Alles über The Tire Cologne
Zoom
Foto: BF Goodrich

Reifen-Neuheiten

Neue Reifen für Lkw und Bus

Reifen haben ihre ganz eigene Magie. Zunehmend feiner wird, was in den Kesseln für Lkw und Bus so brodelt.

Manche machen’s spannend. Exklusive Verträge für die Erstausrüstung sind’s zumeist, die dann dahinterstecken. So geschehen zum Beispiel bei dem ultratief bauenden, von Goodyear und DAF gemeinsam ins Leben gerufenen Pneu der Größe 315/45 R 22,5, mit dem DAF eine Zeit lang als einziger Hersteller für Low-Deck-Sattelzugmaschinen mit 91 Zentimeter Sattelhöhe dienen konnte. Heute ist das aber schon Geschichte, sind diese Reifen  mittlerweile doch jedermann zugänglich. Auch steht Goodyear mit dieser Größe schon längst nicht mehr allein: Sowohl Bridgestone als auch Conti zum Beispiel haben Ähnliches im Sortiment.

"Für den Trailer wäre die Differenzierung zum X Multi zu gering"

Auch bei Michelin bröckelt jene Alleinherrschaft, die die Erstausrüstung bis vor Kurzem noch über den neuen X Multi Energy ausübte, der gekommen war als eine Art Hybrid: das Robuste von X Multi, erst kürzlich um die Größen 315/60- und 295/60 R 22,5 erweitert, mit dem spritsparenden Wesen des X Line Energy vereinend. Er ist nun in der Größe 315/70 R 22,5 für die Positionen Lenk- und Antriebsachse ab April 2018 genauso im Ersatzgeschäft erhältlich: "Für den Trailer wäre die Differenzierung zum X Multi zu gering", benennt Daniel Stein vom Michelin-Kundendienst als Grund für dieses Vorgehen, "als dass diese Lücke im Programm sich mit einer Zwischenstufe wie X Line Energy sinnvoll schließen ließe." Neues für den Auflieger gibt es anderweitig aber sehr wohl.

Im preislich günstigen Segment bietet der chinesische Hersteller Aeolus zum Beispiel die neue Neo-Serie in den klassischen Dimensionen 365/65 R 22,5, die mit M+S-Markierung versehen ist und für die der Hersteller eine "bis zu 25 Prozent höhere Kilometerleistung" gegenüber dem Vorgänger in Aussicht stellt. Mit mehr Tragkraft als in der auf 19,5- ­Zoll-Felgen gemünzten Trailerpneu-Familie der 435/50er üblich tritt – als weitere Neuheit für den Auflieger – derweil der rollwiderstandoptimierte Good­year Fuel­max T HL an: Statt der für diese Sorte Reifen typischen Ziffer 160 hat er bei dem Load-Index mit 164 vier Zähler mehr drinstehen. Das macht genau zehn anstelle der gewöhnlichen neun Tonnen pro Achse des Megatrailers möglich. Und ebnet damit den Weg dafür, statt der üblichen drei Achsen am Auflieger lediglich deren zwei zu verwenden: 40 Tonnen Gesamtgewicht sind auf diese Weise für den Zug zwar nicht realisierbar, aber doch 38 Tonnen. Der Vorteil dabei: Ein Lkw in Euro 6 zahlt mit vier statt fünf Achsen nur 11,7 statt 13,5 Cent Maut pro Kilometer.

Tiefladerreifen mit Schneeflockenmarkierung von Goodyear

Weniger Rollwiderstand erreicht die Fuhre dank nur zehn statt der üblichen zwölf Pneus ohnehin. Entwickelt hat Goodyear diesen Pneu zusammen mit dem österreichischen Aufliegerhersteller Berger, der auf Leichtgewichtiges spezialisiert ist, und jetzt einen neuen zweiachsigen, mit genau diesen Pneus bereiften Megatrailer parat hält: Berger Ecotrail nennt sich diese gezogene Einheit, die es mit nur 4,7 Tonnen Eigengewicht dann auf 25 Tonnen Nutzlast bringen soll. Noch eine Felgengröße kleiner baut Goodyear zudem sein Programm an laufleistungsorientierten und ganzjahrestauglichen Tiefladerreifen vom Schlage der Kmax aus. Vier an der Zahl, reicht die Palette der Novizen in Zehnerstufung von der Größe 205/65 R 17,5 über 245/70 R 17,5 und 215/75 R 17,5 bis hin zum 235/75 R 17,5.

