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Horst Kottmeyer vom VVWL NRW im Interview

„Sicherheit ist unser Interesse“

Der neue Vorlsitzende des VVWL NRW Horst Kottmeyer über die Rolle der Landesverbände und die neue Partnerschaft mit der Polizei.

trans aktuell: Herr Kottmeyer, Sie sind seit Ende November neuer Vorsitzender des Verbands Verkehrswirtschaft und Logistik Nordrhein-Westfalen. Was war Ihre Motivation, dieses Amt anzutreten?

Horst Kottmeyer: Das ist nicht ganz einfach zu beschreiben. Aber: Ich bin ja nun nicht ganz neu im Vorstand und es stand einfach ein Generationswechsel an. Diese Herausforderung habe ich gerne angenommen.

Was sind nun die wichtigsten Aufgaben?

Wir werden das Rad in Münster sicher nicht neu erfinden – wir haben bislang einen erfahrenen langjährigen Vorsitzenden gehabt und werden die gleiche Richtung beibehalten. Es ist ja nicht wie in der Politik, wo man nicht weiß, wie es nach einem Regierungswechsel weitergeht. Bei uns ist es lediglich ein Stabwechsel.

Wie ist die Situation der Branchenunternehmen in NRW?

Gut, denn momentan gibt es ja eine gute Auslastung aufgrund der guten wirtschaftlichen Situation. Aber wir wissen ja nicht, wie lange das so weitergeht. Zudem gibt es überall große Personalprobleme. Dabei wollen wir nicht nur über den Fahrermangel reden, es gilt auch in allen anderen Bereichen, qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Logistik ist heute nicht einfach.

Also ist die Unterstützung der Mitgliedsunternehmen bei dieser Mitarbeitersuche eine vordringliche Aufgabe Ihres Verbands?

Nicht nur bei der Mitarbeitersuche. Auch die Förderung von jungen Leuten, sie auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz zu unterstützen. Im Bereich Logistik und Transport gibt es sehr viele Berufe, die eindeutig auch Zukunft haben. Das müssen wir den jungen Leuten vermitteln.

Seit rund einem halben Jahr ist auch die neue NRW-Landesregierung im Amt. Was würden Sie den Politikern gerne in das Lastenheft schreiben?

Da haben wir in NRW unsere ganz speziellen Baustellen – und die heißen Brücken. Wenn die Landesregierung dieses Problem gelöst hat, dann sind wir mit ihr schon mehr als zufrieden.

Sie sind auch stellvertretender Vorsitzender des BGL, der mit Professor Dirk Engelhardt einen neuen Hauptgeschäftsführer hat und zum Herbst dieses Jahres das Präsidium neu organisieren will. In welche Richtung soll das gehen?

Als Präsidium haben wir in Verbindung mit der neuen Hauptgeschäftsführung beschlossen, den Verband neu auszurichten und schlanker zu gestalten. Wir sind der Meinung, dass die Führung nicht mehr ganz so komplex sein muss und wir die Führungsstruktur daher neu organisieren sollten.

Das bedeutet auch mehr Aufgaben für die Landesverbände?

Wir wollen mehr mit den Landesverbänden zusammenwachsen. Man muss nicht alles doppelt machen – wir wollen viel mehr gemeinsam machen und dadurch auch Kosten reduzieren.

Erhöht sich so auch die Kooperation der Landesverbände?

Alle Seiten rücken zusammen. Die Landesverbände haben zum Teil schon untereinander sehr gute Kontakte. Wir können uns innerhalb der Landesverbände gut ergänzen, aber auch auf der Bundesebene.

Zum Jahresende ist der Verband eine Sicherheitspartnerschaft mit der nordrhein-westfälischen Polizei eingegangen. Sorgen Lkw-Fahrer jetzt für Recht und Ordnung?

Um erst mal klarzustellen: Das ist kein Programm, um zusätzliche Hilfssheriffs zu akquirieren. Es geht der Polizei nur darum, Leute zu sensibilisieren, sich zu melden, wenn ihnen etwas ungewöhnlich vorkommt. Der Tenor der vergangenen Jahre war eher: "Das kam mir schon komisch vor, aber bevor ich da eine Falschmeldung mache, lasse ich es lieber bleiben."

Und warum ist gerade die Branche angesprochen?

Weil unsere Fahrer und Mitarbeiter auch nachts arbeiten beziehungsweise unterwegs sind und für bestimmte Sachen einen anderen Blick haben als eine Privatperson. Wenn auf einem Autobahn-Rastplatz in der Nacht Paletten oder Kartons umgeladen werden, hält das der Normalbürger nicht unbedingt für außergewöhnlich. Aber jeder Lkw-Fahrer oder Spediteur weiß, dass man auf der Raststätte nicht umlädt, dass das nicht normal ist. Ich selbst habe so eine Erfahrung gemacht, aber schon vor der Sicherheitspartnerschaft.

Erzählen Sie.

Unser Fahrer wollte an einem Rasthof seine vorgeschriebene Pause machen – obwohl er nur noch 20 Minuten vom Kunden entfernt war. Aber er rief mich an und sagte, dass der ganze Parkplatz voll mit Fahrzeugen mit ausländischen Kennzeichen und so viel Bewegung sei. Im Lkw hatte er Mikrowellen für die ostwestfälische Möbel-Industrie, die er am nächsten Morgen anliefern sollte. Ich informierte die Polizei darüber, dass ich den Fahrer auf eigene Verantwortung weiter zum Kunden schicken würde, auch wenn die Fahrzeit fast voll war. Der aufnehmende Beamte versprach, als Ansprechpartner bei einer etwaigen Kontrolle zur Verfügung zu stehen, und schickte sofort eine Zivilstreife zu der Raststätte.

Die regionalen Zeitungen unkten, dass die Branche damit das Personalproblem bei der Polizei entschärfen solle …

Das sehe ich nicht so. Beteiligt sind auch die Taxifahrer – die stehen ja auch jeden Abend mit ihrem Fahrzeug am selben Platz und können ungewöhnliche Personen oder deren Verhalten beobachten. Nein, die Aktion soll helfen, die Hemmschwelle zu senken, bei verdächtigen Situationen die Behörden zu informieren beziehungsweise den Notruf zu tätigen – die Polizei hat uns auch versichert, dass es keine Konsequenz gibt, wenn der Verdacht sich als unbegründet herausstellt.

Zumindest ist es eine Aktion, die gut für das Image der Branche ist.

Nicht nur das. Das Thema Sicherheit liegt auch in unserem eigenen Interesse – pro Jahr entsteht in NRW ein Schaden in Höhe von rund 250 Millionen Euro aufgrund von Diebstählen.

Zur Person

  • Horst Kottmeyer ist seit November 2017 Vorsitzender des Verbands Verkehrswirtschaft und Logistik Nordrhein-Westfalen (VVWL NRW). Unter dem Dach des Verbands sammeln sich rund 2.000 Unternehmen aus den Bereichen Transport, Logistik, Spedition, Möbelspedition und Entsorgung mit zusammen mehr als 180.000 Mitarbeitern
  • Einen Monat zuvor war er bereits zum Vorsitzenden des Landesverbands Transport, Logistik und Entsorgung gewählt worden
  • Der Geschäftsführer der gleichnamigen Spedition aus Bad Oeynhausen ist außerdem seit 2012 Vizepräsident und damit Mitglied des Präsidiums des Bundesverbands Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL)

Ilona Jüngst

Autor

Datum

1. März 2018
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