Waschtechnik

Digital bezahlen an Waschanlagen

Automechanika 2018 Foto: Andreas Beyer 7 Bilder

Elektronische Zahlsysteme und eine ganz besondere Waschanlage sind die Neuheiten der Automechanika im Bereich Waschtechnik für Nutzfahrzeuge.

Sie war vielleicht der Hingucker in der neuen Halle 12 auf dem Gelände der Frankfurter Messe, die nun ihren Platz dort hat, wo zuvor auf dem ehemaligen Freigelände zur Messe die Car Wash City errichtet worden war: die neue Nutzfahrzeugwaschanlage namens HW’Intrawash von Istobal. Das lag zum einen daran, dass es aufgrund der Unterbringung in einer Halle weniger Möglichkeiten gibt, Waschanlagen in Aktion vorzuführen, zum anderen aber auch daran, dass es sich dabei um ein neues Verfahren handelt, um Kühlkoffer bis hin zu ausgewachsenen Aufliegeraufbauten und Seecontainern von innen zu reinigen. Das Unternehmen aus Valencia sprach im Vorfeld der Messe von einer "bahnbrechenden Neuheit" und "der einzigen Anlage ihrer Art".

Automechanika 2018 Foto: Andreas Beyer
Weltneuheit: HW’Intrawash von Istobal, eine Waschanlage für das Innere von Kofferaufbauten.

HW’Intrawash lässt sich über externes Bedienpult mit Farbtouchscreen intuitiv steuern

Dabei handelt es sich um einen Bügel, der über mehrere Düsen verfügt, die rund um den Bügel angeordnet sind. Der Bügel wiederum ist auf einem Teleskoparm befestigt. Mit dessen Hilfe fährt das System in den Innenraum des Kühlers und reinigt ihn mit einem Hochdruckwasserstrahl von 70 Bar. Hinzu kommen zwei chemische Mittel, die – je nach Art der Ladung – auch für die Desinfektion des Innenraums geeignet sind. An der Basis der Waschanlage ist auch ein Auffangtrichter aus Edelstahl angebracht, der den ausgeschwemmten Dreck aufnimmt. Außerdem kann sich die Anlage selbst reinigen. Die HW’Intrawash lässt sich laut Hersteller über ein externes Bedienpult mit Farbtouchscreen intuitiv steuern sowie von Hand bewegen. Sechs Reinigungsprogramme stehen zur Verfügung. Auch eine Online-Bedienung ist vorgesehen. Die knapp 4,4 Meter lange, 2,4 Meter breite und 1,9 Meter hohe Anlage ist auf einem Fahrgestell montiert und lässt sich so an Fahrzeuge heranschieben. Die Reinigung per Maschine soll 60 Prozent der Zeit einsparen, die sonst das Personal für die Fahrzeugreinigung nach den Maßgaben der HACCP-Richtlinie aufbringen muss. Istobal gibt drei Minuten für die Spülung eines Aufliegers und bis zu fünf Minuten für dessen Desinfektion an. Drei Prototypen laufen bereits in den USA, wo Istobal auch eine Fabrik betreibt. Ab März kommenden Jahres soll der Verkauf in Europa beginnen. Einen Preis konnte eine Unternehmenssprecherin während der Messe noch nicht nennen.

