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Logistik 4.0 ist Realität

Hubertus Kobernuss, Vorsitzender von Transfrigoroute, über den digitalen Alltag der Transportbranche

trans aktuell: Herr Kobernuss, als Transporteur und Vorsitzender von Transfrigoroute sind Sie mit den Herausforderungen des Lebensmitteltransports vertraut. Inwieweit hat sich das Geschäft verändert?

Kobernuss: Das Produktportfolio ist größer geworden und die Temperatursensibilität hat sich erhöht. Gleichzeitig sind die Sendungsgrößen geschrumpft. Auch die Anforderungen an den Mitarbeiter sind im Vergleich zu früher gestiegen. Ihm wird heute mehr Wissen abverlangt. Darüber hinaus  ist die Überwachung von Fahrzeug und Waren intensiver geworden, weshalb sich auch der Datenverkehr vervielfacht hat. Die Echtzeitdatenübermittlung ist inzwischen Standard geworden.

Ist der Begriff Logistik 4.0 heute noch Zukunftsmusik?

Der Ansatz ist meiner Meinung nach im Grunde bereits zur Hälfte erledigt. Unsere Kunden wissen heute wo sich ihre Ware in der Transportkette befindet und in welchem Zustand sie ist. Das sind ganz normale Informationen, die wir und unser Kunde in Echtzeit bekommen. IT-gestützte Auftragsübermittlung und Rücksendung der erledigten Aufträge mit ergänzenden Daten aus der Lieferkette gehören ebenso zum Standard wie Zeitfensterbuchungssysteme im Netz.

Welche Ansätze davon gehören heute zur täglichen Praxis?

Zum Beispiel Auftragsübermittlung und Rücksendung der ab­gearbeiteten Daten mit papierloser Rechnung respektive Gutschrift, aber auch Temperatur Überwachungsprotokolle und vieles andere mehr.

Welche digitalen Lösungen würden Sie sich für Ihre Branche wünschen?

Das wäre zum Beispiel eine KI-gestützte Disposition der Fahrzeuge mit Anbindung an alle Zeitfenstermanagementsysteme.

Welche aktuellen, technischen Entwicklungen halten Sie für verzichtbar?

Ich glaube nicht, dass es in dem Bereich der Logistik sinnlose technische Entwicklungen gibt, aber die heutigen Zeitfenstermanagementsysteme sind eindimensional und damit die Ursache von Gesetzesverstößen gegen das deutsche Arbeitszeitgesetz und die EU-
Sozialvorschriften. Darauf kann ich gut verzichten.

Mit Blick auf die Nutzfahrzeug-Service-Landschaft hat die Digitalisierung bereits Einzug gehalten. Welchen Service halten Sie für empfehlenswert?

Hierzu gehört für mich der präventive Service – wenn er denn in Zusammenarbeit mit der Fahrzeugdisposition erfolgt und nicht stur nach dem Bordcomputer.

Und welche Leistungen vermissen Sie?

Momentan keine, ich möchte nur, dass die Versprechen zu den oben genannten Leistungen auch kundenorientiert abgearbeitet werden. Da der Zeitdruck in der Transportlogistik immens hoch ist, müssen die Standzeiten der Fahrzeuge entsprechend gering und planbar sein.

Gibt es präventive Maßnahmen, die die Kobernuss Spedition & Logistik in Anspruch nimmt, und welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?

Ja, wir machen Fleetchecks bei Reifen, Fahrzeugtechnik und Spezialequipment. Teilweise sind die Checks gesetzlich vorgeschrieben, teilweise aber unserem hohen Anspruch geschuldet. Unsere Vertragswerkstätten arbeiten grundsätzlich sehr partnerschaftlich und kooperativ mit uns zusammen. Manchmal hapert es an Kleinig­keiten wie der Ersatzteilbe­vor­ratung, der Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal oder einfach nur einer überfüllten Werkstatt. Überwiegend aber klappt es sehr gut.

Welchen Stellenwert messen Sie einem präventiven Reifenservice im Tagesgeschäft bei?

Regelmäßige Reifenchecks in teilweise sehr kurzen Abständen haben bei uns zu einer erheblichen Reduzierung von Platzern und mobilen Instandsetzungen geführt. Somit hat sich der präventive Reifenservice bezahlt gemacht.


Zur Person

  • Hubertus Kobernuss ist seit 1980 Inhaber der Spedition Jürgen Kobernuss
  • zudem Präsident des Verbands für temperaturgeführte Transportlogistik und der Kühlfahrzeug­industrie Transfrigoroute Deutschland, stellver­tretender Vorsitzender der Fachvereinigung Güterkraftverkehr & Logistik (GVN), Vorsitzender im Ausschuss Verkehrs­sicherheit und Umweltschutz im Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) sowie Vorsitzender des Verkehrsausschusses IHK Lüneburg-Wolfsburg

Knut Zimmer

Autor

Datum

27. Oktober 2017
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