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Foto: Bodan

Alternative Antriebe und Kraftstoffe

Bodan stellt auf regenerative Energien um

Ob CNG, LNG oder Elektro-Hybrid - der Naturkost-Großhandel Bodan sammelt in seinem Werkverkehr umfangreiche Erfahrungen mit alternativen Antrieben. Zusätzlich baut er auf alternative Kraftstoffe und alternative Kühlmittel. Darin sieht das Unternehmen aus Überlingen die entscheidenden Stellschrauben, um die Abkehr von fossilen Energieträgern bis spätestens 2020 zu schaffen.

Boskop, Elstar und Jonagold fühlen sich dort wohl. Wie Millionen von Touristen jährlich schätzen auch viele beliebte Apfelsorten die Region und das Klima am Bodensee. Doch darf man die Landwirtschaft rund um das Binnengewässer nicht auf das Exportgut Äpfel reduzieren. Von A wie Ackersalat bis Z wie Zwiebel reicht das Spektrum.

Mehr als zehn Prozent der Rohwaren bei Bodan aus der Region

Entsprechend groß ist auch die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe. Viele von ihnen haben sich einem biologischen Anbau verschrieben. Ihre Erzeugnisse in die Läden zu bringen, hat sich der Naturkost-Großhandel Bodan aus Überlingen zur Aufgabe gemacht. Aufgrund der Dichte an Bio­höfen rund um den Bodensee kann das Unternehmen mehr als zehn Prozent seiner Rohwaren aus der Region beziehen, weitere gut 15 Prozent stammen aus anderen Teilen Baden-Württembergs und Bayerns, der Rest aus Deutschland und der Welt. Tropenfrüchte wie Bananen und Mangos wachsen nun mal nicht in der Region. Insgesamt sind es ein paar Hundert Lieferanten, bei denen der 1987 gegründete Großhändler Bodan, der rund 200 Mitarbeiter beschäftigt, seine Ware bezieht.

"Maxime eins lautet: so regional wie möglich. Maxime zwei lautet: nach Möglichkeit Premium-Bio", erläutert Geschäftsführer Dieter Hallerbach die Beschaffungs-Philosophie seines Hauses. Premium-Bio bedeutet, dass für Boden- und Tierschutz besonders hohe Anforderungen gelten. In Hallerbachs Zuständigkeit fällt die Logistik bei Bodan. Der 53-Jährige versucht, mit gutem Beispiel voranzugehen, indem er Wert auf eine bewusste und biologische Ernährung legt. Dass man sich mit Biokost vielseitig und ausgewogen ernähren kann, zeigt ein Blick in das Bodan-Sortiment: 12.000 Artikel sind auf Lager, einige Tausend weitere bestellbar.

Bodan hat auch Drogerie- und Hygieneartikel im Sortiment

Darunter sind aber nicht nur Lebensmittel, weil der Großhändler als Vollsortimenter agiert und zum Beispiel auch Drogerie- und Hygieneartikel anbietet. Doch überwiegt der Frischebereich, der mehr als die Hälfte des Umsatzes ausmacht. Rund 550 Verkaufsstellen in Süddeutschland beziehen ihre Ware bei Bodan – alles selbstständige Bioläden, also keine Filialen großer Ketten. Mit dieser Ausrichtung und diesem Sortiment betrachtet sich Bodan in Mittel- und Süddeutschland als führender Bio-Großhändler.

Dekarbonisierung bis zum Jahr 2020 ist das Ziel

Das Streben nach Nachhaltigkeit soll aber nicht an der Rampe enden, sondern die komplette Logistik einbeziehen. "Wir wollen nicht bloß dafür sorgen, dass Bio im Einkaufskorb liegt, sondern auch dafür, dass diese Bio-Ware umweltschonend dorthin gelangt", sagt Hallerbach. Darauf hat er direkten Einfluss, weil Bodan dank eigener Flotte die Transportlogistik selbst in der Hand hat. 2010 hat das Unternehmen einen Prozess angestoßen, der eine Dekarbonisierung in der Logistik bis zum Jahr 2020 zum Ziel hat – also eine vollständige Abkehr von fossilen Energieträgern. Für dieses Engagement hat der Tankkartendienstleister DKV Euro-Service Bodan im Frühjahr 2017 bereits mit dem Eco Performance Award ausgezeichnet.

Dass das Zieljahr 2020 nun mit großen Schritten näher rückt, macht Hallerbach aber keine Angst. "Ich sehe die Umsetzung unserer Ziele nicht als problematisch an", sagt der Logistik-Verantwortliche. "Wir schaffen das vorher." Die Hebel für den eigenen Fuhrpark, der 23 ziehende Einheiten umfasst, ist die richtige Wahl des Kraftstoffs und Antriebs.

Fünf Fahrzeuge bei Bodan mit alternativen Antrieben

Zurzeit fünf Fahrzeuge sind mit alternativen Antrieben unterwegs. Zwei Scania-Lkw laufen mit Erdgas, das aus Biogas erzeugt wird. Bodan stellt dafür seine Abfälle zur Verfügung, aufgetankt wird an der ortsansässigen Hem-Tankstelle. Zwei weitere Scania-Fahrzeuge verfügen über Hybrid-Antriebe, können also die letzten Kilometer zur Verkaufsstelle rein elektrisch rollen. Ein weiterer Innovationsträger stammt von Iveco und wird mit dem flüssigen Erdgas LNG angetrieben. Zum Tanken muss der Sattelzug zur Liqvis-Tankstelle in Ulm. Diese Stopps werden in der Disposition eingeplant – sind bei Reichweiten von 1.200 Kilometern laut Hallerbach aber kein Problem.

