Scania Verbist 13 Bilder Zoom
Foto: Thomas Kueppers

Scania T von Verbist

Riesenschnauzer

Wenn Vater und Sohn im eigenen Unternehmen hart arbeiten, verdienen sie auch eine gewisse Belohnung. Die Verbists gönnen sich dafür prächtige und aufsehenerregende Lastwagen.

Den Belgiern eilt das Vorurteil voraus, dass ihr Hauptnahrungsmittel frittierte Kartoffelstäbchen sind. Und es stimmt, denn überall im Land gibt es unzählige Imbisslokale, in denen diese Speise angeboten wird. Allerdings werden die Pommes hier mit mehr Liebe serviert. Zweimal separat in hochwertigem Fett gegart, sind sie knuspriger und auch die Auswahl der verfügbaren Soßen geht weit über das rot-weiße Einerlei hinaus. Zu den größten Lieferanten der Rohware gehört Verbist aus Hulshout, südöstlich von Antwerpen gelegen. Der Familienbetrieb wird schon in der vierten Generation von Carl Verbist geführt und auch sein 18-jähriger Sohn Arne ist mit großem Einsatz dabei.

Wöchentlich werden rund 15 Lastzüge der Erdäpfel verarbeitet, dazu steht eine hochmoderne Maschinerie in der Fabrikationshalle bereit. Rund 350 "Fritterien" werden ständig mit frischester Ware versorgt. Vater und Sohn eint eine große Freude an Lastwagen. Carl hat den eigenen Werksverkehr in den 80er-Jahren mit einem DAF 3300 begründet, und schon den hat er damals mit Stil verschönert.

Alte Sattelzugmaschine hat zehn Jahre Kippauflieger hinter sich

Noch heute stammt ein Teil der zehn Lastwagen der Firmenflotte aus Eindhoven. Aber daneben kommen nun auch einige Prachtstücke mit dem Greif im Firmenzeichen zum Einsatz. 2014 wurde als Flaggschiff ein bulliger R730 als dreiachsiger Schlepper gekauft. Doch der Wunsch nach etwas noch Individuellerem bestand weiter. Vater und Sohn hatten nämlich schon 2011 einen T144/530 in Schweden beschafft. Diese Sattelzugmaschine hat zehn Jahre Kippauflieger für das Transportunternehmen Lulles nördlich von Stockholm gezogen, danach und mit rund einer Million Kilometern auf dem Zähler war er durch die harte Arbeit sichtbar verschlissen.

Scania hat den Typ 144 im Jahr 1995 vorgestellt. Sowohl die verfügbare Hochdachkabine wie auch die Leistungssteigerung des 14,2-Liter-Motors auf 530 PS und 2.300 Nm Drehmoment machten ihn damals zum Traumtruck vieler Fahrer. Er hat zwar schon einiges an elektronischer Steuerung, doch als Handschalter und Fußkuppler vermittelt er auch noch die Form von urwüchsigem Fahrgefühl, die seinen hochmodernen Brüdern von heute immer weiter verloren geht. Schon länger lassen die Verbists einige ihrer Lastwagen im Atelier von Sjaak Kentie östlich von Rotterdam verfeinern. In den Niederlanden treibt die Kultur der Lastwagen-Verschönerung und Verbesserung besonders bunte Blüten. Und ist es nicht nachhaltiger, einem mit immensem Aufwand gebauten Lastwagen nach einem Jahrzehnt der Nutzung zu einem zweiten Leben zu verhelfen, anstatt ihn irgendwie zu entsorgen?

Verbists ließen ihre Haubenwagen sogar verlängern

Besonders gilt dies für Haubenwagen. Auch wenn die Hersteller meinen, dass diese Gattung in Europa längst ausgestorben sein sollte, gibt es doch viele Lastwagenfreunde, die die Riesenschnauzer am Leben halten oder sich sogar neue bauen lassen. Die Verbists gingen noch einen Schritt weiter: Sie haben ihren 144er bei Fahrzeugbauer Winkoop, ebenfalls in den Niederlanden, um rund 60 Zentimeter verlängern lassen. Sjaak Kentie hatte anschließend eine komplett leere Kabine und ein nacktes Chassis als Grundlage. In langen Gesprächen mit den Verbists entstand ein Fahrzeugkonzept, das viele herrliche Ideen verwirklicht und aus dem alten Kipperschlepper wieder eine prachtvolle und einzigartige Schönheit zauberte.

Dabei zitiert das Fahrzeug einige Stilelemente dänischen Fahrzeugbaus. Und selbst die seltene Farbgebung stammt von der ursprüngliche Idee her von einem dänischen Transporteur. Fast zwei Jahre dauerte die Verwirklichung des gesamten Umbaus, vergangenes Jahr schließlich wurde er fertig. Der Schlepper ist mit seiner riesigen Kabine im wahrsten Sinn des Wortes eine Wucht. Mit dem Hochdach und dem voluminösen Fahrerhaus kommt er dem Format amerikanischer Zugmaschinen schon ziemlich nahe. Und der Klang des Achtzylinders darf seine herrliche Verbrennungsmelodie noch ungehemmt von neueren Gesetzen durch die Auspuffrohre blasen.

Vater und Sohn fahren den Supertruck meistens selbst

Eine Klasse für sich ist gleichfalls der hochwertige Innenausbau. Dank der zusätzlichen Fahrerhauslänge passt in den hinteren Teil eine gemütliche Sitzgruppe hinein. Originell ist die Lösung mit zwei gegenüberliegenden Fernsehapparaten. So muss man sich auch bei einer Doppelbesatzung nie über das gewählte Programm streiten. Passend dazu wurde noch eine aufwendige Soundanlage mit fünf Verstärkern und Subwoofer eingebaut. Super ist überdies das vorne angeschlagene Klappbett im Hochdach – bis heute bedauern viele Scania-Freunde, dass es diese Lösung so ab Werk nicht mehr zu kaufen gibt. Das Unternehmen bekommt viele Bewerbungen von Fahrern, die einmal im Leben mit solchen Prachtstücken arbeiten wollen.

"Die müssen wir leider enttäuschen", sagt der Vater, "Arne und ich fahren die schönen Scania meistens nur selbst. Und der Hauber ist eher so eine Art strategischer Reserve, wenn plötzlich extrem viel zu transportieren ist oder einer der anderen Lastwagen gerade nicht eingesetzt werden kann." So sorgt die Lust der Belgier an Pommes frites immerhin dafür, dass dieser prächtige Scania das Herz der Lastwagenfans erfreuen darf!

Technische Daten Scania T144G 530

Truck: Sattelzugmaschine 6x2
Erstzulassung: 2001
Leistung: 530 PS/2.300 Nm
Laufleistung: 1,1 Millionen km
Trailer: Schubboden und Kipper
Eigentümer: Familie Verbist
Fahrer: Carl und Arne Verbist
Artwork/Interieur/Exterieur: Sjaak Kentie
kabinenverlängerung: van Winkoop
Aufgabengebiet: Reservefahrzeug für Kartoffeltransport

Dieser Artikel stammt aus Heft FERNFAHRER 03/2017.
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Datum

17. Februar 2017
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