Davon abgesehen setzten die führenden Unternehmen der Waschtechnik einen Schwerpunkt bei der Digitalisierung – sprich: bei digitalen Bezahlsystemen. Etwa Wash-Tec: Das Unternehmen bietet mit der Easy-Car-Wash-App eine Softwarelösung fürs Smartphone, die die Kreditkarte des Kunden als Zahlungsmittel verwendet. Der Kunde kauft im Vorfeld ein Abonnement, das je nach Wunsch des Waschanlagenbetreibers und der Dauer des Abos einen Rabatt enthält. Anschließend registriert der Kunde sein Fahrzeug per Autokennzeichen. Eine Kamera identifiziert es vor der Einfahrt in die Waschanlage. Die Wäsche wird dann vom Guthaben abgebucht. Über die GPS-Funktion des Smartphones ist auch die Ortung einer an der Aktion beteiligten Waschanlage möglich.Der Anlagenbetreiber profitiert von der Kundenbindung und kann auch einen Zeitrahmen für das "Flatrate-Waschen" vorgeben, um die Anlage zu schwächeren Zeiten besser auszulasten. "Im Durchschnitt waschen Kunden sieben- bis achtmal pro Jahr ihr Fahrzeug. Wer eine Flatrate hat, wird sein Auto in kürzeren Abständen reinigen", betont Wash-Tec-Vertriebsmann Thorsten Kaleis und weist damit auf das zusätzliche Umsatzpotenzial hin. Der Rollout des Angebots soll nun europaweit beginnen. Die Investitionen für die Betreiber sollen überschaubar ausfallen. Das Kamerasystem lässt sich von Wash-Tec mieten. Dafür ist eine monatliche Gebühr fällig, die je nach Vertragssituation mit Wash-Tec (Art der Anlage, Art des Waschmittels, Full-Service-Vertrag) ausfällt. Den Preis für die Wäsche und die Höhe des Rabatts bestimmt allein der Betreiber; Wash-Tec empfiehlt einen Nachlass von 15 bis 20 Prozent.

Otto Christ automechanika 2018 Portal Waschanlage Speed Vario Foto: Otto Christ
Die Anbieter von Portalwaschanlagen, wie hier Christ, fokussierten sich zur Automechanika vorrangig auf neue Systeme für Pkw. Vor allem das Thema Reinigungsgeschwindigkeit wurde vorangetrieben.

Waschprogramm von Christ Wash System lässt sich per Handy starten

Ein ähnliches Angebot, allerdings ohne Kennzeichenerfassung, hält seit Jahreswechsel Christ Wash Systems vor. Bei der Car-Wash-App handelt es sich ebenfalls um ein bargeldloses Bezahlsystem für Smartphone-Nutzer. Aktuell können es Betreiber von Portalwaschanlagen und SB-Waschplätzen nutzen. Der Kunde lädt sein Guthaben per Kreditkarte oder Lastschrift auf und sucht sich per GPS-Funktion eine angebundene Waschanlage; die App-Navigation weist den Weg dorthin. Das Waschprogramm lässt sich dann per Handy starten. Der Beleg kommt direkt aufs Gerät. Funktionen wie Flottenmanagement für Großkunden oder zeitlich gesteuerte Aktionen sollen ebenso möglich sein wie Kundentreueprogramme und Flatrate-Angebote.Es tut sich auch etwas bei der Hardware von Portalwaschanlagen, jedoch vorwiegend für Fahrzeuge bis zur Transportergröße. Hierzu zählt die Vario-Speed-Anlage von Christ mit einer Durchfahrtshöhe von bis zu 3,1 Metern und einer Durchfahrtsbreite von bis zu 2,7 Metern im Spiegelbereich. Der Name "Speed" ist Programm: Das Sondermodell soll unter anderem 25 Prozent mehr Kapazität und weniger Wartezeit bieten. Das kürzeste Programm "Quick" läuft 3 Minuten und 20 Sekunden. Außerdem umfasse es viele Extras in der Grundausstattung wie XL-Radwascheinrichtung, 16-Bar-Hochdruckvorwäsche und zweimal fünf oszillierende Düsen im Seitenbereich. Die 5,5 kW starke Versorgungspumpe fördert bis zu 100 Liter pro Minute bei 16 Bar Druck.Ähnliche Durchfahrtsdimensionen bietet das Portalanlagemodell Genius Vitesse aus dem Premiumsegment von Christ, das ebenfalls die Waschzeiten verkürzen soll, und zwar um ein Fünftel.

