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Foto: Gudrun Muschalla

MAN Truck & Bus

Kräfte bündeln in Deutschland

MAN Truck & Bus Deutschland-Chef Holger Mandel will die VW-Tochter an die Spitze führen.

trans aktuell: Herr Mandel, wie liefen die Geschäfte 2015?

Mandel: Es geht wieder spürbar bergauf. MAN Truck & Bus hat in den ersten neun Monaten über 56.000 Fahrzeuge verkauft. Vor allem der europäische Nutzfahrzeugmarkt gewinnt deutlich an Fahrt.

Und bezogen auf Deutschland?

In Deutschland haben wir in den ersten neun Monaten fast 16.000 Lkw verkauft und damit acht Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Auch unser Marktanteil ist gestiegen – von 25,1 auf 26,8 Prozent. Das ist eine gute Absprungbasis für 2016. Wir wollen unseren Beitrag dazu leisten, dass Volkswagen Truck & Bus – die Nutzfahrzeug-Holding von Volkswagen – Global Champion wird. Dazu müssen wir auch auf unserem Heimatmarkt zulegen, unsere Position sichern und kontinuierlich ausbauen.

Sind Sie auch mit den Einnahmen zufrieden?

Man muss ausreichend Geld verdienen, um zukünftige Investitionen leisten zu können und für die Zukunft gut gewappnet zu sein. Ich sehe diesbezüglich einen sehr positiven Trend. MAN Truck & Bus hat ein Zukunftsprogramm gestartet, das unsere ­weltweite Wettbewerbsfähigkeit weiter stärken wird. Erste Erfolge sind bereits sichtbar. Damit kommen auch wir unserem Ziel, die Nummer eins im deutschen Markt zu werden, einen erheblichen Schritt näher. Übrigens haben wir auch in Deutschland immer Geld verdient.

Sind Sie ein harter Wettbewerber zur VW-Schwester Scania?

Selbstverständlich. Bezogen auf den Markt sind Scania und wir weiterhin Wettbewerber. Und das wird so bleiben. Auf Konzern-ebene wird es darauf ankommen, mit Scania an einem Strang zu ziehen, etwa bei Einkauf, Produktion sowie Fahrzeug und Entwicklung. Klar muss allerdings sein: Bei allen gemeinsamen Bemühungen darf die Identität der jeweiligen Marken nicht leiden. Das betonen auch Andreas Renschler und Joachim Drees immer wieder.

Wie stehen Sie zu den Herren?

Erlauben Sie mir ein Bild aus dem Sport: Die Mannschaft kann noch so hoch motiviert sein – für den Erfolg braucht es einen Coach, der sie richtig aufstellt und ein Präsidium, das die richtigen Rahmenbedingungen für den Erfolg garantiert. Beides ist gegeben. Wir sind sehr glücklich, mit Joachim Drees und Andreas Renschler echte Größen des Nutzfahrzeuggeschäfts im Team zu haben.

Wie präsent ist denn Wolfsburg in München?

Unsere Lkw müssen wir selbst verkaufen. Dafür bekommen wir alle nötigen Gestaltungsfreiheiten. Für das operative Geschäft sind wir nach wie vor selbst verantwortlich. Es gibt aber auch klare Erwartungen. 

Wird sich die VW-Krise auf ihre Segmente auswirken, sodass unrentable Bereiche wegfallen?

Lkw und Busse sind von der aktuellen Diskussion um Unregelmäßigkeiten bei Abgaswerten nicht betroffen – alle Motoren erfüllen die Emissionsvorschriften. Die Nutzfahrzeuge sind mittlerweile eine feste Säule im Volkswagen Konzern. Das wird auch so bleiben.

Welche Rolle spielt die neue VW Truck & Bus für MAN?

Eine extrem positive. Die Herausforderungen der Zukunft sind für eine einzelne Nutzfahrzeug-Marke nur schwer zu stemmen. Nehmen sie das weite Feld der Digitalisierung oder der alternativen Antriebe. Unter Leitung von An­dreas Renschler werden die Kräfte und die Ausrichtung des Nutzfahrzeugbereichs gebündelt. Das Lkw-Geschäft unterscheidet sich deutlich vom Pkw-Bereich. Darum ist es gut, wenn unsere Interessen im Konzern richtig vertreten werden. Im Team haben wir auch Synergien bei Einkauf, Produktion und Entwicklung. Das hilft uns weiter.

Welche Meilensteine haben Sie seit Ihrem Start gesetzt?