Dem 400-PS-Lkw würde er gerne eine höhere Motorisierung spendieren und sieht daher mit Interesse, dass es bei Iveco neuerdings auch eine LNG-Variante mit 460 PS gibt. Wünschen würde sich Hallerbach auch eine rasche Verabschiedung des angekündigten Förderprogramms für Gas-Lkw durch die Bundesregierung. Die Mehrkosten für Gasfahrzeuge seien beträchtlich. Als Hausnummer gibt der Bodan-Geschäftsführer einen Aufschlag von rund 50.000 Euro gegenüber einem konventionell angetrieben Fahrzeug an.
Hallerbachs Augenmerk richtet sich aber nicht nur auf den Antrieb des Fahrzeugs. Auch das Kühlaggregat benötigt Energie, die nach Bodan-Vorstellung aus regenerativen Quellen stammen soll. Das Unternehmen geht hier als einer der Pilotkunden von Thermoking neue Wege, indem es eine CO2-basierte Kühlung einsetzt, die bei Thermoking als Cryotec firmiert. Das CO2 stammt aus natürlichen Kohlensäurequellen in der Vulkaneifel und einer Mine­ral­was­ser­quelle bei Rottenburg. "Die Kühlung funktioniert absolut unproblematisch", bilanziert Hal­ler­bach. Seit 2013 habe man acht Verteilerfahrzeuge umgerüstet, die nächsten folgen sukzessive.

Alle Fahrzeuge tanken alternativen Kraftstoff HVO

Doch was ist mit den 18 verbleibenden Lkw, die noch mit konventionellem Antrieb unterwegs sind? Hier lautet die Zauberformel bei Bodan: HVO. Die Abkürzung steht für Hydrogenated Vegetable Oils. Statt Diesel tanken die Fahrzeuge einen Kraftstoff, der aus hydrierten Produktionsabfällen und Pflanzenölen gewonnen wird. Die Tankstelle steht auf dem Betriebshof von Bodan und fasst 30.000 Liter – was dem wöchentlichen Tankbedarf entspricht. Der Vertrieb erfolgt durch das Unternehmen Tool Fuel aus Hamburg, das Bodan beliefert und dem Biosprit den Markennamen C.A.R.E verpasst hat. "Brennverhalten und Leistung sind sogar etwas besser als bei normalem Diesel", erläutert Logistik-Chef Dieter Hallerbach. Der Einkaufspreis sei vielleicht etwas höher, der Adblue-Verbrauch im Gegenzug etwas geringer.

Unterschiedliche Antriebe für unterschiedliche Aufgaben

Welche Technologie sich am Ende in der Bodan-Flotte durchsetzen wird, ist noch nicht absehbar. Sofern es überhaupt den einen Antrieb der Zukunft gibt. Daran hat Hallerbach seine Zweifel. "Ich gehe davon aus, dass es unterschiedliche Antriebsarten für unterschiedliche Einsatzzwecke geben wird", prognostiziert er. Die Brennstoffzelle kann er sich langfristig im Fernverkehr vorstellen, das reine Elektrofahrzeug auf der Kurzstrecke.
Ein Mix im Fuhrpark wäre ja auch nicht störend. Er würde zu dem Sortiment passen, das ebenfalls denkbar breit ist. Es gibt schließlich nicht nur eine Obst- und Gemüsesorte am Bodensee. Man muss auch kein Agrarwissenschaftler sein, um zu wissen, dass Monokulturen schädlich sind. Die Vielfalt macht’s – im Anbau wie im Fuhrpark.

Folgende alternative Antriebe und Kraftstoffe erprobt Bodan in der Flotte

Fahrzeuge

  • 2 Hybrid-Lkw von Scania (G-Baureihe, 320 PS)
  • 1 LNG-Lkw von Iveco (Natural Power, 400 PS)
  •  2 CNG-Lkw von Scania (G-Baureihe, 320 PS)

Kühlaggregate

  • 8 Aggregate mit CO2-Kühlung (Cryotec-Technologie) von Thermoking

Kraftstoffe

  • Einsatz von Hydrogenated Vegetable Oils (HVO). Tool Fuel ist der Lieferant des Kraftstoffs (Markenname: C.A.R.E), der aus hydrierten Produktionsabfällen und Pflanzenölen gewonnen wird

Das Unternehmen

  • Der 1987 gegründete Naturkost-Großhändler Bodan aus Überlingen beschäftigt rund 200 Mitarbeiter und bietet ausschließlich Bioprodukte an. Damit versorgt er rund 550 Verkaufsstellen in Süddeutschland. Der Umsatz im Jahr 2016 lag bei 72 Millionen Euro.
  • Bodan legt Wert auf Regionalität und auf hochwertige Bio-Ware – die im Idealfall den Standard der Anbauverbände Demeter, Bioland oder Naturland erfüllt.
  • Die Logistik erfolgt mit der eigenen Flotte, die 23 ziehende Einheiten nahezu aller Fabrikate umfasst.
  • Am Standort Überlingen betreibt Bodan ein 9.000 Quadrat­meter großes Lager mit unterschiedlichen Tempe­ra­tur­zonen, weitere Umschlaglager befinden sich in Garching bei München und Möglingen bei Ludwigsburg.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

Datum

26. Januar 2018
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