Fehrenköttertest 2 Bilder Zoom
Foto: Karl-Heinz Augustin

Fehrenkötter-Test

Bilanz nach einem Jahr

Die Test-Lkw haben das erste Jahr hinter sich. In den vergangenen fünf Monaten hat sich bei den Betriebskosten ein neuer Spitzenreiter hervorgetan.

Vom Buhmann zum Spitzenreiter – der Volvo FH hat sich in den vergangenen elf Monaten überraschend positiv entwickelt. Zum Start in den Test war das Fahrzeug mit Flugrost auf dem Rahmen angetreten, nach einigen Tagen rissen dann noch Haltebänder der Abgasanlage. Der Schwede hatte keinen guten Start in den Test und sogleich einen Ausfalltag mit 1.000 Euro auf dem Kostenkonto. Kombiniert mit einem Kaufpreis, der im Mittelfeld der Konkurrenz liegt, war anfänglich kaum eine Top­platzierung unter den sieben Lkw des trans aktuell-Fehrenkötter-Tests zu erwarten.

Volvo überrascht mit dem niedrigsten Dieselverbrauch

Doch schon bei der ersten Hochrechnung überraschte der Volvo mit dem niedrigsten Dieselverbrauch im Feld und reihte sich auf Rang zwei hinter dem Mercedes Actros ein. Letzterer kam bis dahin ohne Werkstattaufenthalt aus und hielt so die sechs Verfolger auf Distanz – bis zum 20. November vergangenen Jahres. Da musste Fehrenkötter für den Actros neue Batterien verbauen lassen und zwei Stunden Ausfallzeit verbuchen. Hinzu kamen weitere Werkstattaufenthalte im Dezember und Anfang Februar. Alles in allem stand der Actros 1,5 Tage nicht für den Transporteinsatz zur Verfügung. Das kostet Spediteur Fehrenkötter 1.500 Euro, die sich im TCO-Ranking deutlich niederschlagen.

So überlässt der Actros nach neuerlicher Berechnung dem Volvo FH das oberste Treppchen und reiht sich demütig auf dem vierten Rang noch hinter Iveco und DAF ein. Dabei bleibt der Wörther allerdings mit 30,83 Litern je 100 Kilometer Zweitbester in Sachen Dieseldurst und sparsamster beim Adblue-Verbrauch.

Warum liegen Iveco und DAF vor Mercedes, wenn doch der Verbrauch des Actros so gut ist? Beide Lkw haben einen halben Ausfalltag weniger auf dem Konto und waren in der Anschaffung wesentlich günstiger. Beides zusammen verschafft den Importfahrzeugen einen Vorsprung auf der Kostenseite, der mit den variablen Kosten innerhalb eines Jahres nicht einzuholen ist.

Der DAF XF hat zudem Boden gut gemacht, weil er einen Ausfalltag weniger in der Wertung stehen hat als noch bei der ersten Kalkulation. Nach eingehender Prüfung eines Schadens vom Juni 2014 stellten die Spedition und Dekra fest, dass der XF aufgrund eines Konstruktionsfehlers des Aufbauherstellers in die Werkstatt musste. Kosten und Zeitaufwand gehen deswegen nicht zulasten von DAF.

Verglichen mit dem letzten trans aktuell-Fehrenkötter-Test übertrifft der Iveco alle Erwartungen bei der Spedition Fehrenkötter. "Wir haben kaum Probleme mit dem Fahrzeug", sagt Fuhrparkleiter Robert Theis. Ein paar kleinere Reparaturen haben sich insgesamt zu einem Ausfalltag aufsummiert. Der fällt beim preisgünstigsten Fahrzeug im Feld weniger ins Gewicht als bei der Konkurrenz. Auch beim Dieselverbrauch gibt sich der Italiener keine Blöße. Mit 32,08 Litern je 100 Kilometer liegt er auf Rang vier und hat seit der letzten Kalkulation trotz Wintereinbruchs den Durchschnittsverbrauch um 0,07 Liter gesenkt.

Beim Blick auf die Verbrauchsdifferenzen fällt einmal mehr der Volvo positiv auf. Um rund acht Zehntel hat sich der Skandinavier verbessert. Damit liegt der FH als einziger Lkw unterhalb der 30-Liter-Marke. Das andere Ende der Skala markiert der Konzernbruder Renault Trucks T. Mit 33,22 Litern im Schnitt und einer Verschlechterung von rund einem Liter avanciert der Franzose zum Trinker.

Hohe Wartungskosten

"Ein halber Liter Mehrverbrauch ist normal im Winter", erklärt Fuhrparkleiter Theis mit Blick auf die Mercedes-Flotte der Spedition. Das komme unter anderem durch Motorlaufzeiten im Stand. Im Winter müssen die Fahrer teilweise in der Nacht den Lkw für eine halbe Stunde laufen lassen, damit die Standheizung bis zum nächsten Morgen durchhält. "Schalte ich den Motor nicht zwischendrin ein, schaltet das Batteriemanagement die Standheizung einfach aus", erläutert Rolf Girndt seinen Alltag im ­Renault T. Durch das automatische Abschalten der Standheizung, springt das Fahrzeug morgens zwar noch an, dafür ist der Fahrer durchgefroren. "Alle unsere Fahrzeuge haben Probleme mit den Batterien", ergänzt Theis. "Wir wechseln die Batterien alle zwei Jahre aus, unabhängig vom Zustand."

Das gilt auch für die Lkw der beiden Tochterunternehmen des VW-Konzerns. Die Fahrzeuge von MAN und Scania rangieren derzeit auf den Rängen fünf und sieben. Bei beiden aus demselben Grund: die relativ hohen Wartungskosten. So kommt der MAN auf Kosten von 1.376,04 Euro, der Scania auf 1.303,55 Euro. Zum Vergleich: Die Servicekosten beim DAF liegen aktuell bei 632,44 Euro.

Der Scania gehört im Feld nicht nur zu den teuersten Fahrzeugen, wenn es um Service geht. Der Schwede hat bisher auch mit Abstand die meisten Werkstattaufenthalte. Immer wieder beklagt der Fahrer Frank Engelmann einen erhöhten Ölverbrauch. Rund 75 Liter Schmiermittel hat Engelmann bereits nachgefüllt. Zudem verbrachte der Scania bislang rund drei Tage in der Werkstatt. Alle Mehraufwendungen in Kombination mit dem höchsten Anschaffungspreis verweisen den Scania R450 auf den letzten Rang. Zumindest hat Scania der Spedition Fehrenkötter wegen des hohen Ölverbrauchs eine verlängerte Antriebsstrang-Garantie von fünf Jahren mündlich zugesagt.

Und wer weiß, vielleicht steigert sich der Scania fortan und schafft es zum Ende der Laufzeit wie sein schwedischer Kollege noch auf eine Spitzenposition.

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Dieser Artikel stammt aus Heft lastauto omnibus 04/2015.
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22. Mai 2015
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