Zoom
Foto: Sütrak

Interview mit Sütrak-Geschäftsführer Oliver Wels

E-Anlagen gehört die Zukunft

Komplette Thermomanagementsysteme aus einer Hand – das ist die Vision von Eberspächer Sütrak. Oliver Wels, Geschäftsführer Climate Controls Bus & Coach, spricht über die Zukunft der Klimaanlage.

Herr Wels, Ökonomie und Ökologie – das sind zwei Stichpunkte, die in aller Munde sind. Wie möchten Sie die Heizungs- und Klimasysteme konventionell angetriebener Busse effizienter machen?

Wels: Unsere Thermomanagementsysteme machen den öffentlichen Verkehr attraktiver und tragen zu einer Reduzierung von Schadstoffen im Straßenverkehr bei. Sie müssen sich nur vor Augen halten, dass man mit einem voll besetzten Omnibus circa 70 Pkw stehen lassen könnte. Doch das funktioniert nur, wenn die Fahrgäste dort denselben Komfort vorfinden wie in ihrem Auto – und genau hierin besteht unser Ziel. In der Entwicklung unserer Anlagen ist die Gewichtsreduktion ein großes Thema: Mit einer leichteren Anlage sinkt der Kraftstoffverbrauch des Busses. Gerade mit Blick auf die Zukunft liegt der Schwerpunkt unserer Forschungsarbeit am Standort Renningen zudem auf Busklimaanlagen, die mit alternativen Kältemitteln betrieben werden. Um unsere Anlagen effizienter zu gestalten, setzen wir auf den Einsatz von automatisierten, elektronischen Ventiltechnologien statt mechanischer Magnetventile und untersuchen zudem die Verwendung besonderer Beschichtungen der Verdampferpakete, um Vereisung zu vermeiden.

Wie sieht Ihre Zukunftsvision aus, wenn wir an Hybrid- und E-Antriebe denken?

Wels: Elektrisch betriebene Anlagen stellen für uns das Zukunftsszenario dar. Mit derartigen Anlagen-Serien sind wir ein Vorreiter in der Branche: Unsere Systeme sind so ausgelegt, dass alle für den Kältemittel-Kreislauf nötigen Komponenten auf den elektrischen Betrieb abgestimmt sind. Die Leistung herkömmlicher Anlagen ist von der Drehzahl des Kompressors abhängig, die Kälteleistung hängt unmittelbar an der Leistung des Fahrzeugmotors. Im Stadtverkehr kommt man so nicht auf die maximale Kühlleistung. Bei einer vom Motor unabhängigen Regelung kann man die Anlage kleiner auslegen und gleichmäßiger und effizienter kühlen.

Auf welches Kühlmittel setzen Sie in Ihren Klimaanlagen aktuell, welches werden Sie in der Zukunft verwenden?

Wels: Derzeit betreiben wir unsere Anlagen mit R134a, das weltweit in gut 90 Prozent aller Fälle eingesetzt wird. Es gibt ähnliche Kältemittel, wie das in Amerika geläufige R407c, das weniger Treibhauseffekte verursacht, oder das Kältemittel R1234y, das allerdings eine hohe Flammbarkeit aufweist und daher als Alternative nicht infrage kommt. Für die Zukunft setzen wir auf die CO2-Lösung. Wir gehen davon aus, dass wir im Jahr 2020 die ersten Serien-Klimaanlagen mit CO2-Kältemittel-Kreislauf liefern können. Eine große Herausforderung besteht darin, die Anlagen auf hohe Drücke auszulegen, um ein derartiges System betreiben zu können. Eine mit R134a betriebene Anlage arbeitet mit etwa 12 bis 14 bar, bei CO2-Anlagen sprechen wir von 100 bis 150 bar. Aktuell beschäftigen wir uns mit der Qualifizierung entsprechender Komponenten, die diesen Drücken gewachsen sind. Das Ziel ist ein hermetisch abgeschlossenes CO2-System.

Sie haben von R407c gesprochen. Arbeiten Sie auch mit diesem Kältemittel?

Wels: Nein, gar nicht. Man kann ein mit R134a betriebenes System nicht ohne Weiteres mit einem anderen Kältemittel befüllen. Die Treibhauseffekte von R407c sind unwesentlich geringer als bei R134a, der technische Aufwand wäre zu hoch. Wir setzen klar auf CO2, da R134a einen um 1.400-fach höheren Treibhauseffekt hat.

Schlappe Klimaanlagen in ICE-Zügen kennen wir aus den Nachrichten. Werden hochökonomische Klima­systeme auch in Bussen anfälliger?

Wels: Der häufigste Grund, warum Anlagen gerade dann nicht arbeiten, wenn sie sollten, ist die Vernachlässigung der präventiven Wartung. Wichtige Komponenten müssen regelmäßig überprüft werden. Filter, die die Umgebungsluft ansaugen, verstopfen mit der Zeit. Bei den Kompressoren müssen Ölwechsel und Wartungsdienste durchgeführt werden. Die Betreiber sollten in der kalten Jahreszeit hin und wieder einen Probelauf machen, damit sich die Teile bewegen und geschmiert werden. Wenn ein Fahrzeug mit unseren Systemen ausgestattet ist, sollte es aber nicht zu einem Ausfall kommen. Und wenn doch, haben wir durch ein flächendeckendes Service-Netzwerk immer kompetente Hilfe vor Ort.

Dieser Inhalt ist exklusiv für unsere Digital-Abonnenten

Melden Sie sich an und prüfen Sie, ob Ihre Abonummer in Ihrem Profil hinterlegt ist. Wenn Sie Abonnent sind, aber noch kein Profil haben, können Sie sich hier registrieren. Weitere Informationen zu Registrierung und Anmeldung finden Sie hier.

› Jetzt anmelden

Sie haben noch kein Digital-Abo? Angebote und Informationen zu unseren Titeln und den Digital-Abos erhalten Sie in unserem Shop.

› Jetzt informieren
Dieser Artikel stammt aus Heft lastauto omnibus 09/2017.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.

Autor

Datum

9. August 2017
5 4 3 2 1 0 5 0
Kommentare
Kostenloser Newsletter
Newsletter Small

+++ Tests +++
+++ News +++

Und immer bequem und kostenlos per E-Mail.