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Foto: Matthias Rathmann

Verband Spedition und Logistik NRW

Spediteur Scharrenberg: Standort NRW stärken

Den Logistikstandort Nordrhein-Westfalen (NRW) stärken, den Dialog mit der Verkehrspolitik pflegen und dem Fachkräftemangel begegnen – der neue Vorstandsvorsitzende des Verbands Spedition und Logistik (VSL) NRW, Heinz Scharrenberg (70), dürfte in den nächsten drei Jahren stark gefordert sein.

Auch innerhalb des Verbands warten auf Unternehmer Heinz Scharrenberg aus Mettmann anspruchsvolle Aufgaben. Unter anderem geht es darum, einen geeigneten Nachfolger für ihn aufzubauen. Mitte Dezember hatte er von seinem Unternehmerkollegen Wolfgang Stromps (74) das VSL-Ruder übernommen. Stromps ist Chef der auf England- und Irland-Verkehre spezialisierten Spedition Stromps + Co in Krefeld und hatte vor drei Jahren bekräftigt, dass er kein weiteres Mal für den VSL-Chefposten kandidieren würde. "Obwohl mir das nicht leichtfiel, weil alles versucht wurde, mich zu einer weiteren Amtszeit zu überreden", sagt Stromps. Er wirkte mehr als 20 Jahre im VSL-Vorstand mit, davon 13 Jahre als Vorsitzender.

Spediteur Scharrenberg strebt Generationswechsel an

Scharrenberg, dessen Firmen ihren Schwerpunkt in der Entsorgungslogistik haben, wäre eine andere Nachfolgelösung lieber gewesen. Doch starb der als Stromps-Nachfolger favorisierte Oliver Aeuer (Geschäftsführer der früheren Spedition Limon aus Essen) vor zwei Jahren mit nur 47 Jahren. Um den Verband in dieser Situation nicht hängen zu lassen, stellte sich Scharrenberg zur Wahl. "Ich werde versuchen, die Jungen im Verband nach vorne zu bringen", kündigt er an. Ziel müsse es sein, dass in drei Jahren der Generationswechsel an der Spitze gelingt.

Scharrenberg: Identifikation mit dem VSL NRW stärken

Der Unternehmer will den Verband aber nicht nur für den Nachwuchs attraktiver machen, sondern auch die Identifikation mit dem VSL und den Austausch innerhalb der Unternehmerschaft stärken. Mit Sorge sieht Scharrenberg, dass die Besucherzahlen bei den Jahrestagungen zurückgehen. Die Mitgliederzahlen seien dagegen leicht steigend, betonen die VSL-Verantwortlichen und nennen die Namen einiger klangvoller Logistikkonzerne, die sich der Organisation in den vergangenen Jahren angeschlossen hätten.

VSL NRW als Heimat für Logistiker und Mittelständler

Der VSL sieht sich vor allem als Heimat für Logistikdienstleister und mittelständische Speditionen – wie die Beispiele Stromps und Scharrenberg zeigen. Zu den Mitgliedern zählen rund 380 Kraftwagen-, 160 Luftfracht-, 60 Binnenschiff- und 40 Bahnspeditionen. Den Bereich Kontraktlogistik, für den es eine eigene Verbandssparte gibt, repräsentieren 80 Mitglieder.

Scharrenberg muss in seiner neuen Funktion nicht bei null beginnen – 13 Jahre lang war er Stromps Stellvertreter. "Es war eine lange und freundschaftliche Zusammenarbeit", bilanziert er. Beide Spediteure verkörpern den familiengeführten Mittelstand, Stromps führt sein Unternehmen mit 65 Mitarbeitern in vierter Generation, Scharrenberg seine Gruppe mit 85 Mitarbeitern in fünfter Generation. Auch gab es gemeinsame Themen, die beide verbanden – allen voran die Unternehmensnachfolge. Stromps baute Christoph Rochow als externen Nachfolger auf. Der eigene Nachwuchs machte Karriere außerhalb der Logistikbranche. Sein Sohn ist Arzt, seine Tochter Anwältin. Bei Scharrenberg gelang die Übergabe innerhalb der Familie: Sohn Jens übernahm zu Jahresbeginn das operative Geschäft.

