Interview Stefan Buchner Zoom
Foto: Thomas Küppers

Mercedes-Lkw Chef im Interview

Lass dich überraschen

Stefan Buchner, Chef von Mercedes-Benz Lkw, begründet, warum der Lkw-Hersteller nach "nur" vier Jahren die Motorenbaureihe OM 471 grundlegend überarbeitet hat.

lastauto omnibus: Autonomes Fahren und Effizienzsteigerung bei aktuellen Modellen – was bereitet Ihnen persönlich mehr Freude: Zukunftsthemen oder Herausforderungen der Gegenwart?

Buchner: Mir bereiten beide Bereiche sehr viel Freude. Mit den Themen der Gegenwart sehe ich konkrete Resultate, was wir uns vor einigen Jahren vorgenommen haben und nun  Realität geworden ist. Deswegen ist es aber auch genauso spannend, wenn wir uns mit den Themen der Zukunft auseinandersetzen und uns die Frage stellen, was daraus werden wird.

Warum haben Sie nach vier Jahren den OM 471 bereits überarbeitet?

Wir haben 2011 mit dem OM 471 einen komplett neuen Motor auf den Markt gebracht und haben mit der neuen Motorengeneration eine Plattform geschaffen, die bis weit in die Zukunft Ausbaumöglichkeiten zulässt. Da Effizienz und damit Verbrauch die drängenden Themen sind, haben wir den Motor mit unterschiedlichen technologischen Maßnahmen weiter verbessert. Das ist letztlich auch ­eine unserer Kernaufgaben und im Sinne unserer Kunden. Wir beobachten den Markt und entwickeln unsere Produkte weiter, um sie wettbewerbsfähig zu halten. Wir haben uns damals für einen komplett neuen Motor entschieden – denn er sollte nicht nur fünf Jahre nach der Markteinführung Attraktivität behalten, sondern über weitere Generationen technologisch weiterentwickelt werden können. Die erste Konsequenz aus dieser Entscheidung ist die Effizienzsteigerung des OM 471. Und Sie dürfen sicher sein, dass wir noch weitere posi­tive Überraschungen bereithalten.

Folgt auf die Überarbeitung des OM 471 die von OM 470 und 473?

Lassen Sie sich überraschen.

Sie haben bei der Überarbeitung die SCR-Rate schon etwas erhöht. Kommen SCR-only-Aggregate für Sie irgend­wann in Frage?

Wir sind davon überzeugt, dass die 2011 in den Einsatz gebrachte Technologie das Optimum für unsere Kunden ist, auch  mit Blick auf die Emissionen und damit für die Umwelt. Deswegen werden wir bei den Technologien bleiben, die wir heute anbieten.

Warum haben Sie beim OM 471 oberhalb von 510 PS noch eine wei­tere Leistungsstufe eingeführt?

In Gesprächen mit unseren Kunden hat sich herausgestellt, dass eine Leistungsstufe oberhalb von 510 PS für bestimmte Anwendungen interessant ist. 530 PS bringen bei bestimmten Topografien einen Vorteil mit sich. Darum haben wir uns entschlossen, dem
OM 471 eine zusätzliche Leistungsstufe mit auf den Weg zu geben. Die neue Spitzenmotorisierung erreicht eine Leistung von 390 kW oder
530 PS sowie ein beachtliches maximales Drehmoment von 2.600 Nm. Damit deckt der Reihensechszylinder mit 12,8 Liter Hubraum jetzt auch Segmente ab, die noch vor wenigen Jahren deutlich größeren Achtzylindern vorbehalten waren.

Bedeutet das, die längere Hinterachsübersetzung ist primär für die oberen Leistungsstufen entwickelt worden?

Nein. Die längere Hinterachsübersetzung (i = 2,533) bieten wir in Verbindung mit dem OM 471 in den Leistungsklassen von 420 bis 480 PS an. Durch mehr Drehmoment bei niedriger Motordrehzahl können wir Schaltvorgängen bei Geschwindigkeiten zwischen 60 und 65 km/h vermeiden. Das bedeutet, durch extrem steilen Leistungs- und Drehmomentanstieg ist es möglich, mit längerer Hinterachse im höchsten Gang und mit extrem niedriger Drehzahl zu fahren. Das mindert den Kraftstoffverbrauch und gibt dem Fahrer mehr Fahrdynamik. Für die Leistungsklassen 510 und 530 PS ist die längste Hinterachsübersetzung  i = 2,733.

Sie haben den Druck an den Injek­toren im OM 471 um 200 bar auf 2.700 bar erhöht. Halten das die Einspritz­düsen dauerhaft aus?

Das Thema Qualität und Zuverlässigkeit spielt bei Mercedes-Benz Lkw eine entscheidende Rolle. Wenn wir den Einspritzdruck um 200 bar erhöhen, dann sind die Injektoren auf diese Einspritzdrücke ausgelegt – und das testen wir auch ausgiebig. Zudem haben wir leistungsstarke Lieferanten, mit denen wir die Einspritzdüsen gemeinsam entsprechend weiterentwickelt haben.

Zur Person

Nach der Ausbildung zum Nachrichtengerätemecha­niker machte Stefan Buchner seine Fachhochschulreife in Esslingen und studierte anschließend Wirtschaftsingenieurwesen. 1986 begann er als Zentraleinkäufer im Bereich Produktionsmaterial bei Daimler-Benz. 2004 übernahm er die Leitung Einkauf bei Daimler Trucks und Daimler Buses und ab 2010 verantwortete Buchner die globale Aggregate-­Produktion und Produktionsplanung Daimler Trucks sowie den globalen Einkauf Daimler Trucks und Daimler Buses.
Seit Anfang 2013 ist der 55-Jährige Leiter von Mercedes-Benz Lkw.

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Dieser Artikel stammt aus Heft lastauto omnibus 12/2015.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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Datum

21. Dezember 2015
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