NACV Messe 2017 USA Atlanta US Trucks 15 Bilder Zoom
Foto: Julian Hoffmann

North American Commercial Vehicle Show

Gelungener Auftakt der neuen Messe in Atlanta

In Atlanta feierte die North American Commercial Vehicle Show (NACV) einen fulminanten Auftakt – mit ihr hat der nordamerikanische Markt endlich eine adäquate Nutzfahrzeugmesse.

Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten hat der Traumjob Trucker seinen Ursprung. Viele "Owner Operator", selbstständige Lkw-Fahrer, prägten das Bild der Transportbranche über Jahrzehnte. Doch der Markt befindet sich im Wandel: Immer größere Flotten dominieren das Geschäft in den USA. Mit ihnen steigt das Niveau der Professionalisierung – und das Interesse an modernen, kosteneffizienten Lkw. Die NACV also kommt zum richtigen Zeitpunkt. Als ein gemeinsames Projekt der Newcom Media USA und der Deutschen Messe findet sie künftig im jährlichen Wechsel mit der Nutzfahrzeug-IAA in Hannover statt. Daimler Trucks North America (DTNA) war dabei nicht unbeteiligt: Der Hersteller bezeichnet sich selbst als Initiator der Messe.

Daimler kündigt neue Platooing-Tests an

Martin Daum, Chef der Daimler Truck-Sparte, zeigte sich entsprechend stolz: "Es war uns schon immer ein Anliegen, für diesen so bedeutenden Markt eine Nutzfahrzeugmesse zu etablieren, die seinem hohen Stellenwert gerecht wird. Im Wechsel mit der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover wird die NACV künftig der wichtigste internationale Treffpunkt für unsere Branche sein." Welchen Stellenwert Daimler der Messe einräumt, war schon am Vorabend der Eröffnung zu spüren: Die erste Zeichnung der neuen Sprinter-Generation enthüllten die Schwaben ausgerechnet in Atlanta. Während der Pressekonferenz auf dem Freightliner-Messestand folgte die nächste Ankündigung: Nach den Platooning-Tests auf konzerneigenen Strecken in Oregon wagt Daimler den Schritt auf öffentliche Straßen. Zwei gekoppelte Freightliner New Cascadia sollen weitere Erkenntnisse liefern, bevor ab 2018 Feldversuche im realen Transport von Flottenkunden an den Start gehen. Martin Daum zeigt sich überzeugt von den Möglichkeiten des Platooning – macht aber auch Einschränkungen.

Je besser die Aerodynamik der Lkw ausfalle, desto weniger groß sei das Einsparpotenzial. Gleiches gelte für die Geschwindigkeit: In den USA, wo das Tempo höher als in Europa sei, könne der Verbrauch stärker vom Windschatten des Vordermanns profitieren. Insgesamt rechne er mit einem Einsparpotenzial von vier bis fünf Prozent. Roger Nielsen wiederum betonte, wie weit die Technik schon sei. "Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, können wir eine erprobte Lösung anbieten. Wenn die USA bereit sind, sind wir es auch", sagte der Präsident und CEO von DTNA. An die Trucker gerichtet stellte er klar: "Platooning ist nicht dazu da, den Fahrer zu ersetzen – sondern ihn auf langen Fahrten zu entlasten."

Zoom NACV Messe 2017 USA Atlanta US Trucks Foto: daimler
Über die Hälfte aller Klasse-8-Bestellungen gehen auf den New Cascadia zurück.

Mehr als die Hälfte der Bestellungen von New Cascadia

Die Stimmung des US-Chefs von Daimler Trucks könnte kaum besser sein. In den Klassen 6 bis 8 ist DTNA laut eigener Aussage unangefochtener Marktführer, 2016 summierte sich der Marktanteil auf 39,3 Prozent – eine Zahl, die der Konzern auch auf seine erfolgreiche USA-Einführung automatisierter Getriebe zurückführt. Aktuell gehen über die Hälfte aller Bestellungen in der schweren Klasse 8 auf das Konto des New Cascadia. In der ersten Jahreshälfte 2017 verkaufte Daimler Trucks in Amerika rund 42.300 Einheiten. 2018 rechnet Nielsen nicht zuletzt wegen der Einführung dreier mittelhoher Cascadia-Kabinen für den regionalen Übernacht-Verkehr mit einer Verkaufssteigerung von fünf bis zehn Prozent.

Doch die Konkurrenz schläft nicht: Der Navistar-Konzern nutzte die NACV, um neue Produkte, die aus der Allianz mit Volkswagen Truck & Bus hervorgehen, anzukündigen – auch ein mittelschwerer Elektro-Lkw für die USA und Kanada falle unter die Neuheiten. Premiere feiern soll dieses Fahrzeug schon zur Jahreswende 2019/2020. "Wir glauben, dass sich die Klasse 6/7 perfekt für die Einführung von E-Antrieben eignet. Diese Fahrzeuge legen typischerweise kurze Distanzen zurück und können in der Nacht wiederaufgeladen werden", sagte Troy A. Clarke, Präsident und CEO von Navistar. Neben der neuen Generation von Dieselmotoren, die im Jahre 2021 auf den Markt kommen sollen, arbeitet Navistar gemeinsam mit Volkswagen Truck & Bus überdies an einem weltweiten Telematik-Netzwerk. "Das Ökosystem, dass wir mit unserer gemeinsamen Telematik-Plattform aufbauen, wird unsere strategische Partnerschaft auf das nächste Level heben", kündigte Volkswagen Truck & Bus-Chef Andreas Renschler vollmundig an.