VSL NRW: guter Draht zu Verkehrsminister Hendrik Wüst

Was Stromps, der neuerdings als Ehrenvorsitzender beim VSL fungiert, und Scharrenberg weiter eint, sind feste Vorstellungen darüber, was der Verband in den nächsten Jahren gewerbepolitisch anpacken muss. Der geschäftsführende Vorstand Dr. Rüdiger Ostrowski nennt exemplarisch die Begleitung der Verkehrspolitik und das Entschärfen des akuten Engpasses beim Fachpersonal.

Was den Dialog mit der Verkehrspolitik angeht, sind die VSL-Verantwortlichen guter Dinge. "Wir haben den Eindruck, dass sich Landesverkehrsminister Hendrik Wüst sehr für die Belange der Branche interessiert", sagt Heinz Scharrenberg. Der CDU-Politiker besuchte zum Beispiel die VSL- Mitgliederversammlung und hielt für Stromps eine Laudatio. Der Geehrte würdigt umgekehrt, dass Wüst ein menschlicher Minister sei, der selbst Auto fahre und den Zustand des Straßennetzes kenne.

Ostrowski hebt auch hervor, dass es der Landesregierung in NRW gelungen sei, 217 Bauprojekte im Bundesverkehrswegeplan (BVWP) zu platzieren. Mit 18 Prozent habe NRW unter den Ländern den höchsten Anteil am Budget des BVWP. Für den Verkehrsbereich erhofft sich der geschäftsführende Vorstand nun zahlreiche Impulse, während die vorherige Koalition viele Projekte blockiert habe – etwa den Lang-Lkw.
Ostrowski spricht von einer Aufbruchsstimmung. Einziger Wer­muts­trop­fen: Nicht alle Projekte lassen sich so schnell wie erhofft umsetzen, schon gar nicht der Neubau der Leverkusener Brücke. Bei dem 740-Millionen-Euro-Projekt steht als Starttermin das Jahr 2024 im Raum.

Fachkräftemangel stellt Branche vor Herausforderungen

Einen langen Atem müssen die Verbandsmitglieder auch beim Rekrutieren von Fachpersonal haben – dem nächsten Dauerbrenner, der den VSL bewegt. Der Fahrerengpass spitzt sich laut der Verbandsleitung immer mehr zu. Junge Leute könne man kaum mehr für den Beruf begeistern, und ab 2025 beginne die Pensionierungswelle für die geburtenstarken Jahrgänge.

Dass die Not groß ist, zeigt sich für Ostrowski unter anderem durch Abwerbeaktionen an Rasthöfen und die Entwicklung der Löhne. "Es geht hier nicht um eine Tariferhöhung, sondern um heftige Zulagen, die wir leisten müssen", erläutert auch der VSL-Vorsitzende Scharrenberg. Habe man in NRW vor einigen Jahren noch 2.600 bis 2.700 Euro brutto pro Fahrer bezahlt, sei die 3.000er-Marke längst überschritten. Das könne man nur durch Preiserhöhungen auffangen.

Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, sind laut VSL NRW vielschichtige Maßnahmen aus Politik und Wirtschaft erforderlich. Unter anderem müsse die Branche auch selbst mehr tun, um für die Logistikberufe zu werben. "Warum nicht auch über eine bundesweite Plakataktion", fragt Ostrowski. An Ideen mangelt es dem VSL also nicht. Der neue Vorstand wird nun darüber befinden, ob und in welcher Form sie sich umsetzen lassen, um die Branche weiter voranzubringen und den Logistik­standort NRW zu stärken.

Die Top-Themen des Verbands

In seinem aktuellen Positionspapier benennt der VSL NRW insgesamt elf priorisierte Themenfelder:

  • Hafenflächen erhalten
  • Kombinierten Verkehr fördern
  • Duale Ausbildung stärken
  • Anerkennungsverfahren von Migranten beschleunigen
  • Weiterbildung fördern
  • Tempo 30 auf Hauptstraßen verhindern
  • Einsatz von Lang-Lkw fördern
  • Weichen für schnellen Infrastruktur-Ausbau stellen
  • Bürokratie abbauen
  • Kapazitäten am Flughafen Düsseldorf erweitern
  • Nachtflugbetrieb am Flughafen Köln/Bonn sichern

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

Datum

9. Februar 2018
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