Waymo, Volvo und nun Cummins

Daimler bekennt sich zu Partnerschaffen

Foto: Matthias Rathmann

Drei große Kooperationen binnen eines Jahres: Daimler Truck-Chef Martin Daum sieht strategische Partnerschaften als Chance, um die Transformation zu meistern.

Gemeinsam die Chancen nutzen, gleichzeitig die Kosten und Risiken teilen – Daimler Truck tritt die Fahrt in die Zukunft bewusst mit strategischen Partnern an. Durch Kooperationen lassen sich nach Auffassung von Vorstandschef Martin Daum die gewaltigen Herausforderungen mit Blick auf die Antriebswende deutlich besser meistern. Partnerschaften seien kein Zeichen von Schwäche, gemeinsam gingen viele Dinge deutlich besser. „Jeder, der eine glückliche Ehe führt, weiß das“, sagte der Manager bei der Vorlage der Jahreszahlen für seine Sparte am Donnerstag in einer Videokonferenz vor Journalisten.

Cummins liefert Euro-7-Motoren für mittelschwere Lkw

Daum nannte exemplarisch drei Kooperationen, die Daimler Truck innerhalb nur eines Jahres eingegangen war. Im April hatten Daimler und die Volvo Group eine Vereinbarung zum Start eines Joint Ventures für die gemeinsame Entwicklung von Brennstoffzellen unter anderem für den Einsatz in schweren Lkw unterzeichnet. Ein halbes Jahr später verkündete Daimler eine Partnerschaft mit der Google-Schwester Waymo, um gemeinsam das automatisierte Fahren von Lkw (SAE-Level 4) in den USA voranzutreiben. Und erst vor wenigen Tagen nun machte der Fahrzeugbauer durch eine Partnerschaft mit dem US-Motorenbauer Cummins von sich reden.

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Das Unternehmen aus Columbus, Indiana, wird Daimler ab der zweiten Hälfte des Jahrzehnts mit Euro 7-Motoren für die mittelschweren Lkw beliefern. Cummins wird der Absichtserklärung zufolge in Mannheim ein eigenes Werk aufbauen. Das biete dem badischen Motorenstandort eine klare Perspektive, so die Überzeugung von Daum. Vorteil für Daimler sei vor allem, dass man sich Investitionen in eine neue Motorenplattform spart. Stattdessen werde sich Daimler auf die Weiterentwicklung der Dieselmotoren für die schwere Klasse konzentrieren. Dort geht es um rund 250.000 Einheiten im Jahr, bei den mittelschweren Motoren setzt Daimler nach Angaben des Nutzfahrzeugchefs nur etwa ein Fünftel davon ab. „Lieber machen wir wenige Sachen richtig, als alles ein bisschen“, so die Überzeugung Daums, der das Geld statt in die Entwicklung neuer Motoren für Verteiler-Lkw lieber in den Aufbau der Batterie-Elektro- und Brennstoffzellen-Lkw steckt.

Hier kommen auch die Ingenieure von Volvo ins Spiel, da Daimler die Aktivitäten rund um die Brennstoffzelle mit den Kollegen aus Schweden in einem Joint Venture bündeln will. Daimler bringt dazu sein Know-how ein, Volvo eine Finanzspritze von 600 Millionen Euro. Auch hieran hat Daum große Erwartungen. Weil die Gesellschafter zusammen auf einen Marktanteil von 50 Prozent kämen, hätten sie auch andere Möglichkeiten, um ein Wasserstoff-Ökosystem mit Partnern aufzubauen. „Es ist nicht so, dass sich ein Blinder und ein Lahmer zusammentun, um zu klagen, wie schlecht die Welt ist“, betonte Daum. Jeder könne auch alleine an diesen Themen arbeiten, gemeinsam sei es aber effektiver.

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Daimler hatte angekündigt, den Wasserstoff-Brennstoffzellen-Lkw GenH2 Truck bereits 2023 in die Kundenerprobung zu bringen. Doch Schnelligkeit ist laut dem Manager hier nicht entscheidend. „Die Zeit für Wasserstoff ist erst 2025 bis 2030 reif“, erklärt er. Nicht nur die Fahrzeugbauer, sondern auch die Energieversorger wie Linde, Shell oder BP, mit denen Daimler in der Organisation Hydrogen Council zusammenarbeitet, hätten bis dahin Milliardeninvestitionen zu stemmen, um eine entsprechende Fahrzeug- und Tankinfrastruktur aufzubauen.

