Traumroute Dijon-Bordeaux, Frankreich, FF 8/2016, Abenteuer. 20 Bilder Zoom
Foto: Felix Jacoby

La Route Express in Fankreich

Günstige Alternative zu teuren Autobahnen

Frankreich ist ein Land der weiten Wege. Eine günstige Alternative zu teuren Autobahnen Richtung Südwesten ist die Route Express.

Auf europäischen Verbindungen wie Hamburg–Madrid führt ein großes Stück des Weges durch Frankreich. Dort sind die Autobahnen gut ausgebaut, aber auch teuer zu bezahlen. Eine sparsamere Alternative ist die Route Express, die einen großen Teil der Fernstrecke in Richtung Südwesten auf kostenfreien Straßen ermöglicht.Unsere Reise beginnt in Dijon, einer Großstadt mit 150.000 Einwohnern, deren Frühgeschichte bis in die Zeit des Römischen Reiches reicht. Von hier aus folgt man auf den nächsten 70 Kilometern der Autobahn A 31 Richtung Lyon und biegt dann auf Höhe von Chalon-sur-Saône auf die N 80 ab. Hier beginnt die eigentliche Route Express. Frankreich wird oft für seine großzügigen Rastanlagen gelobt, die mit dem Verkehrszuwachs ständig ausgebaut werden und für Lastwagen weit von den lauten Fahrbahnen abgewandte Stellplätze bieten.

Das gilt aber leider nur da, wo die Autobahnen ihren Betreibern gigantische Benutzungsgebühren in die Kassen spülen. Kaum ist man auf die Nationalstraße abgebogen, wird auch hier ein teils dramatischer Mangel an Rastplätzen deutlich. Noch sind erhebliche Teile der Strecke zweispurig, doch an mehreren Stellen sind die Arbeiten zum vierspurigen Ausbau in vollem Gange.

Viele Blitzanlagen sorgen für Verkehrsdisziplin

Wer die französischen Landstraßen noch aus früheren Jahrzehnten kennt, weiß, wie hier früher gerast wurde und welche schrecklichen Unfälle das leider oft zur Folge hatte. Heutzutage sorgen unglaublich viele Blitzanlagen für eine früher nie für möglich gehaltene Verkehrsdisziplin. Nach rund 130 Kilometern kreuzt die Route Express südlich von Moulins die RN 7, hier lohnt sich ein Abstecher zu dem knapp zwei Kilometer entfernten und ausgeschilderten Centre Routier. Zwar sind die rund 100 Lkw-Plätze schon abends schnell belegt, doch wer hier unterkommt, kann im Restaurant mittags und abends ein üppiges Buffet für 13 Euro genießen. Etwa 30 Kilometer weiter, ab Montmarault, kommt das einzige kostenpflichtige Stück in Sicht.

Die Landstraße, die parallel führt, ist ab 7,5 Tonnen gesperrt und kommt durch das Dorf Montlucon, was zu fahren ohnehin anstrengend wäre. Das kurze Stück Autobahn der A 71, etwa 24 Kilometer lang, kostet für Lastzüge rund sechs Euro und bietet immerhin eine größere Raststätte, wo man auch duschen kann. Kaum hat man die A 71 über die A 714 in Richtung Limoges verlassen und an der Zahlstelle die Nutzungsgebühr entrichtet, kommt ein weiterer Lkw-Großparkplatz in Sicht. Dazu muss man die A 714 an der Abfahrt 37 "Vaux" verlassen. Dort finden auf dem Großparkplatz rund 150 Lastzüge Platz. Nebenan gibt es ein Grillrestaurant, einen Burgerbrater, ein Hallenbad sowie eine recht preisgünstige Automatentankstelle, die DKV- und UTA-Karten akzeptiert.

