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Wettlauf der Frachtenbörsen

Digitalisierung auf dem Silbertablett

Wer macht bei den FRahctenbörsen das Rennen? Foto: th-photo - Fotolia; Montage: Monika Haug

Die Zahl an Frachtenbörsen nimmt zu. Doch welcher Anbieter bringt welche Vorteile mit sich? Ein Überblick über ausgewählte Anbieter.

18.07.2018 Carsten Nallinger

Auf die Digitalisierung angesprochen, rümpfen gerade die Verantwortlichen von kleinen, aber auch von mittleren Unternehmen (KMU) die Nase. „Wir haben ganz andere Probleme, beispielsweise den Fahrermangel“, schallt es einem da ein ums andere Mal entgegen. Da bleibe keine Zeit für so etwas. Einen kleinen Schönheitsfehler hat dieser Standpunkt: Die Digitalisierung kann den Fahrermangel, wenn schon nicht beseitigen, dann zumindest abfedern. Besonders deutlich wird das anhand von Frachtenbörsen. Diese tragen nämlich, sozusagen auf dem silbernen Tablett, die Automatisierung in die Transport­unternehmen hinein.

Eine ganze Reihe an Frachtenbörsen locken die Transporteure

Mittlerweile lockt eine ganze Reihe an Anbietern mit entsprechenden Angeboten. Die unangefochtene Nummer eins in Europa ist Timocom. Aber auch Transporeon kann man als eines der Urgesteine in diesem Bereich bezeichnen. In den Markt eingezogen sind aber auch Portale wie Saloodo – in dem Fall ein Start-up aus den Reihen des Logistik­konzerns Deutsche Post DHL. Last, but not least positionieren sich Start-ups wie Loadfox oder Pamyra in diesem Segment. Doch, wer bietet eigentlich was an? Und wo liegen die Stärken der einzelnen Lösungen?

Beim europäischen Marktführer Timocom sprechen zunächst einmal die Zahlen für sich. „Das Alleinstellungsmerkmal von Timocom ist zunächst die Relevanz: Wir haben mit bis zu 750.000 Fracht- und Laderaumangeboten täglich nicht nur die größte Menge an Angeboten, sondern mit mehr als 127.000 aktiven

Nutzern auch so viele User wie kein anderer“, sagt Timocom-Unternehmenssprecher Gunnar Gburek gegenüber trans aktuell. Aus seiner Sicht ist der Fahrermangel aber nur eine von vielen Determinanten, die für die aktuelle Laderaumknappheit verantwortlich sind. Die nach wie vor hohe Nachfrage nach Laderaum sei zu einem großen Teil dem Mengenwachstum auf Verladerseite zu verdanken – etwa aufgrund des boomenden Onlinehandels.

Neutralität des Anbieters ist wichtig

Ganz entscheidend für den Erfolg der Transportplattform sei die Neutralität von Timocom. „Wir sind ein mittelständisches, unabhängiges Unternehmen, das nicht an der Preisgestaltung beteiligt ist oder hiervon profitiert.“ Auf der Habenseite sieht Gburek aber auch die jahrzehntelange Erfahrung, die sich in zahlreichen Sicherheitsfeatures niederschlägt: Angefangen bei der technischen Performance, einer Serververfügbarkeit von 99 Prozent, weiter über die Datensicherheit, zu der unter anderem eine verschlüsselte Übertragung gehört, sowie die Einhaltung von Datenschutzrichtlinien. „Das Ganze geht hin bis zu einem sehr erfolgreichen, außergerichtlichem Inkassobüro“, berichtet Gburek.

Beim Wettbewerber Trans­poreon behält man vor allem die „saisonalen Muster“ im Blick, die sich beständig wiederholen. Aber das mit „zunehmenden Extremen“, wie Jan Rzehak, der bei Transporeon den Bereich Business Consulting verantwortet, zu Protokoll gibt. „Die Situation aus dem Jahr 2017 wiederholt sich – wir steuern erneut auf einen aus logistischer Sicht heißen Herbst zu“, so Rzehak gegenüber trans aktuell.

