Alles über UTA - das Servicekartensystem mit dem Plus
Volker Huber, UTA Zoom
Foto: Karl-Heinz Augustin

UTA-CEO Volker Huber im Interview

Bilanz nach Mehrheitsübernahme durch Edenred

Seit Anfang des Jahres hält die französische Edenred-Gruppe, ein Anbieter für Gutscheinkarten, 51 Prozent am Tank- und Servicekartenanbieter UTA. UTA-Geschäftsführer Volker Huber zieht im Gespräch mit eurotransport.de die Bilanz der bisherigen Zusammenarbeit.

Eurotransport.de: Herr Huber, seit dem 1. Januar hält die Edenred-Gruppe, ein französischer Anbieter für Gutscheinkarten, 51 Prozent an UTA und ist damit Mehrheitseigentümer. Was bedeutet dieser Schritt für UTA?

Huber: Da Edenred schon seit 2014 mit 34 Prozent an UTA beteiligt ist, war dieser Schritt für uns nicht mehr so wild. Edenred ist kein branchenfremder Finanzinvestor, sondern ein strategischer Investor, der heute bereits über umfangreiche Erfahrungen im Tankkartenbereich verfügt. Wir stimmen uns eng mit den Verantwortlichen ab und profitieren natürlich auch von deren Kundenstamm. Edenred hat weltweit etwa 800.000 Firmenkunden, die unter anderem die (steuerbegünstigten) Guthabenkarten und Essensgutscheinen nutzen. Außerdem betreibt Edenred selbst Tankkartensysteme und ist beispielsweise Marktführer in Südamerika. Wir bilden oft dieselbe Zielgruppe ab.

Könnte man beide Geschäftsmodelle – Tankkarte und Essensgutschein – in einer Karte zusammenführen?

Aufgrund der rechtlichen Bedingungen müssen wir genau überlegen, welche Produkte in ein Kartensystem passen. Wir überlegen durchaus, beide Angebote sinnvoll zu kombinieren.

Gibt es noch weitere Synergien?

Wir tauschen uns auch zu technologischen Themen aus, da Edenred viele Prozesse digitalisiert hat, wie zum Beispiel das mobile Bezahlen per Smartphone oder Tablet. Auch bei den Märkten entstehen viele Synergien. Rumänien ist ein sehr starker Edenred-Markt in Europa, auch in Tschechien und Polen sind sie gut vertreten. Das passt gut zu uns, denn unser größter Wachstumsmarkt ist Osteuropa.

Warum gerade Osteuropa?

Wir haben in den vergangenen zwei Jahren die Internationalisierung stark vorangetrieben. Und natürlich müssen wir dort sein, wo unsere Kunden sind. Das Flottenwachstum findet momentan eben vor allem in Osteuropa statt. Die Kosten – gerade für das Fahrpersonal – sind dort einfach günstiger.

Wird es in ein paar Jahren die klassische Tankkarte überhaupt noch geben oder läuft alles digital ab?

Ich gehe von einem parallelen Prozess aus. Es gibt auch in fünf Jahren noch Karten, aber das Segment der Apps wächst. Und somit auch die Mögklichketen an digitalen Bezahlsystemen. Das hängt allerdings auch von den Märkten und der hoffentlich zunehmenden technologischen Standardisierung der Abrechnungssysteme auf Tankstellenseite ab. Digital heißt für mich aber auch, dass es der Kunde einfach hat und er sich wohlfühlt. Kunde bedeutet hierbei sowohl der Fahrer als auch das Transportunternehmen. Wir sprechen zum Beispiel mit den Herstellern, wie man das Tankkartensystem ins Navigationsgerät integrieren könnte.

Auch eine Maut-Mulitbox für alle Länder und Systeme würde vieles vereinfachen. Wie laufen hierzu die Entwicklungen?

Bereits heute bieten wir unseren Kunden eine Mautbox für mehreren Länder. Wir arbeiten daran, dies in 2018 weiter auszubauen und weitere, zusätzliche Länder in einem System abzubilden.

Im vergangenen Jahr hat UTA das deutsche Marktmanagement zentralisiert. Niederlassungen wurden geschlossen, dafür betreuen die zuständigen Vertriebsmitarbeiter die Kunden vor Ort. Wie lautet die Bilanz nach einem Jahr?

