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Foto: Jan Bergrath

Heide-Logistik aus Kirchlinteln

Familienunternehmen mit motivierten Fahrern

Ein Schwerpunkt von Heide-Logistik ist der saisonale Transport von Heidelbeeren. Ansonsten ist das Familienunternehmen der Beweis dafür, dass motivierte Fahrer auch gute Leistungen erbringen.

Der Weg ins Teufelsmoor bei Osterholz-Scharmbeck ist für schwere Kühlzüge nicht wirklich geeignet. Die Straßen sind viel zu eng. Doch in der Saison von etwa Anfang Juli bis Ende August müssen die Fahrer von Heide-Logistik eben auch dort hin, um auf etwas abgelegenen Plantagen ihre Ladung abzuholen: frische Heidelbeeren. "Wenn wir auf der ersten Tour auch das Leergut mitbringen, müssen die Vorarbeiter vorher mit uns die Strecke abgehen, um schon mal die Äste abzuschneiden, die übers Jahr neu gewachsen sind", erzählt Klaus Möller, der den einzigen Volvo in der Flotte fährt. "Sonst kommen wir nicht ohne Kratzer zur Verladestelle."

Im Teufelsmoor hat Klaus zwei Ladestellen: Die Plantage der Familie "von Oehsen", wo Klaus direkt neben einem vollkommen aus der Zeit gefallenen Magirus-Hauber lädt. Und "Dittmeyer’s Fruchtplantagen". Zuerst wird in der Halle das Leergut entladen, anschließend bringt der Stapler die Paletten mit den Früchten. "In der Hauptsaison laden wir hier jeden Tag 18 Tonnen", erklärt Klaus. "Am Wochenende übernehmen dann feste Aushilfen unsere Lkw. Ohne sie würden wir das Aufkommen sonst gar nicht bewältigen."

Saisonales Geschäft mit vier festen Touren

Es ist zwar nur ein saisonales Geschäft, das aber eine zeitlich komplexe Organisation für die Fahrer und Büromitarbeiter der Heide-Logistik bedeutet – deren Name wurde übrigens durch die Nähe des Standorts zur Lüneburger Heide inspiriert. "Wir haben dann insgesamt vier feste Touren", sagt Mario Bruns (43), der das junge Familienunternehmen zusammen mit seiner Frau Sandra (41) leitet. Die beiden Töchter Franziska (20) und Vanessa (19) machen dort eine Ausbildung. In der Disposition arbeiten Florian Bruns, der trotz des gleichen Nachnamens nicht mit den Inhabern verwandt ist, und Jasmin Tau.

"Vier Lkw fahren dann nach einem festen Stundenplan am Morgen oder Vormittag hier mit Leergut in vier verschiedene Regionen los und sammeln etwa im Raum Rastede und Cuxhaven oder Walsrode, Soltau und Fallingbostel bei den Produzenten die empfindlichen Früchte ein", beschreibt Mario Bruns. Manchmal sind es nur zwölf Tonnen reine Frucht auf 24 Industriepaletten, wenn die Fahrzeuge für einen Zwischenstopp auf den Hof in Kirchlinteln kommen. Von hier geht es anschließend in rund viereinhalb Stunden Fahrzeit bis nach Venlo. Dort befindet sich der Sitz der Genossenschaft. "Im Idealfall", erzählt Klaus, "treffen wir uns mit vier Zügen in Venlo und fahren gemeinsam wieder zurück."

 "Unsere Fahrer identifizieren sich mit ihren Lkw"

Klaus fährt seit 23 Jahren im Fernverkehr. Dass er seit 2013 für die Heide-Logistik arbeitet, ist einem Zufall zu verdanken. "Ich habe Mario Bruns auf einem Bauernmarkt in Visselhövede getroffen – dort, wo wir beide wohnen. Dabei sind wir ins Gespräch gekommen. Ich fand es toll, wie Mario und Sandra ihr Unternehmen aufgebaut haben und trotz des schnellen Wachstums dabei immer das familiäre Umfeld behalten haben. Und natürlich teilen wir das Faible für gut ausgestattete Lkw." In der Tat: Mario Bruns beschreibt sich selbst als "positiv Verrückten", der schon ein kleines Vermögen in die individuelle Verschönerung der einzelnen Lkw investiert hat.

