KEP-Dienst liefert Paket an Privatempfängerin ab Zoom
Foto: PER KASCH

Express- und Paketdienste

Paketempfänger forcieren Trends

Digitalisierung, Internationalisierung, taggleiche Lieferungen und Kundenansprüche sorgen in der Paketlogistik für Bewegung.

Die Anforderungen der Kunden stehen bei allen KEP-Dienstleistern im Fokus. "Verbraucher sind nicht mehr nur passive Paketempfänger, sondern aktive Entscheidungsträger", sagt Frank Rausch, Chef der Hermes Logistik Gruppe Deutschland. Sie wollen zu jeder Zeit an jedem Ort eine maximale Kontrolle über den Verlauf ihrer Sendung haben Die spontane Umleitung in einen Paketshop, zum Wunschnachbarn oder ins Büro gehört ebenso dazu, wie vorab wissen zu wollen, wann genau das Paket angeliefert wird. "Niemand will mehr zu Hause stundenlang auf einen Zusteller warten müssen", fügt Rausch hinzu.

Die Hauptwachstumsimpulse im Paketgeschäft kommen nicht mehr aus dem Geschäfts-, sondern aus dem Privatkundenbereich. Eine Umschichtung der Mengen findet statt, die Dienstleister müssen kleinere Einheiten an unterschiedliche Empfänger abliefern, die Zahl der Retourenpakete steigt. "Paketdienste können bestimmte Anforderungen überhaupt nicht mehr selbst erfüllen", sagt Frank Iden, Vorsitzender der Trans-o-flex-Geschäftsführung. Stattdessen werden flexible Kurier- und Expressdienstleister neue Aufgaben erhalten. Kunden verlangen schnelle Lieferungen, am selben Tag noch oder über Nacht. "Nahezu alle Paketdienste testen deshalb auch die Kooperation mit Kurierdiensten", ergänzt er.

Bedarf an taggleichen Lieferungen steigt

Durch den E-Commerce steigt die Bedeutung der B2C-Zustellung, aber auch aufgrund der Retouren und privatem Handel die des C2X, also des Privatkunden zu Empfänger X. "Das ist der Treiber für Innovationen bei den Zustell- und flexiblen Abhollösungen, wie etwa der anbieterneutrale Paketkasten", erläutert Martin Seidenberg, Vorsitzender der Geschäftsführung der GLS Germany. Außerdem gebe es einen steigenden Bedarf an taggleichen Lieferungen. "Wir gehen davon aus, dass das wachsende Angebot von lokalen Same Day Delivery (SDD)-Lösungen das KEP-Volumen erheblich steigern wird", fügt Liefery-Geschäftsführer Nils Fischer hinzu.

Vor allem bei der Bestellung von Lebensmitteln werde SDD zu einem massiven Wachstum führen. "Im Bereich taggleicher Zustellungen wird sich ein Nischenmarkt für Spezialisten entwickeln", ist auch Ralf Roters, Geschäftsführer ICS Courier Deutschland, überzeugt. Aus Kostengründen sind Same Day-Zustellungen noch nicht für jeden Kunden oder Ware interessant. Dennoch sind die Experten der Ansicht, dass taggleiche Zustellungen zunehmend interessant werden – und die Kunden dann auch bereit sind, dafür zu bezahlen. "Logistiker sollten SDD deshalb als eine mögliche Versandoption in ihr Portfolio integrieren", rät Hermes-Chef Rausch.

Fokus auf intelligente Software richten

"Wer sich als mittelständischer KEP-Anbieter im harten Wettbewerb behaupten will, muss sich immer wieder neu erfinden", sagt Night Star Express (NSE)-Geschäftsführer Matthias Hohmann. Es gelte nicht nur, sich auf die verändernden Kundenbedürfnisse einzustellen, sondern den Fokus auf intelligente Softwarelösungen zu richten. "IT wird als Service-Enabler immer wichtiger", fügt er hinzu. Die Digitalisierung gehört in der KEP-Branche zu den dominierenden Themen und gilt als Basis für den Unternehmenserfolg. "Paketdienstleister transportieren längst nicht mehr nur Sendungen, sondern in gleichem Maße Daten für Versender und Empfänger", sagt GLS-Chef Seidenberg. "Eine reibungslose Kommunikation mit den Kunden ist elementar und auch die Transparenz über deren Sendungen treibt die Branche digital an", bestätigt Ulrich Nolte, Geschäftsführer von GO Express und Logistics Deutschland.

Als integralen Bestandteil ihrer Strategie bewerten die Unternehmen auch das Thema Internationalisierung. "Unsere Kunden sind international tätig und erwarten von uns, dass wir weltweit Lösungen für ihre zeitkritischen Transporte anbieten können", erläutert Franz-Joseph Miller. Geschäftsführer der Timematters-Gruppe, die als Luftfrachtdienstleister schon immer grenzüberschreitend tätig war. Der Anteil an internationalen Sendungen nimmt ständig zu, vor allem in die Länder der EU. Daher wollen auch alle anderen Anbieter künftig verstärkt auf ausländischen Wachstumsmärkten aktiv werden, da sie dort großes Potenzial wittern.

Kunden denken in Entfernungskilometern

Für Online-Shopper gehört es längst zum Alltag, Waren auch im Ausland zu bestellen. So einfach wie die Bestellung soll daher auch der grenzüberschreitende Versand funktionieren. Die Märkte wachsen immer mehr zusammen. "Kunden wollen ihre Waren geliefert bekommen, ohne sich Gedanken machen zu müssen, aus welchem Land sie stammen", sagt NSE-Geschäftsführer Hohmann. Sie würden längst in Entfernungskilometern denken und nicht mehr in Grenzen, die bei der Lieferung überschritten werden. Die Strecke Amsterdam–Düsseldorf sei für Kunden vergleichbar mit der Strecke Düsseldorf–Fulda. Hohmann: "Das bringt für uns die Herausforderung mit sich, Standortfragen zu überdenken."

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20. Mai 2016
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