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Foto: Thomas Küppers

Dachser-Chef Bernhard Simon im Interview

B2C-Sendungen verursachen höhere Kosten

Die Quote der Sendungen an Privatleute liegt bei Dachser im einstelligen Prozentbereich. Die Sendungen seien teurer in der Abwicklung und passten nicht immer in die Netzwerke. Andererseits müssten Logistikdienstleister sich dem E-Commerce stellen, um ihren Kunden Zugang zu verschiedenen Absatzmärkten zu ermöglichen, sagt Dachser-Vorstandschef Bernhard Simon im Gespräch mit der Fachzeitschrift trans aktuell.

trans aktuell: Herr Simon, haben Sie Ihre Laufschuhe schon mal im Internet bestellt?

Simon: Nein, das habe ich nicht. Ich lege immer noch besonderen Wert auf die persönliche Beratung in meinem angestammten Laufschuhgeschäft. Wenn man dort dann auch noch Freunde trifft, ist das schon etwas anderes, als emotionslos im Internet auf einen Knopf zu drücken.

Also keine Schwäche fürs Shoppen im Netz?

Alltägliche Artikel bestelle ich auch im Internet und schätze die damit verbundene Schnelligkeit. Aber wenn es um das Einkaufserlebnis geht und mir die Beratung wichtig ist, gehe ich weiterhin gerne in die belebte Innenstadt.

Welche Rolle spielt der Online-Handel für Dachser?

Der E-Commerce ist vor allem für die Kep-Dienstleister ein riesiges Thema, wir sind davon nicht ganz so stark betroffen. E-Commerce für große und schwere Güter benötigt auch eine ganz andere Logistik, als im Kep-Bereich. Erst langsam erkennt die Branche, was das bedeutet. Die Kosten, die dabei verursacht werden, sind aber nicht ganz so trivial. Es ist eben etwas anderes, mit einem Hebebühnenfahrzeug eine Palette zuzustellen oder von Hand einen Karton vor die Haustüre zu legen.

Dachser ist stark in der Logistik für Baumärkte. Gibt es den Wunsch, dass das Gartenhaus nicht mehr nur in den Handel, sondern mitunter auch direkt zum Endkunden soll?

Das Gartenhaus kann im One-Way-Milkrun schon mal mitgenommen werden. Es ist aber nicht gerade das ideale Gut für unsere Stückgutnetze, da es komplett andere Gesetzmäßigkeiten des Transportablaufs erfordert. Wir müssen schon darauf achten, dass die Güter auch systemfähig sind und über unser Netz gehen können. Bereits der Absender muss seine Empfänger darauf hinweisen, dass es sich nicht um eine Paketzustellung handelt, damit sie sich darauf einstellen können. Wir wiederum müssen uns bei B2C-Sendungen intensiv mit folgenden Fragen befassen: Was bedeutet "Abtragen" oder "Frei Bordsteinkante"? Was bedeuten der Umgang mit Paletten oder Verpackungsmaterial?

Inwieweit hat Dachser diese Fragen schon beantwortet?

Wir haben diese Themen schon gut im Griff. Die Abläufe sind aber andere. Ein industriell laufendes System verträgt solche Besonderheiten nur bedingt. Es muss einem bewusst sein, dass es dazu ganz besondere Vorkehrungen braucht und der Auftraggeber die zusätzlichen Kosten tragen muss. Jede B2C-Sendung ist wesentlich teurer als eine klassische B2B-Lösung. 

Welche Quote an B2C-Lösungen lässt Dachser maximal in seinem Stückgutnetzwerk zu?

Die Quote liegt im einstelligen Prozentbereich. Aktuell sind es nicht mal fünf Prozent. Es gibt dazu ein entsprechendes Produkt, das targo on-site heißt. Je nach Kundenwunsch gibt es unterschiedliche Services bis hin zum Zwei-Mann-Handling. Diese Angebote sind erforderlich zur Abrundung unseres gesamten Leistungsportfolios. Wir haben auch gelernt, dass es im B2C-Bereich nicht reicht, nur bis an die Bordsteinkante zu liefern. Es gibt immer wieder Sendungen, die hoch ins Wohnhaus befördert werden müssen.

Wie häufig ist das der Fall?

Das trifft zwar nur auf maximal ein Prozent der Sendungen zu. Doch wenn man sich der Sache nicht stellt, hat man als Logistikdienstleister eben auch keinen Zugang zu den anderen Multi-und Omni-Channel-Absatzmöglichkeiten seiner Auftraggeber. Unsere Kunden müssen die Möglichkeit haben, sowohl B2B zu verkaufen als auch B2C zu vertreiben. Sonst haben sie nicht die Chance, sich auch auf allen Wegen interessant zu machen. Wir wiederum müssen in der Lage sein, diese Anforderungen umzusetzen. Der Anbieter von Möbeln und Wohn-Accessoires, Kare, ist einer der Kunden, für den wir bereits umfangreiche Omnichannel-Lösungen anbieten.

Die Produktfamilie

  • Für das Endkundengeschäft hat Dachser die Produktfamilie targo on-site geschaffen. Sie umfasst die Anlieferung von Sendungen bis zur Bordsteinkarte.
  • Auf Wunsch liefert der Fahrer (im weiterführenden Angebot) targo on-site plus die Sendung auch ins Haus, auch abends oder am Samstag. Eine Mitnahme der Transportverpackung ist ebenfalls möglich.
  • Ein zusätzlicher Service (targo on-site premium) bezieht sich auf Sendungen bis 100 Kilogramm, die eine Zwei-Mann-Zustellung erfordern.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

Datum

12. April 2017
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