Um den Auswirkungen der Kapazitätskrise entgegenzuwirken, arbeite Transporeon beständig an neuen Produkten. Prediction (Prognose) nennt sich eines der Ziele. Mittels Big Data und den entsprechenden Algorithmen (Stichworte: maschinelles Lernen/künstliche Intelligenz) sollen immer genauere Vorhersagen möglich werden. Perspektivisch sei aber auch die horizontale Kollaboration zwischen Verladern angedacht, erklärt Rzehak. Mit diesen technischen Neuerungen, sowie dem großen Netzwerk an Verladern und Transporteuren will sich Transporeon „an dem stark umkämpften Markt mit vielen neuen Anbietern, die versuchen, Nischen zu besetzen“, durchsetzen. „Unserer Einschätzung nach gilt das ‚The-winner-takes-it-all-Prinzip‘, also dass sich wenige große Anbieter durchsetzen“, sagt Rzehak. Denn die hätten allein schon aufgrund ihres Angebots die größte Anziehungskraft für die Nutzer. „Wir gehen jedenfalls davon aus, dass sich eine Konsolidierung am Markt ergeben wird.“

Kunden wollen sich nicht auf verschiedenen Marktplätzen tummeln

Eine Einschätzung, die auch von der DHL-Tochter Saloodo geteilt wird. „Die Kunden wollen sich nicht auf verschiedenen Marktplätzen tummeln oder unterschiedliche Systeme bedienen“, erklärt Saloodo-CEO Thomas Grunau auf Nachfrage von trans aktuell. Folgerichtig würden sich die Nutzer den Plattformen zuwenden, auf denen sie die besten Angebote erhalten und wo darüber hinaus auch ihre adminis­trativen Probleme gelöst werden. „Mit mehr als 10.000 Verladern auf der Plattform und der effizienten, digitalen Komplettlösung ist Saloodo hier ganz gut aufgestellt“, erläutert Grunau.

Dazu gehöre, dass die DHL-Tochter immer auch zentraler Ansprech- und Vertragspartner für Verlader und Transportdienstleister ist. „Für Transportunternehmer hat dies den Vorteil, dass sie sich beispielsweise nicht in unterschiedliche Verträge einarbeiten müssen oder verschiedene Rechnungen von verschiedenen Auftraggebern bekommen.“ Dadurch würden die administrativen Kosten massiv sinken. „Darüber hinaus können Transportdienstleister bei uns mit einem Zahlungsziel von nur 14 Tagen rechnen“, berichtet Grunau. Rechnen würde sich die Nutzung von Saloodo auch noch an anderer Stelle: Das Ganze ist für Transportdienstleister kostenlos. „Bei uns zahlt man weder monatliche noch nutzungsabhängige Gebühren“, sagt der Saloodo-Chef.

Aktuelle Preise helfen bei Auswahl

Aus einer anderen Perspektive nähert sich das Start-up Loadfox der Herausforderung Laderaumknappheit. „Dieser korreliert mit der Anzahl an verfügbaren Fahrern. Bei Loadfox haben wir daher das Kundenfeedback sofort umgesetzt: Man kann mit wenigen Klicks Preisgegenvorschläge für Ladungen machen“, sagt Nike Peter, die die Produktentwicklung bei Loadfox verantwortet. Auf diese Weise sei es möglich, aktuelle, marktkonforme Preise zu bekommen, was wiederum gerade kleinen und mittelständischen Unternehmen helfe.

