Kamag E-Wiesel 4 Bilder Zoom
Foto: Thomas Rosenberger

Automatisierung

Uzin Utz erprobt autonomes Paletten-Shuttle von Kamag

Das erste autonome und zugleich rein elektrisch angetriebene Umsetzfahrzeug absolviert die Kundenerprobung bei Uzin Utz in Ulm. Das Fahrzeug kommt vom Spezialisten Kamag.

Alle Welt redet vom schnittstellenfreien Transport beziehungsweise „Seamless Transport“. Beim Spezialisten für Bodensysteme Uzin Utz ist dieser am Werk in Ulm bereits ein gutes Stück weit Realität. Hier rollen die Paletten nicht nur vollständig automatisiert durch den Warenausgang, sondern von dort aus auch automatisch ins sogenannte E-Wiesel AGV und weiter ins Lager. Das liegt 200 Meter vom Warenausgang der Produktion entfernt. Mit Schrittgeschwindigkeit bewegt sich das autonome Fahrzeug dazu übers Gelände – bis zu 50 Mal pro Tag. Der Rundlauf zwischen Produktion und Lager funktioniere einwandfrei, sagt Uwe Ritter, bei Uzin Utz Leiter Betrieb und Logistik. Seit 2016 läuft dort der Testbetrieb mit dem automatisierten Umsetzfahrzeug aus der Wiesel-Baureihe.

Frische Energie gibt’s an der Laderampe

Das E-Wiesel AGV stammt vom Spezialisten Kamag und basiert auf der Plattform des herkömmlichen Wiesel, nur dass die bekannte Mercedes-Atego-Kabine fehlt. Ein Fahrer ist hierfür nicht mehr nötig. AGV steht für Automatic Guided Vehicle. Das "E" wiederum weist daraufhin, dass es vollständig elektrifiziert ist. Der ans Getriebe angeflanschte E-Motor treibt per Kardanwelle die Hinterachse des "Hofhundes" an – ganz ohne Emissionen. "Getankt" wird an der Steckdose – und zwar Strom vollständig aus Wasserkraft. Immer dann, wenn das Fahrzeug an der Rampe steht, verbindet es sich über einen fünfpoligen Stecker mit der Ladestation und zapft frische Energie.

Der Dieselmotor passt nicht mehr in die Zeit

"Die elektrischen Shuttles sind Teil des Nachhaltigkeitskonzepts von Uzin Utz", erklärt der Bereichsleiter. Deswegen schickte das Unternehmen auch die Vorläufer der beiden E-AGV in Rente. Uzin Utz arbeitet schon – man höre und staune – seit 15 Jahren mit fahrerlosen Umsetzfahrzeugen. Auf Basis des Mercedes Actros startete das Unternehmen 2002 einen Pilotbetrieb. Denn man war der Auffassung, dass es nicht zumutbar für einen menschlichen Fahrer ist, mit Schritttempo immer wieder die kurze Strecke abzufahren. Der Actros hangelten sich entlang eines Fahrdrahts im Boden über das Betriebsgelände – und das bis zur Außerdienststellung ohne gravierende Probleme. Die verdiente Rente verdankt der Senior seinem Dieselantrieb. Der passte nicht mehr in die Zeit, erklärt Ritter. So begann die Suche nach einer zeitgemäßen, emissionslosen Antriebslösung, die bei Kamag endete.

Nachfrage nach Wiesel wächst ständig

Dort erfreut sich das Umsetzfahrzeug Wiesel einer immer größeren Nachfrage, erzählt Vertriebsmann Peter Brenner. Die Produktion von Umsetzfahrzeugen hat bei Kamag jahrzehntelange Tradition. Ein Hybrid-Wiesel gehört seit 2013 zum Programm, die E-Variante folgte 2015, das E-Wiesel AGV 2016. Zwischen 2004 und 2011 fertigte Kamag pro Jahr 74 Wiesel. Zwischen 2011 und 2015 wuchs deren Zahl auf 115 pro Jahr. 2016 dann waren es 129, im laufenden Jahr befinden sich bereits 135 Wiesel jedweder Machart in den Auftragsbüchern. "Das autonome Fahren wird dazu beitragen, dass die Nachfrage weiter steigt", verspricht Brenner. Es sei die Antwort auf stupide Aufgaben und die Unfallgefahr auf dem Betriebsgelände. 

16.000 Liter Diesel pro Jahr gespart

Weil die Wiesel-Baureihe höchst individuelle Modelle umfasst, ist es schwierig einen Preis zu nennen. Die Produktwelt beginnt laut Brenner bei 140.000 Euro für eine konventionell betriebene Ausführung. Je nach Ausführung des Fahrzeugs kann der Preis um einiges in die Höhe klettern. Trotzdem rechne sich das Wiesel je nach Ausführung nach zwischen drei und fünf Jahren. Laut Brenner ist seine Haltbarkeit auf mindestens zehn Jahre ausgelegt. Uzin Utz etwa spart nach eigenen Angaben mit dem E-AGV 16.000 Liter Diesel oder 42 Tonnen CO2 pro Jahr. Ebenso entfällt das Fahrergehalt.

E-Motor für Fahrantrieb und einer für den Betrieb der Hydraulik

Die Variante von Uzin Utz ist freilich keine Stangenware. Das Wiesel vereint neben der vollständigen Elektrifizierung und Automatisierung einige weitere Sonderlösungen wie den hydraulisch betätigten Hubtisch, um Rampen in drei Höhen ansteuern zu können. Ein zusätzlich zum Fahrantrieb verbauter, 20 kW starker E-Motor versorgt die Hydraulik. Hinzu kommt das Kettenfördersystem im Koffer, der sich von beiden Seiten beladen lässt, um Wendenmanöver zu vermeiden. Über Lichtschranken im Aufbau erkennt das System, wann alle Paletten im Laderaum stehen und sich die Rolltore schließen können. Ein weiterer technischer Kniff sind die ausgeschäumten Continental-Reifen – ähnlich wie bei einem Flurförderfahrzeug. Ein Nagel im Pneu darf schließlich nicht zum Ausfall des Fahrzeugs führen. Außerdem müsste das System etwa über ein Reifendruck-Kontrollsystem oder Veränderungen im Fahrverhalten in der Lage sein, überhaupt erst den Luftverlust zu erkennen.

Dieser Inhalt ist exklusiv für unsere Digital-Abonnenten

Melden Sie sich an und prüfen Sie, ob Ihre Abonummer in Ihrem Profil hinterlegt ist. Wenn Sie Abonnent sind, aber noch kein Profil haben, können Sie sich hier registrieren. Weitere Informationen zu Registrierung und Anmeldung finden Sie hier.

› Jetzt anmelden

Sie haben noch kein Digital-Abo? Angebote und Informationen zu unseren Titeln und den Digital-Abos erhalten Sie in unserem Shop.

› Jetzt informieren
Thomas Rosenberger lastauto omnibus Chefredakteur

Autor

Datum

31. Juli 2017
5 4 3 2 1 0 5 0
Kommentare
Kostenloser Newsletter
Newsletter Small

+++ Tests +++
+++ News +++

Und immer bequem und kostenlos per E-Mail.