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Foto: Berghegger/Eschborn

Elvis-Partner auf großer Tour

Faszination Mongolei

Wüsten und Berge, Yaks und Jurten fallen jedem ein, der an die Mongolei denkt. Stefan Berghegger und Jochen Eschborn verbinden mit dem Land inzwischen noch ganz andere Begriffe – Hilfsbereitschaft etwa, Vertrauen und auch Abenteuer. Zusammen haben sie im Sommer auf Motorrädern das Land durchquert und sind von Ulan Bator bis nach Deutschland gefahren.

"Die Mongolei gehört zu den am dünnsten besiedelten Regionen der Erde. Das übt auf mich eine enorme Faszination aus", sagt Stefan Berghegger, Geschäftsführer der Berghegger Internationalen Spedition aus Bramsche. Die Weite der Landschaft sei unbeschreiblich. "Bereits bei einem Nachtflug nach Peking 1989 hatte ich mir vorgenommen, einmal durch dieses Land zu reisen. Es hat ein wenig gedauert, bis ich mir diesen Traum erfüllen konnte." Sein Partner war dabei Jochen Eschborn, Geschäftsführer der Maintrans Gruppe und Vorstand der Ladungskooperation Elvis. Auch ihn reizten die Größe und auch die Wildheit des Landes. Und letztlich auch die pure Abenteuerlust verbunden mit der Frage, "ob man den Mut zusammenbringt und das Risiko einer solchen Reise tatsächlich eingeht."

Näher dran an Landschaft, Natur und Menschen

Erfahren genug sind beide – jeder für sich hat schon mehrere tausend Kilometer auf zwei Rädern absolviert. Berghegger und Eschborn kennen sich durch die gemeinsame Arbeit in der Kooperation Elvis schon lange und haben gemeinsam bereits Motorradtouren in der Schweiz, ins Elsass, in Frankreich und nach Marokko unternommen. Die Faszination des Motorradfahrens erklärt Berghegger folgendermaßen: "Die Begeisterung für die Technik – ich schraube relativ viel selber – und das Körpergefühl beim Fahren aus Beschleunigung und Schräglage. Außerdem die Tatsache, dass man beim Reisen näher dran an Landschaft, Natur und Menschen ist. Insbesondere in fremden Ländern wird man von der Bevölkerung anders wahrgenommen."

Gute Ausrüstung ist unerlässlich

Aber tausende Kilometer durch fremde Länder mit ungewissen Straßenverhältnissen? "Wir hatten beide nur eine vage Vorstellung, was uns insbesondere hinsichtlich der Infrastruktur erwartet", sagt Stefan Berghegger im Rückblick. Dafür waren die Aussagen in den Internetforen, in denen sie sich zuvor informiert hatten, einfach zu unterschiedlich. Auch die Fragen, wie bei technischen Problemen, die nicht von den beiden selbst zu lösen waren, oder bei einem schweren Unfall Hilfe zu bekommen wäre, trieben die beiden um. "Zum Glück ist weder das Eine noch das Andere passiert", sagt Berghegger.
Sein Tipp daher für alle, die eine ähnlich abenteuerliche Reise planen: "Man sollte sich im Vorfeld genug Zeit nehmen, um sich zu informieren. Wichtig ist es, dass man sich mit der Kultur, den Menschen und deren Gepflogenheiten beschäftigt. Aber auch die Dinge des Alltags sind sehr wichtig. Und: eine gute Ausrüstung."

BMW R1200 GS Adventure war das Fahrzeug der Wahl

Daran mangelte es den beiden nicht: Jeder war mit einer BMW R1200 GS Adventure unterwegs, die als die Maschine schlechthin für Abenteurer gilt. Die jeweils 350 Kilogramm schweren Enduros und das Gepäck waren vor dem Start der Tour von der Spedition Loxx Pan Europa, die einen Sammelgutverkehr in die Mongolei unterhält, nach Ulan Bator befördert worden, die Entgegennnahme und Verzollung in Ulan Bator liefen problemlos. Dann startete das Abenteuer.

Sechs Stunden an der russisch-mongolischen Grenze

Die Reise hinterlässt viele Eindrücke: die weiten Ebenen der Mongolei. Sand- und Schotterpisten, auf denen das Fahren zu einer Kraftanstrengung wird und auf denen sie viel langsamer als geplant vorankommen. Die Sorge um das Material, für das sich mitten im Nirgendwo kein Ersatz finden würde. Der reißende Fluss, den sie nur mit Hilfe eines Einheimischen überqueren können. Das mehr als sechsstündige Zollprozedere an der mongolisch-russischen Grenze. Die Fahrt durch das Altaigebirge und die Freude, nach der Steppe wieder Bäume zu sehen. Die weiten Ebenen Russlands mit ihren Birken und Wiesen.
Auf den befestigten Straßen in Russland können die zwei dann auch richtig Strecke machen und legen 400 bis 500 Kilometer am Tag zurück. Über Weißrussland und Polen gelangen sie nach Deutschland – nach 20 Tagen und fast 10.000 Kilometern kommen sie wieder zuhause an.

Positive Begegenungen mit Einheimischen

Was sie mitnehmen, ist auch der positive Eindruck, den die Begegnungen mit den Einheimischen hinterlassen. "Es berührt, wie freundlich die Menschen gegenüber Fremden sind – und wie gerne sie teilen, auch wenn sie wenig haben", sagt Eschborn. Freude machte aber auch, in Russland das Elvis-Logo zu sichten – an Fahrzeugen von Elvis-Partner, die fern von Deutschland ein zweites Leben bekommen haben.
Für ihn ist aber auch bedeutend, dass das Fahrer-Duo über die lange Distanz hinweg und trotz aller Herausforderungen gut harmonisiert hat. Jeder hatte seine Aufgaben – die beste Strecke herauszufinden, technische Probleme zu lösen, mit den Einheimischen über ein Hotelzimmer zu verhandeln. "Unsere Rollenverteilung hat sehr gut geklappt."
Den Staub und die Strapazen der langen Fahrt haben Berghegger und Eschborn zwar längst hinter sich gelassen. Aber die Reise wirkt nach. "Die größte Herausforderung war von Anfang an auch, das körperlich durchzustehen", sagt Jochen Eschborn. Vor allem in der Mongolei empfand er das Fahren als anstrengend.
Zurück bleibe eine gewisse Demut, aber auch die Gewissheit, dass man immer für alles eine Lösung finden könne. "In welcher Situation man sich auch befindet – am Ende des Tages kann man alles bewältigen. Dass man sich auch als Mensch noch auf seinen Instinkt verlassen kann, das kann man auf einer solchen Tour unbedingt erfahren."

Ilona Jüngst

Autor

Datum

14. November 2017
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