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Max Müller Spedition kauft E-Force V. 2.0

Eine Sache der Überzeugung

Seit etwas mehr als einer Woche hat Unternehmer Walter Müller einen Elektro-Lkw in seiner Flotte – und ist begeistert.

"Der kommt jeden Tag mit einer halben Batteriefüllung wieder nach Hause", sagt er. Fast zwei Jahre lang hat Müller an der Realisierung seiner Idee gearbeitet, auf die ihn ein Artikel in der trans aktuell gebracht hat.

Namentlich einer, der im November 2014 unter dem Titel "Leiser Saubermann" erschien und in dem erstmals das neue E-Lkw-Modell des Schweizer Herstellers E-Force vorgestellt wurde. "Das hat mich fasziniert – ich habe gleich Hansjörg Cueni von der Firma E-Force angerufen und am nächsten Tag bin ich in die Schweiz und habe eine Probefahrt gemacht", berichtet Müller.

Förderprojekt gefunden

Das Fazit: tolles Fahrzeug, aber mit Gesamtkosten von rund 345.000 Euro inklusive Infrastruktur zu teuer. Doch Müller ließ in den folgenden Monaten nicht locker. Er schaffte es, ein Förderprojekt ausfindig zu machen, das ihm für die Anschaffung einen Zuschuss von fast 100.000 Euro gewährte.
Seit 29. November ist der E-Force V. 2.0 zugelassen und jeden Tag im Einsatz. "Zuverlässig", sagt Michael Speer, Leiter Nahverkehr der Spedition Max Müller, der das Projekt mit ebenso viel Begeisterung wie sein Chef mitträgt.

Die tägliche Route des E-Force-Lkw führt derzeit vom Müller-Firmensitz in Opfenbach bei Wangen bis nach Lindau und beinhaltet 15 bis 17 Stopps. Vormittags bringt der 18-Tonner Sammelgut nach Lindau. Dabei punktet der E-Force durch null Emissionen und null Geräusche, wenn er auf der Lindauer Insel, einem beliebten Touristenziel der Region, seine Runde macht. Für einen Webmaschinen-Hersteller übernimmt er anschließend Umfuhren vom Produktionswerk ins Außenlager. Danach ist das Fahrzeug wieder auf Sammelgut-Tour zurück nach Wangen. "Alle Kunden, die wir da täglich anfahren, haben sich begeistert über unsere Neuanschaffung gezeigt", sagt Müller.

Stop-and-go und Berge sind kein Problem

Der E-Lkw soll allerdings für viele Kunden zum Einsatz kommen. Im Frühjahr will Müller das Fahrzeug für einen Automobilkunden einsetzen, auf der Tour erwarten das Fahrzeug täglich pro Einzelstrecke fast 500 Meter Höhendifferenz. "Der E-Force schafft das. Der ist geradezu prädestiniert für unseren Einsatz: In der Stadt mit viel Stop-and-go-Verkehr sowie im hügeligen Gelände. Hier kann er sein Potenzial bei der Rekuperation voll entfalten", sagt Speer.


Gelenkt wird das Fahrzeug von dem erfahrenen Fahrer Heinrich Bitriol. Als Ersatzfahrer steht dessen Sohn Christian bereit. Beide wurden von E-Force geschult. Denn in dem 402 PS starken Lkw steckt eine Hochvoltanlage – nicht nur müssen die Fahrer Kenntnis davon haben, was sie im Falle einer Fehlermeldung tun müssen, sondern sie müssen auch wissen, was sie nicht machen dürfen. Danach folgte eine Einführung in die wirtschaftlichste Fahrweise unter Ausnutzung der Rekuperation.


Aus Sicherheitsgründen darf auch die eigene kleine Werkstatt des Unternehmens nicht Hand anlegen. Für Service und Wartung, vor allem im Hinblick auf Antriebsstrang und Batterie, ist künftig die Iveco-Werkstatt Wald in Ravensburg zuständig, die dafür zwei Mechaniker zur Schulung in die Schweiz schickt. Über eine GPS-Schnittstelle gehen zudem alle Daten auch an E-Force, die damit auch jede Fehlermeldung sehen und gegebenenfalls ihre Unterstützung anbieten können.
"Wir werden am Anfang sicher häufig in Kontakt mit E-Force stehen", erläutert Müller. Das entspricht ganz seiner Intention, mit dem Fahrzeug Erfahrungen im Bereich E-Mobilität zu sammeln und zu lernen.

Nachhaltigkeit ist Überzeugungssache


Müllers Engagement in puncto Nachhaltigkeit ist Überzeugungssache, unter anderem ein DKV-Performance-Award ist Zeugnis davon. "Wichtig war mir als Treiber in der Operative aber auch, dass das Fahrzeug wirtschaftlich ist", sagt Speer. Das hat Unternehmer Müller nicht dem Zufall überlassen. Seine Rechnung: Bei 250 Einsatztagen mit rund 200 Kilometer Laufleistung spart der E-Force im Vergleich zu einem regulären Fahrzeug rund 30 Prozent durch den Einsatz von Strom statt Diesel, bei den Wartungs- und Reparaturkosten rechnet er sogar mit 75 Prozent weniger Kosten.


Natürlich, bei einem Mehrpreis von 150.000 Euro in der Anschaffung im Vergleich zu einem Standardfahrzeug ist die Wirtschaftlichkeit auf dem Papier schwer herzustellen. "Ich bin zum einen davon überzeugt, dass der Diesel auch wieder teurer wird", sagt Müller. Zum anderen laufen die Mehrinvestitionen im Betrieb unter dem Punkt „"Forschung und Entwicklung". Müller, der nach eigenen Angaben gerne Schach spielt, sieht das so: "Es ist gut, sich den nächsten Zug zu überlegen, aber manchmal muss man auch vier oder fünf Schritte voraus sein."
Und wie sieht es mit der privaten Mobilität aus, Herr Müller? "Bislang fahre ich noch Audi. Aber wenn die 350 Kilometer von Opfenbach bis zur Allianz-Arena und zurück machbar werden, dann werde ich zu Tesla wechseln", erzählt der Bayern-München-Fan und lacht.

Das Unternehmen

  • Die Max Müller Spedition wurde 1922 gegründet und hat heute 300 Mitarbeiter. Der Jahresumsatz liegt bei 30 Millionen Euro (2015)
  • Geschäftsschwerpunkte sind Kontraktlogistik, Spedition, Sammelgut (Mitglied bei CTL) und Umzüge (Gesellschafter bei DMS)
  • Zum Fuhrpark gehören 80 Lkw, zudem hat das Unternehmen 31.850 Quadratmeter Lagerfläche

 
Das Fahrzeug

  • Der E-Force V. 2.0 nutzt als Fahrgestell einen Iveco Stralis und hat bei einem zulässigen Gesamtgewicht von 18 Tonnen eine Nutzlast von 7.800 Kilogramm
  • Für den Stromantrieb sorgen zwei Lithium-Eisen-Batterien mit jeweils 120 kWh Leistung und einer Spannung von 400 Volt. Die Reichweite liegt bei 300 Kilometern
  • Eine eigene Ladestation im Hof lädt den (komplett leeren) Lkw in maximal sechs Stunden. Den Strom bezieht das Unternehmen von den Vorarlberger Kraftwerken aus Bregenz, die ihren Strom zu fast 90 Prozent aus Wasserkraft herstellen

 

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Ilona Jüngst

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Datum

14. Dezember 2016
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