Eine der Herausforderungen dabei: grünen Wasserstoff in ausreichender Menge zur Verfügung zu stellen. „Denn wenn es sich um grauen Wasserstoff handelt, verbrenne ich lieber Diesel.“ Ferner gehe es um die Frage eines Standards: Daum ist ein Freund von flüssigem Wasserstoff, was Reichweite, Lagermöglichkeiten und die Sicherheit angeht.

Produktionsbeginn für den eActros in Wörth

Ehe der GenH2 anrollt, wird Daimler eine Vielzahl weiterer batterie-elektrischer Nutzfahrzeuge auf die Straße bringen. Ein Highlight für das Unternehmen ist der Start der Serienproduktion des eActros, der im zweiten Halbjahr in Wörth beginnen soll. Konkrete Zahlen, was die Größe der Serie oder die Bestellungen angeht, wollte der Daimler Truck-Spartenchef gegenüber den Fachzeitschriften lastauto omnibus und trans aktuell aber nicht nennen. „Es ist ein attraktives Fahrzeug, das viele Kunden interessiert“, sagte er. Als Daimler vor zwei Jahren mit der Produktion des Elektro-Stadtbusses eCitaro begann, waren es im ersten Jahr 110 Einheiten. „Wir mussten alle erst Erfahrungen sammeln“, sagt Daum zurückblickend.

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Der Daimler Truck-Chef geht nicht davon aus, dass Kunden am Anfang mehr als ein oder zwei eActros ordern werden – weil sie es sich gar nicht leisten können. Genau aus dem Grund appelliert Daum an den Gesetzgeber, die angekündigte CO2-basierte Lkw-Maut voranzutreiben, um rein elektrisch angetriebene Fahrzeuge zu begünstigen. Das Kostenthema sei bei alternativen Antrieben genauso wichtig wie ein gutes Fahrzeugangebot und eine gute Tank- und Ladeinfrastruktur. „Wenn der Kilometer 50 Cent je Liter mehr kostet, wird kein Kunde es sich leisten können.“

Daimler hat auf allen Weltmärkten bereits eine große E-Flotte am Laufen. „Sie bringen es bereits auf eine elektrische Fahrleistung von zehn Millionen Kilometern“, berichtete Daum. Ob es der eCitaro in Europa, der Elektro-Schulbus Jouley der Daimler-Tochter Thomas Built, der eCascadia oder der eCanter von Fuso ist: Daimler sieht die E-Mobilität klar auf dem Vormarsch. Daum bekräftigte daher, dass sich Daimler Truck der CO2-Neutralität verpflichtet habe und in den Weltmärkten Europa, Asien und Nordamerika bis 2040 dieses Ziel erreicht haben wolle.

Abspaltung der Lkw-Sparte geplant

Und worauf stellt sich die Daimler-Sparte dieses Jahr ein? Auf eine deutliche Belebung. In den USA sei der Auftragsbestand zum Jahresende fast explodiert. Und auch in Wörth stocke man die Kapazitäten auf. „Generell erwarten wir eine deutliche Steigerung der Absätze“, sagte Martin Daum. Nach einer Umsatzrendite von 1,5 Prozent voriges Jahr peilt er wieder einen Wert zwischen sechs und sieben Prozent an. Worauf sich Daums Bereich ebenfalls einstellt: auf die angekündigte Abspaltung vom Mutterkonzern. Die Lkw- und Bussparte soll als eigenes Unternehmen noch in diesem Jahr an die Börse geführt werden und wird ihren Sitz in Leinfelden-Echterdingen und nicht mehr in Stuttgart-Untertürkheim haben.

Auch Daum verteidigte wie zuvor Konzernchef Ola Källenius, dass angesichts der Transformation der Branche eine Fokussierung der richtige Weg sei. Daimler Truck könne seine strategischen Pläne agiler umsetzen, seine Profitabilität erhöhen und die Entwicklung von CO2-neutralen Antriebstechnologien für Lkw und Busse schneller vorantreiben, hieß es.

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