Anwohner in kleinen Ortschaften vom Schwerverkehr geplagt

Selbst wenn man noch etwas Fahrtzeit übrig hat, sollte man überlegen, hier die Pause einzulegen, denn auf den nächsten rund 100 Kilometern Richtung Westen sieht es mit Parkplätzen ganz schlecht aus. Zwar gibt es zwei Raststätten entlang der hier überwiegend vierspurigen Strecke, doch die sind von beiden Seiten erreichbar und wegen der kleinen Flächen oft schon am frühen Abend hoffnungslos überfüllt. Nahe des Ortes La Souterraine kommt wieder eine Autobahn in Sicht, die A 20 Toulouse–Paris. Auch hier ist der weitere Verlauf der eigentlichen Route Express für den Schwerverkehr gesperrt. Doch diesmal sind die rund 36 Kilometer Autobahn kostenfrei zu nutzen, bis man die Strecke bei Limoges wieder auf die N 141 verlässt. Auf der weiteren Etappe Richtung Angoulême geht es erst vierspurig, dann ein ganzes Stück zweispurig weiter, teils mitten durch die Ortschaften.

So war das früher in Frankreich fast überall, jetzt hoffen die vom Verkehr geplagten Anwohner, dass der Lückenschluss der Schnellstraße bald erfolgt. Auch hier ist der Mangel an Parkplätzen wieder unglaublich groß – kein Wunder, wenn es dadurch Unfälle gibt. Wer in der Gegend ein Standwochenende plant, dem sei Angoulême mit seinen rund 40.000 Einwohnern empfohlen. Die Stadt gilt als die Hauptstadt der Comic-Kultur.

Am Ende der Route Express

Im Zentrum erinnert ein Denkmal an Hergé, den Schöpfer von "Tintin", wie die Geschichten von "Tim und Struppi" in ihrer Muttersprache bezeichnet werden. Die letzte Etappe führt über die am stärksten befahrene Nationalstraße Frankreichs, die N 10. Auch die kostengünstige Alternative zur Autobahn Paris–Bordeaux führt hier entlang, deswegen sind hier oft schier endlose Kolonnen schwerer Lastzüge unterwegs. Während die letzten zweispurigen Stücke gerade erweitert werden, gilt auf den vierspurigen Teilen seit einiger Zeit ein Überholverbot für Lkw über 3,5 Tonnen. Sehr empfehlenswert ist das Centre Routier in Barbezieux (Abfahrt "Barb. Centre").

Beim Centre Routier in Bordeaux, dem Ende der Route Express, das westlich der mächtigen Garonnebrücke liegt, wirkt das Personal höchst unwillig. Draußen türmen sich derweil wilde Müllhalden, obwohl die Stadt für eine Rattenplage berüchtigt ist. Dieses Bild ist leider auch an manchen Parkplätzen entlang der Route Express üblich. Es gibt leider schon viele Orte in Europa, an denen man sich fast für das Ambiente rund um den Fernverkehr schämen muss.

Dieser Inhalt ist exklusiv für unsere Digital-Abonnenten

Melden Sie sich an und prüfen Sie, ob Ihre Abonummer in Ihrem Profil hinterlegt ist. Wenn Sie Abonnent sind, aber noch kein Profil haben, können Sie sich hier registrieren. Weitere Informationen zu Registrierung und Anmeldung finden Sie hier.

› Jetzt anmelden

Sie haben noch kein Digital-Abo? Angebote und Informationen zu unseren Titeln und den Digital-Abos erhalten Sie in unserem Shop.

› Jetzt informieren
Dieser Artikel stammt aus Heft FERNFAHRER 08/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.

Autor

Datum

12. Juli 2016
5 4 3 2 1 0 5 0
Kommentare
Unsere Experten
Rechtsanwalt Matthias Pfitzenmaier Matthias Pfitzenmaier Fachanwalt für Verkehrsrecht
Rechtsanwalt Matthias Pfitzenmaier ist Fachanwalt für Verkehrsrecht. Seit 1997 arbeitet er im… Profil anzeigen Frage stellen
Carsten Nallinger Carsten Nallinger Lkw-Navigation
Beratung von Fahrern und Unternehmern rund um das Thema Navigationsgeräte für den Einsatz im… Profil anzeigen Frage stellen
Aktuelle Fragen
Kostenloser Newsletter
Newsletter Small

+++ Tests +++
+++ News +++

Und immer bequem und kostenlos per E-Mail.