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Foto: QUATEX F.HAUSMANN

DAF-Händler TVS

Mehr für den Bau

DAF-Händler TVS komplettiert sein Angebot für die Baustelle – und hat dazu die überaus robusten Allradler von Tatra ins Programm aufgenommen.

DAF, ohnehin stark bei Zugmaschinen für den Fernverkehr, will weiter wachsen. Ermöglichen soll es das Fahrgestellsegment. Dazu verweisen die Holländer auf mehr als 400 Fahrgestellkombinationen aus den Baureihen LF, CF und XF. Längst hat DAF für den Bau die "Construction"-Linie mit größerer Bodenfreiheit, einem Mehr an Böschungswinkel und zahlreichen Finessen für die Branche aufgelegt. Das Angebot reicht vom 4x2-Antrieb über 6x2- und 6x4-Varianten bis hin zu Vierachsern mit einer oder zwei angetriebenen Achsen. Was aber noch fehlt, sind Allradfahrzeuge. Diese Lücke will DAF-Partner Truck Vertriebs- und Service GmbH (TVS) mit Sitz in Westerkappeln bei Osnabrück jetzt schließen – und nimmt den Tatra Phoenix ins Programm auf.

Künftig sollen die Kunden am Stammsitz und an vier weiteren Standorten in Münster, Kassel, Heilbad Heiligenstadt und Brandenburg an der Havel die 4x4-, 6x6- und 8x8-Varianten der Tschechen bekommen.

TVS bietet Alternativen für schweren Baustelleneinsatz

"Mit dem DAF-Bauprogramm für 7,5 bis 40 und mehr Tonnen sind wir schon gut aufgestellt, haben unterschiedliche Kabinen, mehrere Radstände sowie einzelbereifte, teils lenk- und liftbare Vor- und Nachlaufachsen für das Bauhaupt- und Baunebengewerbe im Angebot. Mit Tatra bietet TVS jetzt auch Alternativen für den extrem schweren Baustelleneinsatz", begründete Karsten Menke, Geschäftsführer von TVS, seinen Schritt und lud Kunden aus der Baubranche zu seiner Offroad-Veranstaltung in einen Steinbruch nach Kassel-Calden ein. Hier konnten die Gäste sechs DAF und vier Tatra für den Tiefbau-, Abbruch-, Recycling-, Agrar- oder Forsteinsatz auf der Straße und im Gelände testen. Neben 4x2-, 6x4- und 8x4-Motorwagen mit Hinter- und Dreiseitenkipper gingen Sattelzugmaschinen mit Kippauflieger an den Start.

Ergänzt wurde die DAF-Flotte durch Tatra Phoenix mit Zentralrohrrahmen und vier, sechs oder acht angetriebenen, einzeln aufgehängten Rädern. "Meine Bau-Kunden wollen die Fahrzeuge selbst testen und die Zwei-, Drei- und Vierachser eigenhändig durch unwegsames Terrain steuern. Nur so lassen sie sich überzeugen", erklärte Menke. Nebenbei kam auch der Spaß nicht zu kurz: Der tschechische Rallye-Truck-Fahrer Venda Svoboda lud die Gäste ein, mit ihm im 930 PS starken Tatra 815 4x4 "DAKAR" als Copilot eine Runde durchs Gelände zu drehen.

HydroAxle+ liefert zusätzliches Antriebsmoment

Als weitere Attraktion entpuppte sich ein DAF XF 510 mit hydraulischer Anfahrhilfe. Der sogenannte HydroAxle+ ähnelt den hydraulischen Vorderradantrieben von MAN, Mercedes und Co. und liefert bis zu einem Tempo von 30 km/h ein zusätzliches Antriebsmoment über die Vorderräder. Ihn baut der Spezialfahrzeughersteller Ginaf in den Niederlanden in die DAF-Trucks ein. Reicht der Heckantrieb auf losem Untergrund nicht aus, drückt der Fahrer dafür die HydroAxle+-Taste und schaltet so den hydraulischen Vorderradantrieb zu. Dann übernehmen in die Radnaben integrierte Hydraulikmotoren mit kreisförmig angeordneten Zylindern zusätzliche Antriebsarbeit. Damit das System funktioniert, braucht es eine Hydraulikpumpe, einen Ölvorratsbehälter, einen Ölkühler, einen Ventilblock und eine elektronische Steuereinheit. Die Drehbewegung der Radnabenmotoren entsteht, indem ein Teil der Zylinder mit Druck beaufschlagt wird, während bei den restlichen Zylindern das Öl abfließt. In den unter Druck stehenden Zylindern bewegt das Öl die Kolben nach außen.

Die Kolbenrollen drücken gegen den Nockenring und erzeugen das Drehmoment. Stellt der Fahrer den Antrieb ab, werden die Motoren frei geschaltet und die Pumpe entkoppelt. So treten kaum Schleppverluste auf. Höhere Geschwindigkeiten oder eine längere Aktivzeit verkraftet der Antrieb nicht. Bei einem Tempo von circa 30 km/h, einer unter Dauerbetrieb drohenden Überhitzung der Hydraulik oder bei einem länger als 60 Sekunden andauernden Bereitschaftsmodus schaltet das Ginaf-System automatisch ab. Das geschieht auch, wenn der Fahrer bremst, eine Tür öffnet oder die Zündung ausschaltet. Ginaf bietet seinen HydroAxle+-Antrieb für alle Lkw mit Radformel 4x2 bis 10x6, mit MX- oder PR-Motoren von Paccar und mit Handschalt- oder AS-Tronic-Getrieben an. Das Gewicht gibt der Hersteller mit etwa 500 Kilogramm an, die Leistung soll rund 270 PS betragen.

