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Foto: Carsten Lange

Report Motoreninstandsetzung

Die Spezialisten für Motoren

Reparieren, aufarbeiten, nacharbeiten oder austauschen? Diese Fragen stellen sich, wenn der Motor Probleme macht. Motoreninstandsetzer sind die Spezialisten, um sie zu lösen. Mit Nutzfahrzeug-Werkstätten arbeiten sie eng zusammen.

"Rund 120 Betriebe für Motoreninstandsetzung gibt es in Deutschland", schätzt Dr. Bernd Liebig. Er ist Diplom-Ingenieur, Sachverständiger für Motorschäden bei Gericht und der Leiter der Geschäftsstelle der "Gütegemeinschaft der Motoreninstandsetzungsbetriebe e. V." (GMI). Die GMI hat 20 Mitgliedsbetriebe, die sich besonderen Qualitätsanforderungen verschrieben haben: Sie arbeiten nach RAL-Richtlinien und dürfen das RAL-Gütezeichen Motoreninstandsetzung als Markenzeichen benutzen. Die GMI wurde vor 40 Jahren von Inhabern und Geschäftsführern von Instandsetzungsbetrieben gegründet, die sich von den schwarzen Schafen der Branche abgrenzen wollten. "Das RAL-Gütezeichen kennzeichnet die Produktqualität", sagt Bernd Liebig. Entwickelt wurde es in Zusammenarbeit von GMI und RAL Deutsches Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung e.V.

"RAL-Kriterien liegen weit über den Mindeststandards"

Die GMI-Mitgliedsbetriebe verpflichten sich, die Güte- und Prüfbestimmungen einzuhalten, zu überwachen und zu dokumentieren. Außerdem werden sie von neutralen, externen Gutachtern des "Bundesverbands der freiberuflichen und unabhängigen Sachverständigen für das Kraftfahrzeugwesen e. V." (BSVK) kontrolliert. "Diese Fremdüberwachung organisiert der Güteausschuss der GMI", berichtet Liebig. Die unabhängige Einrichtung führt unangemeldete Kontrollen durch, bewertet Prüfberichte und empfiehlt dem Güteausschuss die Ahndung von Verstößen gegen die Bestimmungen bis zum Entzug des RAL-Gütezeichens.

"Die RAL-Kriterien liegen weit über den Mindeststandards", betont Liebig. Die Leistungen der Motoreninstandsetzer fasst er mit "Reparieren, Aufarbeiten und Nacharbeiten" zusammen. Die Reparatur versetzt den Motor wieder in einen funktionsfähigen Zustand, die Aufarbeitung führt zu Originalmaßzuständen, und bei der Nacharbeitung werden neue Maße an Bauteilen hergestellt. Die Fachbetriebe für Motoreninstandsetzung kooperieren dabei eng mit den Fahrzeug-Werkstätten. "Wenn eine Fahrzeug-Werkstatt ein Problem mit einem Motor nicht selbst lösen kann, kann sie sich nur an den Hersteller oder aber einen Motoreninstandsetzer wenden", sagt Liebig.

Betriebe spezialisieren sich immer mehr

Die Werkstätten hätten das Problem, dass ihnen einerseits das Fachpersonal, andererseits aber auch die entsprechenden Maschinen für eine fachgerechte Motoreninstandsetzung fehlten. Was die Motoreninstandsetzer angeht, sieht Liebig einerseits eine zunehmende Spezialisierung der Betriebe, andererseits den Trend zur Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Motoreninstandsetzern, die sich mit ihren Leistungen ergänzen. Die GMI versteht sich als Gütegemeinschaft, der "Verband der Motoren-Instandsetzungsbetriebe e. V." (VMI) hingegen als Berufsverband.

Jedes Unternehmen, das sich mit der Instandsetzung von Verbrennungsmotoren befasst, kann hier Mitglied werden, derzeit sind es 60 aktive Mitglieder. Darüber hinaus gehören dem VMI rund 30 Teilehersteller, Motorenteilehändler und Hersteller sowie Händler von Motorenbearbeitungsmaschinen und Werkzeugen als fördernde Mitglieder der Zulieferindustrie an. Der VMI will die technischen und wirtschaftlichen Interessen der Mitglieder schützen und fördern. "Unsere Mitgliedsbetriebe sind gut ausgelastet, es gibt reichlich zu tun", sagt VMI-Geschäftsstellenleiter Swen Landen zur Auftragslage. Bei Nutzfahrzeugen gäben die Hersteller für Neufahrzeuge zwar eine Garantie für die ersten drei oder fünf Jahre, "aber danach wird es für uns interessant". Das gelte auch für die Kooperation mit Nutzfahrzeug-Werkstätten. Normale Werkstätten, so Landen, hätten in der Regel weder die nötigen Maschinen noch das Know-how, um die Motoren instand zu setzen und arbeiteten daher mit den Motorspezialisten eng zusammen.

Die Motoreninstandsetzer sind gut ausgelastet

Neben den Nutzfahrzeugen sorgten auch Land- und Baumaschinen sowie der wachsende Oldtimermarkt für die gute Auslastung der Instandsetzer. Die meisten VMI-Mitgliedsbetriebe könnten zwar alle Motoren reparieren, hätten jedoch in der Regel einen Arbeitsschwerpunkt. GMI und VMI pflegen einen freundschaftlichen Umgang, als Wettbewerber verstehen sie sich nicht, berichten die beiden Geschäftsstellenleiter. Dafür ist die Ausrichtung zu unterschiedlich. Außerdem sind die GMI-Mitgliedsunternehmen in der Regel auch VMI-Mitglieder. Wie beispielsweise die Viertel Motoren GmbH aus Nürnberg. Das Familienunternehmen unterhält weitere Niederlassungen in Magstadt bei Stuttgart und Schkeuditz bei Leipzig. Beim Rundgang durch den Nürnberger Betrieb in der Sigmundstraße stellen Gerd Brehm, Bereichsleiter Fertigung, Uwe Murr, Vormann in der Zylinderkopfabteilung, und Stefan Grad, Vormann Motormontage, Maschinenpark und Arbeitsprozesse vor. Viertel Motoren ist spezialisiert auf Industriediesel- und Gasmotoren. Dazu gehören nicht nur Nutzfahrzeugmotoren, sondern auch die von Schiffen, Schienenfahrzeugen, Stromerzeugern oder Blockheizkraftwerken.

Wenn ein Motor in dem Betrieb angeliefert wird, gelangt er zuerst zum Zerlegeplatz, wo er auseinandergenommen und gereinigt wird. Dann verrichten die Spezialmaschinen ihr Werk. So wird beispielsweise an einer Maschine die Zylinderkopfdichtigkeit untersucht, indem die Zylinderköpfe in ein Heißwasserbad getaucht werden. An der Maschine für Ventilsitzbearbeitung werden die Ventilsitze gereinigt, geprüft, eingeschliffen und erneuert. Mittels der Ventilschleifmaschine werden gebrauchte Ventile aufgearbeitet, bis sie neuwertig sind. Mit einer Rissprüfmaschine für Kurbel- und Nockenwellen lassen sich diese auf Risse, Rundlauf und Oberflächenhärte prüfen. Mit der Honmaschine werden die Zylinder nachgehont. Eine Feinbohrwerkmaschine dient dazu, Pleuelbüchsen anzubohren und auf Maß zu bringen. Die größte Anlage für die Bearbeitung ist ein CNC-Bearbeitungszentrum, das 23 Tonnen wiegt. "Hier können alle kleinen und großen Arbeiten erledigt werden", erläutert Brehm.

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13. Oktober 2017
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