwandfreien Zustand. Und auch der Volvo NH, der in erster Linie der Freude seiner Besitzer dient, trägt zur Leistungsfähigkeit der Firma bei. Denn wenn ein anderer Sattelschlepper technisch pausieren muss oder ein wichtiger Termin wegen Lenkzeiten in Gefahr gerät, schwingt sich Harald Wuttke hinters Lenkrad und greift mal schnell als Ablösung ein. Die Restaurierung der Zugmaschine dauerte fast eineinviertel Jahre, zum Vatertag 2013 ging es dann mit den Kindern und einem Siloauflieger auf Jungfernfahrt nach Berchtesgaden. Der NH ist heute in einem noch viel besseren Zustand als zu Zeiten seines Stapellaufs.

Ein Chip-Tuning verleiht dem 420-PS-Sechszylinder 80 zusätzliche Pferde. Riffelblech verkleidet das Fahrwerk des Volvo, Schläuche und Kabel erhielten eine Konsole aus Edelstahl. Das Heck schließt mit einer Stoßstange im dänischen Stil ab. Vorne schmücken Peilstäbe, Scheibengitter und Frontspoiler aus glänzendem Stahl den Lastwagen. Selbst die Einstiegsstufen und die Türgriffe sind mit demselben Material verblendet. Der Metallbauer Kreaplan aus Weißenbrunn steuerte raffiniert geformte Bleche mit LED-Leisten bei. Aufwendig war auch die dreifarbige Lackierung mit unzähligen Abstufungen sowie die Konservierung des Rahmens, der komplett neu aufgearbeitet und mit Klarlack versiegelt wurde.

Schnauzer zeugt von der legendären Zeit der Haubenwagen

Und wegen der Lastverteilung für den 60-Kubikmeter-Siloauflieger von Spitzer versetzte Harald Wuttke sogar die Hinterachse um 30 Zentimeter nach hinten, jetzt auf 4,9 Meter, um die Achslasten korrekter einzuhalten. Nicht weniger aufwendig gestaltete sich die Verschönerung des Kabineninterieurs, teils in Eigenregie, teils wurden ausgebaute Teile bei Lkw-Zubehör in Berg beledert und bestickt. Noch immer hat Harald Wuttke weitere Ideen, wo man noch dieses oder jenes Detail verbessern könnte. Jetzt zeugt der Schnauzer von der legendären Zeit der Haubenwagen, die bei Volvo in frühen Zeiten als Baureihe "Titan" angeboten wurde. Der Wuttke-NH ist ein würdiger Nachfolger dieser Traditionslinie.

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Dieser Artikel stammt aus Heft FERNFAHRER 07/2017.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.

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Datum

8. Juni 2017
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