Nagelneue Sattelzugmaschine Anthem feierte Premiere

Viel konkreter fielen die Neuheiten bei Volvo aus: Der Fernverkehrs-Lkw VNL stand ebenso im Rampenlicht des Messeauftritts wie das aufgewertete Interieur des Baustellen-Fahrzeugs VHD. Sowohl der VHD 300 Day-Cab als auch der VHD 400 Regional-Sleeper sind mit einem neuen Armaturenbrett samt Multifunktionslenkrad und Info-Display ausgestattet und bieten dem Fahrer eine große Auswahl an passenden Sitzen. Ein Audio-System mit Touchscreen, Navigation, Freisprecheinrichtung und Apple CarPlay gibt’s gegen Aufpreis. Kleinigkeiten, gemessen an dem, was die Konzernmarke Mack Trucks anlässlich der ersten NACV auffuhr: Die nagelneue Sattelzugmaschine Anthem feierte in Atlanta ihre Premiere. Mit noch mal deutlich größeren Kabinen, Motoren aus dem Volvo-Programm und modernen elektronischen Helfern will der mächtige Mack nicht nur den Fahrern, sondern auch kostensensiblen Betreibern gefallen. Ein Bestreben, das auch der elektrisch angetriebenen Vision von Cummins zugrunde liegt. Die Zugmaschine der Klasse 7 soll den schweren Verteilerverkehr revolutionieren. Der "AEOS" ist mit einem besonders leichten und dichtgepackten 140-kWh-Batteriepaket bestückt, das sich mit einem Schnellladegerät innerhalb von nur einer Stunde aufladen lassen soll. Die Reichweite des E-Trucks gibt Cummins mit 100 Meilen (umgerechnet rund 160 km) an – doch Schluss sein muss dann noch lange nicht: Optional lässt sich die Zugmaschine mit einem Range-Extender ausstatten. Der Reichweitengarant ist nichts anderes als ein Dieselmotor, der die Batterien bei Bedarf während der Fahrt auflädt und so für insgesamt rund 480 km gut ist.

Im Vergleich zu einem aktuellen Dieselhybriden spricht Cummins von einem Verbrauchsvorteil von 50 Prozent. Eine Ankündigung, die aufhorchen lässt – aber vorerst eben doch nur ein Versprechen bleibt. Die Daimler-Konzernmarke Fuso ist da schon einen Schritt weiter. Erst kürzlich wurde der vollelektrische, bereits in einer Kleinserie laufende eCanter in New York vorgestellt. Jecka Glasman, Präsidentin und CEO von Mitsubishi Fuso America, preist den eCanter als "perfekten Verteiler-Lkw für urbane Gegenden" an. Und sie hat noch eine weitere Neuerung im Portfolio: Im Frühjahr 2018 kommt der Fuso exklusiv für die USA mit einem Sechsliter-V8-Benzinmotor aus dem Hause GM. 300 PS und knapp 500 Nm stehen auf dem Datenblatt des serienmäßig an eine Sechsgang-Automatik von Allison gekoppelten Triebwerks. Der erste Benziner von Fuso zielt auf Kunden, die keinen großen Lkw-Fuhrpark steuern und den Wartungsaufwand von Dieselmotoren scheuen. So ähnlich sich der amerikanische und der europäische Markt bei den bestimmenden Trends der Zukunft also sind, so unterschiedlich sind sie es dann doch in so mancher (benzinbetriebener) Nische.

Zoom Skizze gibt Vorgeschmack auf künftige Designsprache: Mercedes-Benz Vans enthüllt erste Details zum neuen Sprinter Foto: daimler
Die erste Zeichnung der neuen Sprinter-Generation enthüllte Daimler ausgerechnet am Vorabend der NACV.

Daimler enthüllt neue Sprinter-Generation

Die erste Zeichnung der neuen Sprinter-Generation enthüllte Daimler ausgerechnet am Vorabend der NACV – ein klares Statement, welchen Stellenwert der Konzern der Messe und dem Markt beimisst. Auch wenn Daimler vorerst kaum konkrete Details zum neuen Sprinter preisgibt – der Ort, an dem die erste Design-Skizze enthüllt wurde, war mit Bedacht gewählt. Die USA zählen zu den am schnellsten wachsenden Transportermärkten und sind nach Deutschland mittlerweile auf Platz 2 vorgerückt. Um diese hohe Nachfrage besser bedienen zu können, baut Daimler derzeit einen weiteren Produktionsstandort in North Charleston in South Carolina.

"Das neue Werk verspricht eine höhere Flexibilität und geht zur zweiten Jahreshälfte 2018 mit der Produktion des neuen Sprinter an den Start", sagte Volker Mornhinweg, Leiter Mercedes-Benz Vans, in Atlanta. In Europa beginnt die Markteinführung des neuen Sprinter schon im ersten Halbjahr 2018. Für den heimischen Markt wird der Transporter weiter in Düsseldorf und Ludwigsfelde produziert. Umfassende Assistenzsysteme, moderne Konnektivitätsdienste und eine neue Telematik sollen die künftige Sprinter-Generation noch sicherer und effizienter machen.

Dieser Artikel stammt aus Heft lastauto omnibus 12/2017.
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Datum

1. Dezember 2017
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