Ganz wichtig war, das Zukunftsprogramm der MAN Truck & Bus AG auf den deutschen Markt zu übertragen, Impulse zu setzen und Schwerpunkte für die nächsten Jahre zu erarbeiten. Mir war es wichtig, die Mannschaft abzuholen und eine neue Geschäftsleitung  fest zu etablieren. Das alles ist kein Selbstzweck. Wir haben eine ganz klare Kunden-, Markt- und Vertriebsorientierung und wollen zufriedenere Kunden haben als jeder andere.

Mit dem TGX haben Sie auch das älteste Fahrzeug am Markt – ein Problem für den Vertrieb?

Keinesfalls, wir haben ein sehr ausgereiftes, verlässliches Produkt – das reduziert auch die Werkstatt­aufenthalte für unsere Kunden. Deren Feedbacks bestätigen das. Mit unseren aktuellen Motorengenerationen D38 oder D26 setzen wir Standards am Markt.

Im Moment bieten sie Lkw-Fullservice-Leasing für unter 1.000 Euro an – ist das noch rentabel?

Eine Leasingrate besteht aus einem halben Dutzend Komponenten wie Anschaffungs- und Restwert, im Fullservice sind es bis zu zehn. Die Summe daraus ergibt eine attraktive Kondition, an der wir aber immer noch verdienen können. Auch die Verlässlichkeit eines MAN TGX fließt in den Preis ein. Wenn das Fahrzeug weniger in die Werkstatt muss, können wir diesen Vorteil an unsere Kunden weitergeben.

Wo sehen Sie am meisten Chancen und Nachholbedarf?

Wir haben 5.500 Mitarbeiter, die in Vertrieb und Service arbeiten, und müssen den gleichen Service und dasselbe Commitment in ganz Deutschland bieten – ob in Kempten oder Buxtehude. Das ist die Herausforderung bei mehr als 350 Standorten. Der MAN-Spirit muss nach 100 Jahren Nutzfahrzeugbau bei MAN immer noch bei jedem Mitarbeiter spürbar sein. 

Was macht die Marke MAN aus?

Wir bauten vor 100 Jahren den ersten Lkw, das Industrieunternehmen MAN ist über 250 Jahre alt. Mit dieser Erfahrung im Rücken die Sprache des Kunden zu sprechen und sein bester Partner für den kompletten Geschäftszyklus zu sein ist die größte Aufgabe. Das flächendeckende, eigene Servicenetz ist der entscheidende Vorteil von MAN. Die Produkte weiterzuentwickeln, wollen wir kontinuierlich und ruhig vorantreiben. 

Wo wollen Sie künftig wachsen?

Der deutsche Markt mit seinen 80.000 Fahrzeugen hat ganz unterschiedliche Anforderungen. Wir wollen im Bausektor, Fernverkehr, Nahverkehr, überall unsere Marktposition behaupten oder ausbauen. Wo das Geschäft funktioniert, gehen wir gerne rein. Aber nicht um jeden Preis.

Wo setzen Sie sich auch künftig von Scania ab?

Bei den Produkten und im Service für unsere Kunden. Unser Hauptziel ist es, ihnen Mobilität zu gewährleisten, 24 Stunden am Tag an 350 Standorten. Wenn sie die TCO-Kosten eines Fahrzeugs nehmen, stecken nur etwa 20 Prozent Anschaffungskosten darin – über den Rest müssen wir auch reden. 

Scania baut eigene Getriebe, kommen Ihre weiter von ZF?

Im Lkw-Geschäft sind Antriebsstrang, Motor, Getriebe und Achsen Kostentreiber, nicht das Blech. Deshalb setzen wir beispielsweise auf eine gemeinsame Plattform, auf der MAN und Scania ihre eigenen, markenspezifischen Lkw-Getriebe entwickeln können.

Wollen Sie beim teilautonomen Fahren Mercedes nachziehen?

Aktuell hat es noch etwas von Zukunftswelt – und erzeugt viel Aufmerksamkeit für einen Hersteller, der das Thema propagiert. Wir sind in der Phase, in der wir den Fahrer mit Sicherheitssystemen unterstützen. Die Reise wird weitergehen. Der nächste große Schritt ist die digitale Vernetzung des Nutzfahrzeugs. Fragen wie der Einfluss des teilautonomen Fahrens auf die Lenk- und Ruhezeiten sowie Haftungsfragen müssen geklärt werden. Am Ende müssen  Vorteile für den Fahrer und für den Unternehmer daraus resultieren.

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3. Dezember 2015
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