Nicht nur, weil es gut aussieht, sondern aufgrund einer simplen Philosophie: "Unsere Fahrer identifizieren sich mit ihren Lkw, sie achten auf jede Kleinigkeit, sie sind einfach stolz darauf und machen meines Erachtens eine bessere Arbeit als Fahrer, die ständig Trailer tauschen müssen oder beispielsweise im Schichtdienst arbeiten." Die Ausnahme ist Ronald Olivier, der fest angestellte Springer, der täglich für einen Kunden zwischen Soltau und Langenhagen pendelt. "Ich darf bei uns nur tolle Autos fahren und die Kollegen sind erleichtert, dass ich es bin, der ihre Lkw im Urlaub übernimmt. Am liebsten fahre ich allerdings unseren Scania mit dem Bullfänger."

Heide-Logistik punktet mit festem Stamm aus Direktkunden

Innerhalb kurzer Zeit hat sich die Heide-Logistik einen festen Stamm an Direktkunden aufgebaut. Die Ladungen für die Lkw sind Obst und Gemüse, Brot, Kekse, aber ebenso TK-Ware. "Überwiegend fahren wir nach Belgien und Holland", sagt Frank Peters. Auch er war 27 Jahre im internationalen Fernverkehr, viel Ostblock. "In meiner letzten Firma war ich unzufrieden. Ich hatte wirklich Glück, bei den vielen Bewerbungen, die es gibt, bei der Heide-Logistik reinzukommen und habe mich hier von Beginn an wohlgefühlt. Der Lohn liegt über dem, der hier in der Region bezahlt wird, und wir können uns immer an die Lenk- und Ruhezeiten halten. Trotzdem schaffen wir ohne Probleme im Wechsel einmal zwei Touren die Woche und einmal drei Touren."

Ein Reiz, so sagt es auch Heiko Dammann, sind die Touren nach Belgien und Holland. Rückladungen gibt es meist aus Rotterdam, Zeebrügge oder Antwerpen "Sobald wir einmal über die Grenze sind", betont Klaus, "wirst du als Fahrer einfach ganz anders behandelt als in Deutschland."

Zahlen & Fakten

Anschrift:

Heide-Logistik e. K.
Stellmannskamp 6
27308 Kirchlinteln

Tel. (+49) 0 42 36 - 9 43 94 - 0
Fax (+49) 0 42 36 - 94 39 40 - 29

E-Mail
Internet

Gründungsjahr: 2008
Unternehmensgröße: inhabergeführtes mittelständisches Kühllogistikunternehmen
Umsatz: 4 Millionen Euro
Schwerpunkt: internationale Kühltransporte, Lagerlogistik
Beschäftigte: 33
Fahrer: 26, dazu feste Aushilfen
Fuhrpark: 24 Kühlzüge, davon 16 DAF XF 460, 2 DAF XF 510, 1 DAF XF105.460, 4 Scania R 500, 1 Volvo FH 500, alle Fahrzeuge mit Fernverkehrs-Fahrerhaus, Vollausstattung, Standklima, Kühlschrank, Fahrerassistenten, Spannungswandler, Internet-Flat.
Verbleib im Fuhrpark: 4 Jahre. 24 Kühlauflieger von Schmitz-Cargobull mit Doppelstockbeladung; Kühlaggregate zu 70 Prozent Carrier Maxima 1550 und 30 Prozent Thermo King SLX 300 Whisper. Dazu 3 Container-Chassis von Krone

Eigene Werkstatt: derzeit nicht, in Planung für Frühjahr 2017. Wartung bei den jeweiligen Werkstätten der Hersteller
Einsatzbereich der Fahrer: Schwerpunkt sind die Beneluxländer sowie der norddeutsche Raum. Dazu drei Fahrzeuge im innerdeutschen Schichtbetrieb
Fahrleistung der Lkw: ca. 130–140.000 km/Jahr
Offene Stellen: derzeit alle Fahrzeuge besetzt

Alle Angaben laut: Geschäftsführer Mario Bruns

Dieser Artikel stammt aus Heft FERNFAHRER 12/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.

Autor

Datum

23. November 2016
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