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Foto: Otto Miedl

Truck Jobs: Kanalreinigung

Dumbo on Tour

Die Gegensätze könnten kaum größer sein. Mit einem piekfeinen Mercedes Actros entfernt Sascha Schmitz die ekligsten Überbleibsel der Gesellschaft.

Der Job von Sascha Schmitz ist wahrlich nicht jedermanns Sache. Aber diese Arbeit muss eben auch gemacht werden. Außerdem entschädigt ihn ein schönes Fahrzeug, das viele Annehmlichkeiten besitzt, für den bisweilen ganz und gar nicht leichten Job.

Man sollte schon Nehmerqualitäten besitzen oder wenigstens nicht sofort die Nase rümpfen, wenn Sascha Schmitz einen Kanaldeckel beiseite wuchtet oder irgendeinen Schacht öffnet. Wer sich bereits hier angewidert abwendet, wird in diesem Job nie glücklich werden. Das Spülen, Reinigen und Absaugen von Kanälen und Schächten gehört zu den täglichen Aufgaben des gelernten Berufskraftfahrers.

Nach Veilchen riecht es selten

"Nach Veilchen riecht es hier selten." Fast entschuldigend kommt Sascha immer wieder dieser Satz über die Lippen: "Ich rieche das schon gar nicht mehr." Und nach der Art und Weise, wie er mit einer stoischen Ruhe und viel Umsicht diesen Job verrichtet, während sich bei manch anderen so langsam der Mageninhalt in Bewegung setzt, muss man ihm diese Aussage auch abnehmen.

Seit 2011 ist Sascha Schmitz bei Arei Kanal-Service aus Düren beschäftigt. "Arei" steht für Abflussreinigung. Den größten Teil seines jetzigen Fachwissens eignete er sich im Laufe der Zeit selbst an. Bis März 2015 verrichtete er seinen Job auf einem kombinierten Saug- und Spülwagen, einem Mercedes-Benz Actros MP3. Sein neuer Actros 2551 mit großem Gigaspace-Fahrerhaus ist ebenfalls für Saug- und Spülarbeiten ausgelegt. Er stellt aber alles Bisherige in den Schatten. Man muss schon weit reisen, um ein ähnliches Fahrzeug in dieser Kombination von edler Ausstattung und hochtechnisiertem Arbeitsgerät noch einmal zu Gesicht zu bekommen.

Der neue Actros hat alles, was Sascha zum Leben und Arbeiten braucht. Eigentlich ist er einem noblen Wohnmobil gar nicht so unähnlich – nur die Toilettenanlage ist eben etwas überdimensioniert ausgefallen. Ansonsten sorgen Mikrowelle, DVD- und Blu-ray-Player, Kühlschrank, fließendes Warmwasser und eine mobile Außendusche für recht viel Unabhängigkeit und führen nicht zuletzt mit der geschmackvoll anmutenden Lederausstattung des Fahrerhauses einen gewissen Lebens- und Arbeitsstandard ein. Selbst ein beheizter Kleiderschrank ist mit an Bord. Er wird bei Bedarf von einer Webasto-Standheizung mit warmer Luft versorgt. Aber auch die übrigen Geräteschränke können entsprechend belüftet werden. Im Übrigen sind alle Schränke mit hellen LED-Leuchten ausgestattet, die wiederum mit Bewegungsmeldern gekoppelt sind. Kleine Annehmlichkeiten wie diese sorgen dafür, dass sich der Aachener ums Wesentliche kümmern kann.

Zwei Monate dauerte der Aufbau des Actros

Zu Saschas Kunden gehören Firmen und Privatpersonen, aber auch Gemeinden und Kommunen. Vor allem in den vier Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und im Saarland öffnet der 33-jährige Entsorgungsprofi die Deckel und Schächte zur Unterwelt.

Aufgebaut wurde der Actros mit der kombinierten Saug- und Spülanlage von Müller Umwelttechnik GmbH & Co. KG aus Schieder-Schwalenberg. Fast zwei Monate stand der dreiachsige Mercedes dafür bei den Spezialisten in Nordrhein-Westfalen. Alle Pumpen – Vakuum und Hochdruck – des Actros, der als selbstfahrende Arbeitsmaschine zugelassen werden konnte, lassen sich per Fernbedienung ansteuern. Außerdem können sämtliche hydraulischen Funktionen wie das Öffnen und Schließen des heckseitigen Deckels, das Schwenken der Haspel und die Bewegungen des Entleerungskolbens auf die gleiche Weise erledigt werden. Lediglich der Schlauchkastendeckel an der Fahrerseite wird pneumatisch per Hubzylinder geöffnet und geschlossen.

Den Großteil der Wartungs- und Reparaturarbeiten an seinem Actros führt Sascha selbst aus. Überdies dürstet es den Dreiachser stets nach ausreichend Pflege und Zuwendung. Mindestens einmal in der Woche ist ein Großputz für den silberfarbenen Giganten fällig, den der verheiratete Familienvater liebevoll auf den Namen "Dumbo" getauft hat. Über mehrere Stunden lässt Sascha dann Schwamm und Wasserschlauch tanzen. Fast täglich steht aber auch ein grobes Abdampfen auf dem Plan.

400.000 Euro Listenpreis

Für Saugarbeiten kann Sascha auf drei verschiedene Schläuche unterschiedlicher Längen – 20, 24 und 25 Meter – zurückgreifen, die natürlich auch miteinander gekoppelt werden können. Am längsten ist der 160 Meter lange Spülschlauch. Außerdem steht für Spültätigkeiten noch ein 50 Meter langer Schlauch auf einer Handhaspel zur Verfügung. Letzterer kann übrigens auch zur oben erwähnten Fahrzeugwäsche eingesetzt werden.
So, wie er dasteht,  besitzt der 510 PS starke Actros einen Listenpreis von knapp 400.000 Euro. Allerdings ist seine Nutzungsdauer auch auf 15 bis 20 Jahre ausgelegt, was heutzutage eine überdurchschnittlich lange Zeit ist. Sascha weiß also jetzt schon, dass – sofern alles in normalen Bahnen verläuft – seine Hände für die nächsten zehn Jahre an eben dieses Actros-Lenkrad greifen werden.

Eine gewisse Schmerz-unempfindlichkeit muss der 33-jährige Fahrer bisweilen auch unter Beweis stellen, wenn es um das Arbeiten an Sonn- und Feiertagen geht. Der Großteil seiner Arbeitszeit läuft zwar relativ geregelt ab, allerdings zwingen Notdienste und Rufbereitschaften immer mal wieder dazu, dass Sascha seinen Actros auch dann anwirft, wenn der Rest der Republik exakt das Gegenteil macht.

Seinem "Dumbo" werden also mit Sicherheit Einsätze an Tagen wie Ostern, Weihnachten oder Silvester nicht erspart bleiben. Beim Vorgänger verhielt es sich ähnlich. Verstopfte Rohre und Überschwemmungen scheren sich eben nicht viel um Feiertage und dergleichen.

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Dieser Artikel stammt aus Heft FERNFAHRER 01/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.

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Datum

3. Januar 2016
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