Hydraulische Anfahrhilfe im XF überzeugt

In der Praxis hat die hydraulische Anfahrhilfe die Kunden im XF überzeugt. Viele der Gäste im Caldener Kalkschotterbruch waren von ihren Fähigkeiten begeistert. Für Gerd Neumann etwa ist HydroAxle+ genau das Richtige. Der Berufskraftfahrer aus Oberaula fährt Holz für das Unternehmen seiner Schwester Simone Neumann Holztransporte und muss häufig mit aufgeweichten Waldböden kämpfen. Auch Florian Zindel findet nach seiner Geländetour lobende Worte für den XF mit HydroAxle+. "Unsere Baustoffe können wir bisher mit 8x4-, 6x4- und 4x2-Kippern fahren. Aber eine HydroAxle+-Sattelzugmaschine wäre ein guter Kompromiss", sagte der 33-jährige Juniorchef des Fuhrbetrieb Zindel in Meißner-Germerode bei Eschwege.

Bei den Allradlern entscheide der Anschaffungspreis für die Tatra. Das sieht auch Dennis Schnittger so, der mit Sohn Max aus dem hessischen Baunatal anreiste. Sein inhabergeführtes Unternehmen Heinz Schnittger existiert seit 1960 und übernimmt Straßenbau- und Tiefbauarbeiten sowie Abbruch- und Transportleistungen. Seine nächste DAF XF 6x4-Sattelzugmaschine für Schwerlasttransporte bis 60 Tonnen, mit der der 45-Jährige Baumaschinen selbst umsetzen will, gehörte zum Ausstellungsprogramm des TVS-Events. Für seinen Fuhrpark, der zum Großteil aus Sattelzugmaschinen besteht, zieht der gelernte Kfz-Mechaniker den HydroAxle+-Antrieb in Betracht. Auf echte Allrad-Lkw hat er bisher verzichtet. Den Tatra Phoenix konnten die größten Steigungen, die tiefsten Löcher und der lockerste Boden nichts anhaben.

Erweiterung des Programms für beide Seiten ein Gewinn

Souverän marschierten die 4x4-, 6x6- und 8x8-Kipper durch das Gelände. Mit CF-Kabine, Paccar-Motor in Euro 6 und ZF-Getriebe sind sie modern und robust. Extrem geländegängig machen sie der aufbauschonende Zentralrohrrahmen und die luftgefederten Pendelachsen. Sie bügeln Unebenheiten glatt und erlauben ein hohes Tempo in schwerem Gelände, was für schnelle Umlaufzeiten sorgt. Am Ende sind sich Kunden und TVS-Mannschaft einig: Die Erweiterung des Lkw-Programms ist für beide Seiten ein Gewinn. TVS kann nun die gesamte Range vom wendigen Baufahrzeug bis zum schweren Allrad-Lkw anbieten – die gemeinsame Technik machen Service und Reparatur der Tatra unproblematisch. Die Kunden bekommen dafür das komplette Baufahrzeugprogramm aus einer Hand.

Tatra in Deutschland

Der tschechische Lkw-Hersteller Tatra feiert in diesem Jahr sein 120-jähriges Bestehen und ändert gleichzeitig die Vertriebsstruktur in Deutschland. Bisher fungierte der Metallbau & Fahrzeughandel Gerhard Friedrich im nordrhein-westfälischen Raesfeld bei Essen als Generalimporteur. Zukünftig steuern die Osttschechen den Vertrieb dagegen direkt ab Werk. Dazu bauen sie hierzulande ein Händler- und Servicenetz auf. Aktuell sind zwei Partner – Friedrich und Tschann in Bayern – als Händler gesetzt. TVS steht mit seinen fünf Stützpunkten in den Startlöchern. Weitere DAF-Partner wie etwa DAF Berlin und Hiltl Fahrzeugbau sollen noch folgen. Ein deutschsprachiger Vertriebsleiter soll als Schnittstelle zwischen Werk und Händler fungieren und die Partnerbetriebe in Verkauf und Service unterstützen. Das wichtigste Produkt für den europäischen Markt ist der Tatra Phoenix T158 mit DAF CF-Kabine, Paccar MX11- und MX13-Motoren in Euro 6 und AS-Tronic-Getriebe von ZF. Insgesamt 1.300 Tatra liefen 2016 vom Band. Dieses Jahr wollen die Tschechen 1.800 Einheiten verkaufen. Dafür nehmen sie laut Tatra-Vorstand Martin Šustek viel Geld für Ausbildung und Demoflotte in die Hand. Insgesamt 40 bis 50 aufgebaute Vorführfahrzeuge sind für Deutschland bestimmt, jeder Tatra-Partner kann so auf mindestens drei bis fünf Fahrzeuge zugreifen.

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Datum

12. Mai 2017
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