Wellkawee

Vollgas voraus

Wellkawee Service-Center Foto: Thomas Kueppers 6 Bilder

Mit einer Mehrmarken-Strategie und der Spezialisierung auf Gas-Lkw hat sich das Wellkawee Service-Center zukunftssicher aufgestellt. Doch damit nicht genug, denn das Unternehmen treibt den Aufbau eines LNG-Tankstellennetzes aktiv voran.

Speditionen erkennen zunehmend das Potenzial von Flüssigerdgas (LNG). Nach Angaben der Berliner Spedition Meyer Logistik werden durch den Einsatz von LNG-Lkw im Vergleich zum Diesel nicht nur 23 Prozent weniger CO2, 60 Prozent weniger NOX und 90 Prozent weniger Feinstaub produziert. LNG-Lkw verbrauchen laut Unternehmen zudem bis zu 18 Prozent weniger Treibstoff. Hinzu kommt, dass der Kilopreis des LNG im Vergleich zum Diesel-Liter derzeit zwischen 20 und 25 Cent günstiger ist und der Staat die Neuanschaffung solcher Zugmaschinen mit rund 12.000 Euro und einer Mautbefreiung bezuschusst. Kein Wunder also, dass das Wellkawee Service-Center als LNG-Spezialist voll ausgelastet ist – Tendenz steigend! Dabei ging Martin Popp, Gesellschafter und Geschäftsführer des Aalener Werkstattbetriebes, mit dem Service-Geschäft für LNG-Lkw vor zwei Jahren ein großes Risiko ein.

LNG begann als Risikogeschäft

Als Vertragspartner von Iveco kaufte Popp damals einen der ersten Stralis NP. "Wir waren von dem Antriebskonzept überzeugt. Zudem hatte Iveco eine erste Testtankstelle in Ulm aufgestellt", erinnert sich Popp. Ein Testkunde entschloss sich kurz darauf, 15 dieser Fahrzeuge für seinen Fuhrpark zu kaufen. Für die kalkulierte Abnahmemenge von 300 Tonnen LNG jährlich konnte Popp jedoch keinen Tankstellenbetreiber gewinnen. "Für den Bau einer Anlage wollte dieser ein Volumen von 650 Tonnen. Also gingen wir in Vorleistung und haben die restlichen 350 Tonnen aus unserer eigenen Kasse übernommen", ergänzt der gelernte Speditionskaufmann. Doch das Risiko zahlte sich aus. Heute werden rund 1.400 Tonnen LNG im Jahr an regionale und zum Teil internationale Speditionen verkauft. Zudem hat Volvo Trucks im Verwaltungsgebäude der Werkstatt inzwischen ebenfalls ein Verkaufsbüro eröffnet, um den Vertrieb von LNG-Fahrzeugen voranzutreiben.

Keine Angst vor LNG-Fahrzeugen

Vor dem Umgang mit Gas-Fahrzeugen muss das Servicepersonal nach Angaben von Fabian Paul, Neffe von Martin Popp und inzwischen Geschäftsführer von Wellkawee, jedoch keine Angst haben – wenn man ein paar Regeln befolgt. "Pro Standtag nimmt der Systemdruck um ein Bar zu. Deshalb sollte man die am Fahrzeug installierten Manometer im Blick haben. Aber ab 16 Bar lässt das System ohnehin von alleine Druck ab", berichtet Paul versiert, der nach seiner Mechatronikerausbildung noch ein BWL-Studium absolvierte. "Zudem muss man darauf achten, dass die Zündung aus ist und die Magnetventile verschlossen, sobald das Fahrzeug in der Werkstatt steht. Das verhindert, dass Gas von den Tanks in den Motor fließen kann." Doch für die typenspezifischen Unterschiede absolvieren alle Mitarbeiter ohnehin regelmäßige Schulungen. Ansonsten ist das Arbeiten an einem LNG-Lkw vergleichbar dem an einem Diesel-Lkw. "Auch hier werden Öl, Getriebe, Bremse oder Elektronik geprüft. Sogar die Checklisten und die OB-Diagnose-Tools sind identisch", weiß der Fachmann. Einziger Unterschied: Ein Treibstofffilter muss bei einem LNG-Lkw nicht mehr gewechselt werden.

Nachwuchs finden über Social Media

Neben dem Werkstattbetrieb kümmert sich Paul auch um den Social-Media-Auftritt von Wellkawee. "Dadurch lässt sich zwar kein Umsatz generieren, aber man kommt so an potenzielle Azubis heran. Früher hatten wir 40 bis 50 Bewerber auf eine Ausbildungsstelle, heute sind wir froh, wenn wir fünf haben", beobachtet Popp. Das Schulzeugnis ist für Wellkawee dabei erst mal zweitrangig. Talent und Freude an der Arbeit sind bei der Bewerbung ausschlaggebend. "Wenn wir so einen haben, schnappen wir uns den sofort – wohl wissend, dass die Industrie unsere Leute nach der Ausbildung gerne nimmt. Denn sie sind umfassend ausgebildet und belastbar", berichtet Popp ernüchtert. Das kommt bei Wellkawee nicht von ungefähr, denn der Kundenstamm geht weit über den genannten Kompetenzbereich hinaus.

Breit aufgestellter Kundenstamm sichert Auslastung

Zu den Kunden gehören laut Popp und Paul der ÖPNV-Betreiber Regionalbus Stuttgart, der bei Wellkawee 38 Busse im regelmäßigen Service hat. Im Transportersegment des Iveco Daily zählen Wohnmobil-Fahrer und eine Vielzahl von ansässigen Handwerksbetrieben auf den Service des Aalener Unternehmens, genauso wie die Bundeswehr, die der Werkstatt sogar eine Freigabe für die gepanzerten Tankfahrzeuge erteilt hat. Zudem ist das Aalener Unternehmen Servicepartner von DAF, Fiat Professional, Meiller, Kögel, Wabco, BPW, SAF, Dautel und Bär. "Wir haben sogar einen Klimaspezialisten in unserem Team", ergänzt Popp. Eine Mehrmarken-Strategie, die Wellkawee bewusst fährt. "Wir wollen uns von keinem Hersteller abhängig machen, deshalb stellen wir uns breit auf." So hat Wellkawee in die Zukunft investiert und ist seit Anfang des Jahres Anteilseigner am LNG-Tankstellen-Betreiber Liquind 24/7. Laut Popp ist für 2019 der Bau von zehn LNG-Tankstellen geplant. Und die Nachfrage wächst, sollten noch mehr Speditionen die Vorzüge des LNG erkennen.

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