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Foto: Bruno Lukas

Alternative Antriebe

Umweltschonende Fuhrparktechnologie bei Bodan

Beim Forum Grüne Logistik bei dem Naturkostgroßhändler Bodan in Überlingen standen Lkw-Antriebe mit CNG und LNG im Fokus.

Welche Einsatzmöglichkeiten gibt es für Gas und E-Mobilität in Transport und Logistik? Um diese Fragen ging es kürzlich beim Forum Grüne Logistik bei Bodan in Überlingen. Das Unternehmen ist ein Großhändler für Hof- und Naturkostläden und versorgt mehr als 550 Verkaufsstellen in Süddeutschland und darüber hinaus mit über 12.000 Artikeln. Da der Warentransport den weitaus größten Teil des CO2-Ausstoßes verursacht, investiert das Unternehmen fortlaufend in umweltschonende Fuhrparktechnologien. "Bis zum Jahr 2020 möchte Bodan die Treibhausgas-Emissionen des Fuhrparks aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe auf 0 Prozent reduzieren", betonte Geschäftsführer Dieter Hallerbach.

Biomethan aus Abfall

Um dieses Ziel zu erreichen, setzt Bodan auf eine CO2-basierte Transportkühlung, auf Hybrid-Lkw, alternative Kraftstoffe sowie Gas-Lkw. "Kein anderer Kraftstoff hat aktuell eine bessere CO2-Bilanz als LNG oder CNG", erklärte Hallerbach. Betankt werden die CNG-Lkw von Bodan hauptsächlich aus Biomethan, das aus 100 Prozent Abfall- und Reststoffen gewonnen wird, unter anderem aus hauseigenen Obst- und Gemüseabfällen und Speiseresten. Mario Männlein von Iveco Magirus erklärte in Überlingen: "Wenn wir weniger CO2 emittieren wollen, muss ein möglichst großer Anteil von Biokraftstoff in dem Fahrzeug verfeuert werden." Als Beispiel nannte Männlein rein fossiles Erdgas, das sauber und vor allem rußfrei verbrennt.

Wichtig zu wissen: Erdgas kann bekanntlich auf zwei Arten am Lkw mitgeführt werden. Entweder durch Druck komprimiert (CNG) oder verflüssigt bei minus 130 Grad (LNG). Momentan ist CNG in Deutschland an 868 Tankstellen erhältlich. In dieser Disziplin war man bereits mal weiter: "Es gab schon mal mehr als 1.000 CNG-Tankstellen", merkte Stefan Ziegert von Scania Deutschland an. Die Reichweiten differieren bei CNG und LNG jedoch. Mit CNG kommt ein 40-Tonnen-Lkw heute bereits 570 bis 600 Kilometer weit. Bei LNG steigt die Reichweite auf 1.600 Kilometer. Jürgen Bernhardt, Produkt Manager Volvo Trucks Deutschland, stellte fest: "LNG ist die Antwort von Volvo Trucks für größere Strecken im Fernverkehr." Selbst bei der Verbrennung von fossilem Erdgas werde 20 Prozent weniger CO2 emittiert als bei Dieselkraftstoff, und das für die gleiche energetische Leistung, betonte Bernhardt. Dies sei der "eingebaute Umweltschutz im Erdgas". Zudem sinkt der Stickoxidausstoß bei CNG oder LNG um rund 50 Prozent verglichen mit Dieselmotoren.

Identische Leistung

Der Preis von LNG liegt rund 30 Prozent unter dem von Dieselkraftstoff, betonte Bernhardt. Doch gebe es bundesweit momentan nur zwei Tankstellen. Bernhardt appellierte an die Politik, den Ausbau voranzutreiben. Das Potenzial sei groß. Denn: "Erdgas wird weltweit noch sehr lange verfügbar sein." Lkw mit LNG arbeiten bei Volvo Trucks nach dem Dieselprinzip. Das heißt, die Leistungsdaten der Gas-Lkw sind identisch mit denen der Diesel-Lkw. Der Spediteur kann also die gleiche Transportleistung und -geschwindigkeit erwarten. Auch die Fahrer müssen sich nicht umstellen. Denn die Gas-Lkw haben die gleiche Leistungsfähigkeit und das gleiche Fahrverhalten wie beim Diesel-Lkw. "Alles, was der Fahrer einmal über kraftstoffsparendes Fahren gelernt hat, kann er 1 : 1 auf LNG übertragen", führte Bernhardt aus.

Die Referenten stimmten darin überein, dass vollelektrische Lkw vor allem für den Verteilerverkehr und die Entsorgungswirtschaft geeignet sind, etwa Müllsammelfahrzeuge. Für weitere Strecken hält Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann Hybrid-Lkw mit Oberleitungen für wegweisend. Bei dem Forum verwies auf das Pilotprojekt "eWayBW" an der B 462. Zugleich appellierte er an die Lkw-Hersteller, die Entwicklung der E-Mobilität bei Lkw entschlossen voranzutreiben. Noch vor Jahren habe er von einem namhaften Lkw-Hersteller gehört, E-Mobilität und Lkw passten nicht zusammen. "Wenn Carl und Berta Benz so zögerlich gewesen wären, hätten wir heute noch kein einziges Fahrzeug auf der Straße", kritisierte der Verkehrsminister.

Alles über alternative Antriebe

trans aktuell-Symposium zu Elektro- und Gas-Lkw am 20. Juni bei Bodan in Überlingen

Alternative Antriebe sind im Kommen. Doch welche Antriebstechnologien bieten sich konkret an und welche Fördermittel gibt es? Bei einem trans aktuell-Symposium am 20. Juni beim Naturkostgroßhandel Bodan in Überlingen erfahren Interessierte aus Spedition und Werkverkehr alles, was sie für einen Umstieg wissen müssen. Praktiker aus der verladenden Wirtschaft und der Logistik erläutern, wie sich Fahrzeuge mit alternativen Antrieben bei ihnen bewähren und welche weiteren Pläne sie haben. Ebenso geht es unter anderem um Fördertöpfe für Elektro- und Gasfahrzeuge, alternative Antriebe für Transportlogistiker und wie sich solche Antriebe finanziell rechnen. Mehr Informationen und Anmeldung: www.etm.de/tasymposien.

Ralf Lanzinger

Autor

Datum

6. Juni 2018
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