Mit Schneeflockenmarkierung gehen sie europaweit als Winterreifen durch. Längsgerichtete Lamellen in den Profilblöcken sollen für gute Haftung bei Nässe und Schnee stehen. Zickzackförmig verlaufende Rillen, die multiple Greifkanten an den Längsrillen ausbilden, sagt Goodyear, stünden generell für optimierten Grip. Bei Pirelli ergänzt die Trailervariante ST:01 die 2016 vorgestellte neue Reifenreihe Triathlon, die als ein ausgesprochener Allrounder für den gemischten Einsatz konzipiert ist. Ein Plus von 15 Prozent sowohl bei der Haftung auf Schnee als auch beim Nassbremsverhalten sowie eine um zehn Prozent erhöhte Laufleistung gegenüber dem Vorgänger sollen die typischen Vorteile dieses Trailerreifens sein. Erhältlich ist er in den Dimensionen 385/65 R 22,5 und 385/55 R 22,5 (Load Index ­jeweils 160). Als bekennender Spezialist fürs Regionale tritt diesem ST:01 mittlerweile auch – und in genau denselben Größen ­ erhältlich  der Anhänger-Pneu Itineris zur Seite.

Itineris bietet Nassgrip der Güteklasse A

Ebenfalls mit Load-Index 160 versehen, kommt der Itineris mit einem neuen Laufflächendesign daher, für das Pirelli optimierte Auflagefläche sowie eine besonders hohe Laufleistung und Reißfestigkeit reklamiert. Genau daraufhin soll die äußere Lage der zweischichtig aufgebauten Lauffläche stehen. "Reduzierte Wärmeentwicklung" bezeichnet Pirelli als das, was die Mission der inneren Schicht ist. Nassgrip der Güteklasse A, Kraftstoffeffizienz der Kategorie C: So lauten die Buchstaben, die für diesen Pneu beim Reifenlabel gelten. Eine Felgengröße von 22,5 Zoll, aber ebenfalls eine geringe Bauhöhe der Reifen hat Hankook mit einer Neuheit namens AH31 für die Lenkachse im Blick: 355/50 R 22,5 lautet die Größe und zeigt damit gleich, woher der Wind weht: Mit einem Load-Index von 156 schraubt er Han­kook zufolge die maximale Belastbarkeit der Vorderachse bei Low-Deck-Sattelzug­maschi­nen oder bei Motorwagen für den Volumentransport auf jetzt acht Tonnen.

Sowohl dieser Lenkachs-Pneu als auch sein Treib­achs-Pendant SmartFlex DH31 treten mit M+S-Kennung sowie dem Schneeflockensymbol an, sind also ganzjahrestauglich. Mit einer breiten Palette, die 53 Reifenvarianten für Lkw und Bus umfasst, startet die aus den USA bekannte Reifenmarke BFGoodrich jetzt 2018 auch in Europa. Es handelt sich dabei jedoch keineswegs um aus den USA importierte Ware. Vielmehr fasst der Mutterkonzern Michelin seine bisherigen Zweitmarken wie Taurus, Rieken oder Kormoran unter dieser Dachbezeichnung neu zusammen und stattet sie überdies qualitativ höher aus. Manche Reifen sind im Zuge dieser Neufassung dem Unternehmen zufolge komplett erneuert, manche bekommen zumindest neue Gummimischungen. Es kommen insgesamt drei neue Reihen, die in Nenndurchmesern von 15,0 bis 22,5 Zoll lieferbar sind: BFGoodrich Route Control ist für gemischten Einsatz im Nah- und Fernverkehr gedacht. BFGoodrich Cross Control fährt als in Afrika Schlechtweg-erprobte und robust konzipierte Reifenfamilie für den gemischten Betrieb auf Straße und Baustelle zugleich vor.

14 Varianten des Sortiments dürfen das Alpine-Symbol (drei Schneeflocken) tragen

BFGoodrich Urban Control schließlich gehört zur Fraktion der Flankenverstärkten und hat sich somit ganz dem Stadtbus verschrieben. Was tut sich an der Runderneuerungfront? Da ist zum Beispiel der Treibachs-Pneu Conti Hybrid jetzt gleichfalls als Heißrunderneuerter zu haben, wechselt dabei aber seinen Namen: "ContiRe" heißt er nach seinem zweiten Aufenthalt in der Runderneuerungs-Reifenküche, die in Hannover-Stöcken steht und ihn in folgenden drei Größen liefert: 295/80 R 22,5 und 315/70 R 22,5 sowie 315/80 R 22,5. Bei Michelin heißt die seit 1973 zum Konzern gehörige zweite Linie bei der Runderneuerung seit Kurzem „Laurent Retread“ statt "Pneu Laurent". Dort gibt es für die gezogene Einheit das neue Trailerprofil LR Multi T/RCL Multi T, bei dem besonders die Reifenschulter kühler laufen und somit weniger anfällig sein soll als bei den bekannten Pneus PLTE3/RCL TE3.