Es hat ein Jahr bis zur vollständigen Etablierung gedauert, da wir mit vielen Traditionen gebrochen haben. Aber es funktioniert. Der Fokus liegt nun vollkommen auf dem Markt. Wir haben sowohl ein dezidiertes Key-Account- als auch Mittelstandsmanagement etabliert, um den Herausforderungen und Wünschen unserer Kunden gerecht zu werden.

Was sind die Herausforderungen des Mittelstands?

Im Mittelpunkt steht die Einfachheit. Mittelständische Unternehmen wollen kein komplexes Produkt, sondern eines das schnell und einfach funktioniert. Zudem muss es einen zentralen Ansprechpartner geben.

Welche neuen Angebote gibt es für Fahrer?

Wir haben in diesem Jahr den Online-Blog "Stories from the Tanke" für Fahrer ins Leben gerufen. Die Geschichten, die die die Fahrer täglich erleben, können sie dort veröffentlichen. Der Austausch mit den Fahrern ist uns wichtig. Auch Veranstaltungen wie den Truck-Grand-Prix nutzen wir dazu.

Neben der Digitalisierung sind alternative Antriebe momentan eines der wichtigsten Zukunftsthemen. Wie bereitet sich UTA darauf vor?

Wir sind fertig, unser Konzept steht. Was fehlt, ist der Nachfragedruck. Dies hängt auch von der jeweiligen Fahrzeugklasse ab. Seit ein paar Jahren bieten wir zum Beispiel gemeinsam mit einem Automobilhersteller die Charge & Fuel Card an, die mithilfe einer App das Aufladen von Elektroautos oder Plug-in-Hybriden vereinfacht. Doch die Karte wird leider kaum nachgefragt, daher rechnet sich das Angebot für uns noch nicht. Wir gehen allerdings davon aus, dass die Nachfrage sprunghaft ansteigen wird.

Sehen Sie für das Lkw-Segment ein größeres Potenzial?

Für Lastwagen unter einem Gewicht von 3,5 Tonnen und im Bereich von 3,5 bis 7,5 Tonnen ist die Nachfrage hoch, da wird die Elektromobilität bald kommen. Im Segment der schweren Lkw bin ich skeptisch im Hinblick auf die kommenden Jahre. Die entscheidende Frage wird auch sein: Wo sind die nächsten Ladestationen? Auch wir sind mit unserem Angebot an die Ladeinfrastruktur gebunden, die sich noch deutlich verbessern muss.

Sie sind seit August 2015 bei UTA. Wie liefen die vergangenen beiden Jahre?

Wir haben UTA auf eine neue Basis gestellt, nun folgt die Expansionsphase. Wir sind mittlerweile in Frankreich und Italien sehr stark, das wollen wir ausbauen. Außerdem planen wir, in Spanien zu wachsen, da es einer der größten Transportmärkte in Europa ist. Doch unser größter Wachstumsmarkt ist und bleibt Osteuropa. Wir erstellen momentan den Plan für die nächsten Jahre und arbeiten dafür eng mit Edenred und den anderen Gesellschaftern zusammen.

Neben Edenred sind die Gründerfamilien und Daimler weitere Anteilseigner. Wie bringen Sie die Anteilseigner unter einen Hut?

Alle Protagonisten passen perfekt zusammen. Die Expertise der Gründerfamilien, gepaart mit der Erfahrung zweier in ihrem jeweiligen Segment führender Konzerne bietet eine hervorragende Basis. Dies wird von Edenred gefördert und gefordert.

Zur Person

  • Volker Huber (51) ist seit August 2015 Sprecher der UTA-Geschäftsführung
  • Seit 1986 bei Lufthansa, wo er unter anderem das Internetportal Opodo gründete. 2002 Wechsel zur Lufthansa-Tochter Air Plus Servicekarten, einem Anbieter von Firmenkreditkarten. Anschließend Leiter des Firmenkundengeschäfts beim Hotelvermittlungsportal HRS
  • Von 2004 bis 2012 im Präsidium des Verbands Deutsches Reisemanagement (VDR)
  • Geboren in Achern (Nordschwarzwald), drei Töchter
Franziska Niess

Datum

25. August 2017
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