Abenteuer Sizilien 13 Bilder Zoom
Foto: Felix Jacoby

Abenteuer Sizilien

Im tiefsten Süden

Sizilien ist eine prächtige Insel, die zwar zu Europa gehört, aber auch ihre ganz eigenen Gesetzmäßigkeiten hat.

Wenn man mit dem Lkw auf Sizilien von der Polizei oder der noch schärferen Carabinieri kontrolliert wird und sich dabei auf europäische Regelungen beruft, kann es sein, dass man damit nicht wirklich ernst genommen wird. "Wir sind hier auf Sizilien!", heißt es dann, "Wir regeln das auf unsere Art!" Die Insel hat in ihrer Geschichte eine Fremdherrschaft nach der anderen erlebt, deswegen hält sich die Neigung, sich von Auswärtigen etwas vorschreiben zu lassen, in engen Grenzen.

Nirgendwo in Europa wird so wild und improvisiert gefahren

In den Hafenstädten Siziliens legen die Fähren vom Festland mitten im Zentrum an. Von dort muss man sich erst mal mühsam durch den oft chaotischen Verkehr kämpfen. Nirgendwo sonst in Europa wird so wild und improvisiert gefahren. Es wird gedrängt, gedrückt und gehupt. Viele Schilder und sogar Ampeln scheinen eher dekorativen als praktischen Nutzen zu haben. Auch Haltelinien, durchgezogene Striche, Sonntagsfahrverbot und Stoppzeichen werden nicht wirklich ernst genommen. Am wildesten ist das Verkehrsgetümmel in Siziliens Hauptstadt Palermo, die mit einigen Vororten rund eine Million Einwohner hat. Man muss hinter dem Lkw-Lenkrad ständig aufpassen wie ein Luchs, dass sich niemand in den toten Winkel schiebt. Dem Kärntner Lkw-Fahrer Andreas Mandl, einem Sizilienspezialisten, der uns bei dieser Geschichte sehr geholfen hat, ist kürzlich sogar ein Fußgänger unter die Stoßstange geraten, ein guter Instinkt hat ihn gerade noch rechtzeitig stoppen lassen.

Und mit der Polizei hier will man nicht wirklich Ärger haben. Das ist schwierig, weil die Toleranz der Ordnungshüter schwer einzuschätzen ist. Formell darf man mit dem Lkw auf den Inselautobahnen nur 70 km/h fahren, in der Praxis scheint das kaum jemanden zu stören. Auch die Benutzung von eigentlich für Lkw gesperrte Straßen wird teilweise locker gehandhabt. Wenn man Kontrolle oder Probleme hat, helfen Freundlichkeit, ein paar Fetzen Italienisch und der Hinweis auf zahlreiche eigene Kinder zu Hause.

Wie weit die EU von hier weg ist, zeigt sich bei der Fahrt von der Nordküste durch das Landesinnere Richtung Catania. Die SS-Straßen (strada statale, immerhin die höchste Kategorie) sind größtenteils in einem verheerenden Zustand, viel zu eng, wellig, oft abgesunken und wild geflickt. Dazu kommen Auswaschungen von schweren Regenfällen. Bis vor Kurzem war sogar die durch das Landesinnere führende Autobahn Catania–Palermo ein Jahr gesperrt, weil ein Erdrutsch eine der Brücken zum Einsturz gebracht hatte.

Catania mit ganz besonderem Reiz

Die Orientierung auf der Insel ist dennoch kein Problem, denn selten trifft man ein so gastfreundliches und hilfsbereites Volk wie die Sizilianer. Viele sprechen etwas Deutsch oder Englisch, aber selbst mit Händen und Füßen kann man sich mit den gestenreichen Südländlern noch irgendwie verständigen. Und wer das besondere Glück hat, von Einheimischen zum Abendessen eingeladen zu werden, erlebt wunderbare Geselligkeit.
Die Ostküste wird geprägt vom beeindruckenden Vulkan Ätna, dessen Krater über 3.300 Meter hoch ist und austetig Erdwärme verraucht und verdampft. Wenn man per Schiff von oder nach Catania fährt, kann man vom Hafen ins Zentrum laufen. Besonders im Dunkeln strahlt die Stadt mit ihren fantastischen Baudenkmälern einen ganz besonderen Reiz aus. Im Hinterland  gibt es die größten Industriegebiete der Stadt. Leider sieht man hier auch viele hässliche illegale Müllhalden, deren Anblick auf große Probleme der Insel bei ihrer Selbstverwaltung hinweist.

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Dieser Artikel stammt aus Heft FERNFAHRER 01/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.

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Datum

4. Januar 2016
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