Insgesamt 14 Varianten des Sortiments haben zudem den Test 3Peak Mountain Snow Flake bestanden und somit das Recht erlangt, das Alpine-Symbol (drei Schneeflocken) zu tragen. Bei der Bridgestone-Runderneuerung Bandag gibt es seit einiger Zeit den sogenannten Bandag Contract of Trust, der dem Kunden die Runderneuerung mit folgenden drei Garantien schmackhaft machen soll: Dass Bandag-Runderneuerte genauso zuverlässig seien wie Premium-Pneus, heißt es da zum einen. Zum anderen verspricht Bridgestone für die Runderneuerten geringere Kilometerkosten im Vergleich zu Neureifen. Und für diese sichert das Unternehmen zu, sofern sie die Markenbezeichnung Bridge- oder Fire­stone tragen, dass sie zu 100 Prozent runderneuerungsfähig seien. Einen Schritt weiter geht Michelin bei der Garantie für Neureifen. Bereits im Jahr 2015 für die Multi-Familie eingeführt, gilt diese kostenlose Neureifengarantie jetzt aber zum Beispiel auch für die Reihe X Works stets besonders gefährdete Baustellenreifen also.

Für bereits gekaufte Reifen gibt es keinen Zuschuss

Sofern spätestens einen Monat nach dem Kauf per vier Klicks registriert, gibt es auch für diese Reifenfamilie bei bis zu 50 Prozent Restprofil den Zeitwert des Reifens zurück, wenn dieser einen betriebstypischen, irreparablen Schaden erlitten hat. "Das wird sehr gut angenommen", erklärt Daniel Stein vom Michelin-Kundendienst. Auch der Staat ist weiterhin gar nicht so knausrig, wenn es um Nutzfahrzeugreifen geht, hat just erst das Förderprogramm De-minimis verlängert. Konkret: Prämien sind in Höhe bis 2.000 Euro pro Fahrzeug erhältlich (maximal 33.000 Euro je Unternehmen), sofern der Reifen spezielle Kriterien bei Rollwiderstand, Geräuschentwicklung oder Wintereigenschaften erfüllt und der Lkw mindestens ein 7,5-Tonner ist. Noch bis Oktober 2018 nimmt das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) entsprechende Anträge entgegen. Spannend machen können es allerdings nicht nur die Reifenhersteller, sondern auch die Ämter: Für bereits gekaufte Reifen gibt es keinen Zuschuss. Den erhält nur, wer erst den Antrag stellt und dann den Pneu ersteht.

Zoom Foto: Michelin
Hart im Nehmen: "X-Force ZL" heißt der neue Extrem-Offroader aus dem Hause Michelin.

Einer fürs Grobe

Brandbekämpfung, Forstwirtschaft oder Militär: Wo der Einsatz unter dem Motto "Stock und Stein" steht, da ist der neue Offroad-Reifen X-Force ZL von Michelin in seinem Element. Ausgelegt ist dieser äußerst widerstandsfähig konzipierte Geselle für Fahrzeuge von sieben bis 13 Tonnen. Bis 110 km/h schnell darf der Offroader zum Beispiel rennen. Auf 3.350 Kilogramm Nutzlast bringt er’s in 335/80 R 20 obendrein. Das sind gleich einmal 775 Kilogramm mehr als beim Vorgänger. Dahinter steckt eine weiter erhöhte Robustheit der Karkasse. Als zusätzliches Extra gibt Michelin dem X-Force ZL jetzt exakt einen Millimeter tiefe, trapezförmige Blöcke an Schulter sowie Flanke mit auf den Weg, die vor Beschädigungen schützen, die Flexibilität aber nicht beeinträchtigen sollen.

Zoom Foto: Hankook
Smartcity AU04+: Neuer Ganzjahres-Stadtbusreifen von Hankook mit Seitenwandverstärkung und echten Wintereigenschaften.

Neues für den Bus

Premiere feiert auf der Tyre Cologne ein neuer Stadtbusreifen von Hankook. Auf "Smartcity AU04+2 getauft, tritt der Busreifen in der Größe 275/70 R 22,5 und mit einem Profil an, für das Hankook verspricht: 2möglichst geringe und gleichmäßige Abnutzung2. Wie bereits dem AU03+ zu eigen, kommt auch der AU04+ mit stadtbustypisch verstärkter ­Seitenwand daher und ist als Ganzjahresreifen ausgelegt. M+S-Markierungen sind ebenso vorhanden wie das Schneeflocken-Al­pine-Symbol, das heutzutage die echten Wintereigenschaften kennzeichnet. Eine Nummer kleiner, also für Felgengröße 19,5 Zoll, brachte Continental schon vergangenes Jahr den neuen Conti Urban HA3 245/70 R 19,5. Für Stadtbusse mittlerer Größe konzipiert, fährt der Pneu mit einer eigens versteiften Kontur vor, die auch notorischen Bordsteinkontakt "nicht übel nimmt", wie Conti sagt. Die Gummimischung sowie Profilgestaltung des Urban HA3 sollen – verglichen mit einem Standardregionalreifen – bis 20 Prozent mehr Laufleistung möglich machen. M+S-Kennzeichnung steht für eine gewisse Schlechtwetterresistenz des neuen Pneus, der an allen Achsen einsetzbar ist. Sonstige Merkmale: Nachschneide-Indikatoren sind ins Profil integriert, Runderneuerungsfähigkeit ist gegeben.

Autor

Datum

4. März 2018
5 4 3 2 1 0 5 0
Kommentare