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Blauer Korridor im Aufbau

Liqvis will Zahl der LNG-Tankstellen erhöhen

Foto: Julian Hoffmann

Der Infrastrukturanbieter Liqvis, eine Tochter des Energieunternehmens Uniper, will bis Ende 2020 allein in Deutschland mindestens acht LNG-Tankstellen betreiben.

Alternative Antriebe sind auf dem Vormarsch. Weil sich viele für den Fernverkehr-Lkw keinen Batterieantrieb vorstellen mögen, ist die Akzeptanz von LNG (Liquefied Natural Gas) höher – auch wenn es derzeit noch wenige öffentliche Tankstellen in Deutschland gibt. Der Infrastrukturanbieter Liqvis, eine Tochter des Energieunternehmens Uniper, will dies ändern: Bis Ende 2020 will er allein in Deutschland mindestens acht LNG-Tankstellen im Portfolio haben.

Hamburg, Hannover, Kassel, München, Ulm, Berlin, Köln und in Nordrhein-Westfalen das Kamener Kreuz sollen künftig LNG-Tankstellen aufweisen können. Unterstützt wird diese Expansion durch eine Förderung der EU, die mit insgesamt 9,6 Millionen Euro aus dem Programm „Connecting Europe Facility (CEF) for Transport“ einen LNG-Korridor (LNG Blue Corridor) entlang der europäischen Hauptverkehrsrouten finanzieren will, um LNG als Alternative für den Schwerverkehr zu etablieren. Neben den acht Tankstellen in Deutschland plant Liqvis den Bau von weiteren sechs im europäischen Ausland, zusammen also vierzehn Tankstellen, die bis Ende 2020 stehen sollen.

Derzeit betreibt das Essener Unternehmen bundesweit bereits zwei Tankstellen: beim Fahrzeughersteller Iveco in Ulm und bei dem Logistikdienstleister Ludwig Meyer in Berlin-Grünheide. Letztere ist bislang eine mobile Anlage, die Mitte Oktober durch eine stationäre ersetzt werden soll.

LNG als Diesel-Alternative im Fernverkehr

Liqvis sieht LNG als vollwertige Alternative im Fernverkehr an. „LNG ist nicht nur eine Brückentechnologie für die E-Mobilität, wie viele meinen“, sagt Maik Rensing, Senior Project Manager von Liqvis. Anders als bei E-Lkw gebe es etwa kaum Einschränkungen bei der Reichweite. „Derzeit arbeiten wir noch mit fossilem Erdgas, aber die Perspektive ist, in Zukunft Bio-LNG einzusetzen – aus Biogasanlagen und in Form von Power to Gas aus überschüssiger Windkraft“, ergänzt Adem Atesvom Team Sales & Supply.

Deutlich verringerte Lärmemissionen, weniger Stickoxide, weniger Feinstaub – das sind zum einen die Vorzüge des flüssigen Erdgases. „Und da Diesel immer noch der größte Konkurrent ist, ist der LNG-Preis weiter preiswerter“, sagt Rensing. Im Vergleich zu den Cent-Kosten pro Liter Diesel sei das Kilogramm LNG in der Regel zehn Prozent günstiger.

Voraussetzung für den Bau einer Tankstelle ist ein guter Standort und damit auch die Abnahmemenge. Für eine mobile Tankanlage werden mindestens zehn Lkw pro Tag benötigt, für eine große stationäre Anlage sind 20 bis 30 Fahrzeuge das Minimum. Eine Investition von 1,5 bis 2 Millionen Euro und ein gewisser Kundenstamm sind daher unabdingbar.

Tanken schnell zu lernen

Leichter, als mancher denkt, ist laut Rensing der Tankvorgang. Gleichwohl bietet Liqvis eine gründliche Schulung für die Lkw-Fahrer, um die Umstellung zu erleichtern. „Das Wichtigste ist die Verwendung der persönlichen Schutzausrüstung – für Gefahrgutfahrer ist das kein Problem, andere müssen sich erst daran gewöhnen. Vor allem die Gefahr der Kaltverbrennung ist am größten“, sagt Rensing. Denn um das Volumen zu reduzieren, wird das Gas auf Temperaturen von rund minus 160 Grad heruntergekühlt und somit verflüssigt.

Eine Chance für die schnellere Verbreitung von LNG als Dieselalternative ist die drohende Welle von Fahrverboten in den deutschen Großstädten. Maik Rensing berichtet, dass die Anfragen der Spediteure bereits deutlich konkreter werden. Zudem gebe es auch Signale von Großkonzernen und OEMs, das Thema LNG in der eigenen Werkslogistik zu pushen; ebenso verzeichne Liqvis ein zunehmendes Interesse vonseiten der Zulieferer sowie der Lebensmittel- und Chemieindustrie.

Laut Ates verzeichnet Liqvis seit Beginn der BMVI-Fördermaßnahmen für Fahrzeuge mit verringertem CO2-Ausstoß im Juli einen deutlichen Anstieg der Nachfrage. Einen weiteren Schub erwartet der Anbieter, wenn die Höhe der Lkw-Maut abhängig von den CO2-Emissionen berechnet wird. „Wenn dann noch alle OEMs mitziehen, wird die Durchdringung mit LNG noch schneller vonstattengehen.“

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Jan Bergrath, Experte für Fahrerthemen Jan Bergrath Journalist
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