Volvo 7900 Electric E-Bus Zoom
Foto: Bo Håkansson

Interview mit TCO Volvo Group Lars Stenqvist

Elektro-Lkw ist "logischer Schritt"

Die Branche befindet sich vor einem tiefen Wandel. Alternative Antriebe sollen den CO2-Ausstoß des wachsenden Gütertransports wirkungsvoll eindämmen. Lars Stenqvist, CTO Volvo Group, über die Lösungen für eine umweltfreundliche Zukunft.

Herr Stenqvist, fangen wir mit der wohl spektakulärsten Neuheit im Lkw-Segment an – dem Tesla Semi. Was sagen Sie zur Präsentation des E-Trucks?

Stenqvist: Ich möchte den Semi nicht im Detail analysieren. Aber ich denke, es ist fair zu sagen, dass man seine Präsentation nicht mit einer traditionellen Markteinführung gleichsetzen kann. Heute ist der Lkw nicht erhältlich, auch wenn man den Truck schon reservieren kann. Es handelt sich also mehr um eine Vorpremiere. Die größte Herausforderung, die von jedem angegangen werden muss, der batterieelektrisch den Fernverkehr bedienen möchte, ist sicher die Performance und die Energiedichte der Batterien – das ist der "secret key".

Aber auch die Lebensdauer ist eine Herausforderung. Wenn man derart kostenintensive Akkus baut, muss man sicherstellen, dass sie über einen langen Zeitraum performen. Man kann sie nicht einfach alle zwei Jahre ersetzen. In diesem Zuge muss man auch das Laden der Batterien betrachten. Wenn man kurze Ladezeiten realisieren möchte, muss man mit starker Energieleistung arbeiten. Da ist die Frage, welche elektrische Verbindung man wählt. Nutzt man eine Art von Kühlung? Denn man wird sehr wahrscheinlich ein Hitzeproblem bekommen. Eine Batterie pfleglich zu behandeln, heißt, auf sie an Bord des Lkw, aber auch in der Ladesituation zu achten. Am Ende muss man die nötige Lebensdauer einer derart kostenintensiven Batterie einfach garantieren können.

Fühlen Sie sich bei Volvo Group unter Druck gesetzt, jetzt, wo schon einige Kunden erste Exemplare des Tesla-Trucks bestellt haben?

Stenqvist: Ich denke, der Semi ist ein gesunder Beitrag zur aktuellen Diskussion. Was die nahe Zukunft betrifft, glauben wir als Volvo Group mehr an die Möglichkeiten des Verbrennungsmotors in Verbindung mit der Hybrid-Technik, sodass man, wo es nötig ist, rein elektrisch fahren kann. Da sehe ich eine Nachfrage von vielen Kunden in vielen verschiedenen Teilen der Welt. Beim rein batterieelektrischen Fernverkehr sehen wir einen weniger großen Bedarf. Die Kunden werden das in Erwägung ziehen, wenn damit ein besserer TCO-Wert machbar ist. Aber der Wunsch, die letzte Meile rein elektrisch fahren zu können, wird größer. Für mich ist das der natürliche nächste Schritt.

Wie sieht Ihre Einschätzung zu elektrifizierten Autobahnen und Oberleitungs-Lkw aus?

Stenqvist: Ich glaube definitiv daran, dass wir auf ausgewählten Straßen elektrifizierte Autobahnen bekommen werden. Nicht flächendeckend in den USA, Europa oder China, aber auf bestimmten Verbindungspassagen – auf Nord-Süd- und Ost-West-Trassen beispielsweise. Dann glaube ich auch, dass auf diesen Strecken bestimmte Lkw verkehren werden, die eine relativ kleine Batterie an Bord haben, um zu nah an den Autobahnen gelegenen Logistikzentren zu kommen. Das ist aus finanzieller, aber auch aus umweltpolitischer Sicht sinnvoll. Denn es ist finanziell wie umweltpolitisch nicht ganz unkritisch, riesige Batterien zu fertigen, um damit rein elektrisch im Fernverkehr zu fahren.

Es gibt also nicht die eine Lösung?

Stenqvist: Nein. Wir werden einen Mix aus batterieelektrischen Vehikeln bekommen, die beispielsweise den Regionalverkehr bedienen, und aus Hybrid-Fahrzeugen, die in naher Zukunft den Fernverkehr managen. Hier sind elektrifizierte Autobahnen vorstellbar, bei denen die Fahrzeuge während der Fahrt aufgeladen werden. Wir testen derzeit beide Varianten, die Oberleitungs-Lkw und Ladesysteme, die in die Straßenoberfläche eingebaut sind. In der fernen Zukunft glaube ich dann absolut auch an batterieelektrische Lösungen im Fernverkehr. Was die Energiedichte und die Kosten betrifft, ist die aktuelle Entwicklung in der Batterie-Technologie sehr beeindruckend.

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FERNFAHRER Lastauto Omnibus trans aktuell
Dieser Artikel stammt aus Heft lastauto omnibus 03/2018.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
Julian Hoffmann

Autor

Datum

6. März 2018
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