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Foto: Ilona Jüngst

Fehler und Anforderungen an das Lager

Gefahrgutexperte im Interview

Der Gefahrgutexperte Prof. Norbert Müller äußert sich im Interview zu den Herausforderungen im Gefahrstofflager. Vom 14. bis 16. November findet erstmals die Gefahrgut-Messe in Leipzig statt.

eurotransport.de: Herr Prof. Müller, was tun, wenn bei der Checkliste zum Lagern von Gefahrstoffen mehr Häkchen bei "nein" als bei "ja" gemacht werden?

Prof. Müller: Es gilt die Reihenfolge "erst beurteilen – dann lagern". Bei einem "nein" darf die Tätigkeit nicht aufgenommen werden. Das ist nur konsequent.

In einem Gefahrstofflager kann man von sachkundigen Mitarbeitern ausgehen – welche Fehler werden dennoch gemacht?

Neben einer systematischen Gefährdungsbeurteilung fehlen in Gefahrstofflägern oft Betriebsanweisungen und Unterweisungen. Insbesondere der Fall der Havarie ist in vielen Betrieb ein Tabu­thema: Er wird einfach nicht geübt.

Was tun, wenn die baulichen und organisatorischen Gegebenheiten bislang nicht auf Gefahrgut ausgerichtet waren?

Wer in einem Lager, das gemäß Antrag für die Lagerung von beispielsweise Knabberartikeln genehmigt ist, etwa brennbare Parfümerieerzeugnisse lagern will, muss sich mit den besonderen Anforderungen vertraut machen. Sehr oft geht das nicht ohne externen Sachverstand, weil er im Unternehmen nicht vorhanden ist.

Viele Unternehmen haben oftmals eher mit Kleinmengen an Gefahrgut zu tun. Was ist bei deren Lagerung und dem Umschlag zu beachten?

Der Unternehmer muss sich immer informieren, was stoff- und mengenspezifisch zu tun beziehungsweise zu lassen ist. Gemäß der Technischen Regel für Gefahrstoffe 510 braucht man für die Lage­rung von beispielsweise giftigen oder brandfördernden Stoffen ein feuerbeständiges Lager – ab einer Menge von 200 Kilo­gramm. Das ist ein Fass!

Gehen die gesetzlichen Anforderungen wie die TRGS weit genug?

Die Regelungen sind weitestgehend vollständig; einzig die Lagerung von Lithiumbatterien könnte besser geregelt werden. Die Regelungen sind aber häufig unsystematisch und schwer anzuwenden. Das verunmöglicht eine IT-Lösung: Die Anforderungen lassen sich zurzeit nicht mithilfe der Datenverarbeitung ermitteln

Gefahrgut-Messe

  • Der Gefahrguttransport, die Intralogistik von Gefahrstoffen und der sichere Umgang mit hochsensiblen Gütern und Stoffen – das sind die Themen der neuen Fachmesse Gefahrgut & Gefahrstoff
  • 60 Aussteller bieten ihre Produkte und Dienstleistungen an, daneben gibt es ein interessantes Fachprogramm
  • Die Premiere der Fachmesse findet vom 14. bis 16. November 2017 auf der Leipziger Messe statt
  • Mehr Infos: www.ggs-messe.de

Ilona Jüngst

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Datum

26. Oktober 2017
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