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Foto: Illustration: Marcus Zimmer

Löhne von Lkw-Fahrern im Vergleich

Himmelweite Unterschiede in der Entlohnung

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit - davon kann mit Blick auf Fahrer im internationalen Transport keine Rede sein. In Bulgarien fallen knapp 16.000 Euro an, in Belgien 56.000 Euro. Eine Studie von CNR bringt es an den Tag.

Bei der Entlohnung von Lkw-Fahrern innerhalb der Europäischen Union gibt es weiterhin himmelweite Unterschiede. Zuletzt hatte vor wenigen Tagen BGL-Hauptgeschäftsführer Prof. Dr. Dirk Engelhardt bei seiner Rede vor den Ausschüssen für Verkehr und Soziales im EU-Parlament auf diese extremen Differenzen hingewiesen und vor einer weiteren Liberalisierung des Transportmarkts gewarnt.

Löhne bewegen sich auf einem völlig anderen Niveau

Wie weit die Löhne voneinander abweichen, zeigt eine Studie der französischen Gewerbe-Wirtschaftsbeobachtung Comité National Routier (CNR), auf die auch Engelhardt in seiner Rede zu sprechen kam. Der Blick auf diese Zahlen ist zum einen in Zusammenhang mit der Debatte um Sozialdumping und einen fairen Wettbewerb innerhalb der Transport- und Logistikbranche relevant. Zum anderen dürfte er Kritikern den Wind aus dem Segel nehmen, die argumentieren, dass sich die Sozialbedingungen der Fahrer in West- und Osteuropa zunehmend angleichen – weil in Osteuropa aufgrund des Fahrermangels angeblich die Löhne anziehen.

Das mag vielleicht zutreffen, dennoch bewegen sich die Einkommen zum Beispiel von bulgarischen oder rumänischen Fahrern auch zehn Jahre nach Beitritt zur EU auf einem völlig anderen Niveau. "Die gleiche Fahrerstunde im gleichen Lkw auf der gleichen Straße mit den gleichen Gütern kann entweder acht oder 33 Euro pro Stunde kosten", heißt es in der CNR-Studie. "Es hängt davon ab, ob der Fahrer bei einem bulgarischen oder belgischen Unternehmen angestellt ist." Es verwundert daher nicht, dass die Autoren der Studie zu dem Schluss kommen, dass sich die Fahrerlöhne beträchtlich voneinander unterscheiden – ebenso die Zusammensetzung der Löhne.

Personalkosten für Fahrer in Bulgarien bei 16.000 Euro

Von einer Harmonisierung der Löhne kann aber auch mit Blick auf die Beitrittsländer von 2004 keine Rede sein. So operieren die beiden Großflotten aus Ungarn oder Litauen, namentlich Waberer’s oder Girteka, auf einem ganz anderen Level. In Litauen und Ungarn liegen die Personalkosten für einen Fahrer im internationalen Verkehr bei rund 18.000 beziehungsweise 19.000 Euro, inklusive sind bereits Nebenkosten und andere Lohnkomponenten. In Rumänien und Bulgarien sind die Kosten sogar noch niedriger: Bulgarien ist für Unternehmen mit jährlichen Fahrerkosten von knapp 16.000 Euro demnach das günstigste EU-Land. Das andere Extrem ist Belgien, wo für einen Fahrer samt Sozialabgaben fast 56.000 Euro fällig sind. Deutschland rangiert mit 33.000 (Ostdeutschland) und 46.000 Euro (Westdeutschland) im Mittelfeld beziehungsweise oberen Drittel.

Lohnkomponenten fallen ebenfalls völlig unterschiedlich aus

Auffällig ist auch, wie unterschiedlich die einzelnen Komponenten bei den Personalkosten ausfallen. So fallen in den östlichen EU-Ländern die anderen Lohnkomponenten viel stärker ins Gewicht als zum Beispiel in Westeuropa. Gleiches gilt für die Beiträge der Arbeitgeber zur Sozialversicherung, die in Bulgarien und Rumänien bei 673 und 1.175 Euro im Jahr liegen und in Italien oder Belgien zehn- oder zwanzigmal so hoch ausfallen.

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Kostenlos herunterladen Eine Lohnübersicht ausgewählter Länder (PDF)
Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

Datum

3. November 2017
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