Doch nicht nur das. „Durch clevere Ladungskombinationen lassen sich Leerkilometer vermeiden. Dabei spielt unser Algorithmus Tetris bei der Prüfung verschiedener Ladungskombina­tionen eine Rolle“, erklärt Nike Peter gegenüber trans aktuell. Die Vielzahl der möglichen Kombinationen könne selbst ein erfahrener Disponent in der Kürze der Zeit nicht berechnen und prüfen. Diese Vorschläge erhält der Disponent in einer filterbaren Angebotsliste und kann so schneller entscheiden – und natürlich sofort online buchen. Vor allem größere Speditionen würden wiederum die Möglichkeit nutzen, Loadfox mittels API-Schnittstelle an die eigenen Systeme anzubinden. „Die Vielzahl der Angebote an Vergabeplattformen spiegelt wider, dass es ein Problem gab, Ladungen einfach, schnell und sicher zu vergeben“, so Peter. Aus ihrer Sicht sind Start-ups wie Loadfox eine logische Folge eines Bedarfs, den die Etablierten bislang nicht oder nur unzureichend abdecken.

Unabhängiger Vergleich der Dienstleister

Ein solches Alleinstellungsmerkmal beansprucht auch das Start-up Pamyra für sich: Ein sofortiger unabhängiger Vergleich der infrage kommenden Transportdienstleister. „Der Nutzer kann innerhalb von drei Minuten alle relevanten Angebote direkt miteinander vergleichen und das beste sofort buchen“, berichtet Pamyra-Geschäftsführer Felix Wiegand im Gespräch mit trans aktuell. Für Speditionen sei die Plattform ein autarker Vertriebskanal, der automatisch passende Aufträge generiere. „Damit senken wir den operativen Aufwand und die Transaktionskosten.“ Diese Vorteile könnten anschließend an den Kunden weitergegeben werden. „So bieten einige unserer Partner auf Pamyra günstigere Preise als die, die Kunden bei einer Direktanfrage via E-Mail oder Telefon bekommen“, erklärt Wiegand.

Vor der Zukunft ist ihm nicht bange: „Die allgemeine Hypothese ist, dass sich feste Kundenbindungen sukzessive lösen, der Spotmarkt weiter wächst und B2B-Kunden sich immer mehr wie B2C-Kunden verhalten.“ Dementsprechend würden sich auch die Ansprüche und damit die Anforderungen an die Dienstleister verändern. An dieser Stelle sieht er die Start-ups wie Pamyra im Vorteil. „Das Ganze wird aber sicherlich nicht in einem ‚The-winner-takes-it-all-Szenario‘ enden“, sagt Wiegand. Letztlich sei die Branche groß genug für mehrere Plattformen mit ganz unterschiedlichen Ansätzen.

Die Frachtenbörsen

  • Timocom ist ein IT-Dienstleister für alle am Transport beteiligten Unternehmen. Mit einem Team an internationalen Mitarbeitern bietet man zwei europäische Vergabeplattformen an: Die Laderaum- und Frachtenbörse TC Truck & Cargo sowie TC E-Bid, die Onlineplattform für Transportausschreibungen.
  • Transporeon gibt es seit dem Jahr 2000. Dahinter verbergen sich die Logistikplattform Transporeon, die Ausschreibungsplattform Ticontract sowie die Handelslogistikplattform Mercareon. Aktuell sind mehr als 1.000 Verlader, 65.000 Spe­ditionen und 100.000 Nutzer an die Plattformen angebunden.
  • Saloodo gibt es seit 2016. Das von Deutsche Post DHL Group gegründete Start-up vereint nach eigenen Angaben das Logistik-Know-how und die Infrastruktur eines Global Players mit der Flexibilität und digitalen Kompetenz eines Start-ups.
  • Loadfox ist ein Münchner Start-up, das sich als Mitfahrzentrale für Fracht bezeichnet. Als Geldgeber stehen MAN Truck & Bus sowie die Boston Consulting Group (BCG) im Hintergrund.
  • Pamyra bezeichnet sich als Vergleichsplattform für Transporte und Logistikdienstleistungen. Das Leipziger Start-up konnte neben mehreren Business Angels auch die Wissens- und Innovationsgemeinschaft Innoenergy als Investor gewinnen.
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