Der Hersteller hebt hier die optische Abtastung per Lichtschranke hervor, mit deren Hilfe sich die Luftdüsen auf die Fahrzeugkonturen einstellen lassen. Diese Maßnahme dürfte von SUV und Vans getrieben sein. Fahrzeuge mit stark konturierter Silhouette beschäftigen auch Kärcher. Das Unternehmen zeigte hierfür die Premiumanlage Klean!Star iQ mit intelligenter Seitenbürste, einem neuen Radwaschsystem sowie einem Hochleistungstrockner. Die Seitenbürste K!Brush iQ ist in fünf bis sieben Segmente unterteilt und kann sich so laut Hersteller komplett an die Form des Fahrzeugs anlegen. Bei K!Dry iQ handelt es sich um Gebläsedüsen, die ebenfalls eng der Kontur des Fahrzeugs folgen. Durchfahrtshöhe 2,9 Meter, Durchfahrtsbreite inklusive Spiegeln 2,45 Meter. Ebenso bedeutsam ist heutzutage eine umweltfreundliche Wasseraufbereitung. Bioclear-S nennt sich bei Christ ein biologisches Aufbereitungsverfahren für Portalanlagen und Waschstraßen für Pkw und Busse. Kompakte Abmessungen sollen es ermöglichen, das System auch in engen Technikräumen zu installieren. Ständige Umwälzung und Belüftung des Brauchwassers sollen unangenehme Gerüche in der Waschanlage verhindern. Durch eine integrierte Feststoffableitung über einen Fliehkraftabscheider soll keine Rückspülung wie bei anderen Filtersystemen nötig sein. Die maximale Filterleistung soll auch bei Volllastbetrieb immer zur Verfügung stehen, weil kein Frischwasser hinzugeführt werden müsse. Die Recyclingquote steige damit entsprechend.

Kärcher Reinigungstechnik Handwäsche Automechanika 2018 Foto: Kärcher
Kärcher mobile Variante von Kaltwasser-Hochdruckanlage.

Neues für die Hallenreinigung

Kärcher hat eine neue Generation an Kaltwasser-Hochdruckanlagen der Mittelklasse auf den Markt gebracht. Die modular aufgebauten Geräte sollen besonders robust und langlebig sein. Zunächst sind zwei Varianten verfügbar: eine mobile Variante (im Bild) und ein Stationärgerät, das sich an der Wand befestigen lässt. In beiden Fällen schützen laut Hersteller ein großer Filter am Wasserzulauf und das automatische Druckentlastungssystem die Pumpkomponenten. Das mobile Standardgerät ist mit der Easy!Force-Pistole ausgestattet. Wesentliches Merkmal ist hier ein Abzug, der mit dem Handballen in den Griff geschoben wird. Dadurch soll sich nach dem Auslösen jegliche Haltearbeit erledigen. Der Rückstoß drückt den Abzug in die Hand; die Muskulatur werde geschont. Fördermengen von 560 bis 800 Liter pro Stunde, Arbeitsdruck 140 bis 180 Bar; Anschlussleistung 230 oder 400 Volt – je nach Modell. Neu ist zudem die batteriebetriebene Aufsitzkehrmaschine KM 85/50 R. Sie soll als kompaktes Einsteigermodell den Umstieg von der handgeführten Kehrmaschine leichter machen. Ihre Flächenleistung pro Stunde soll um 30 Prozent höher sein im Vergleich zu einer handgeführten Lösung bei gleicher Arbeitsbreite. Ein zweiter Seitenbesen ist optional erhältlich, die Drehgeschwindigkeit ist variabel.

Strenge Spielregeln

Verschärfte Maßgaben der Reach-Verordnung beschäftigen die Hersteller von Waschchemie. „Im Vordergrund steht hier der Verzicht auf Reinigungszusätze, welche die Gesundheit von Mitarbeitern beeinträchtigen können“, erklärt Kiehl-Gebietsleiter Süd Holger Hesse. Wichtig sei auch die Möglichkeit der biologischen Brauchwasseraufbereitung, um die Frischwasserzufuhr zu begrenzen. Recyclingraten von 90 Prozent sind Pflicht. Hinzu komme ein starker Kostendruck, den gerade die Flottenkunden an die Hersteller der Waschchemie weitergäben. Dabei sei es wichtig, dass die Kunden nicht nur den Kaufpreis des Reinigungsmittels beachten, sondern auch dessen Konzentration. „Hochwertige, zugleich beim Kauf teurere Gebinde können womöglich eine höhere Vorverdünnung erlauben, was den Preis im direkten Vergleich mit einem Wettbewerbsprodukt womöglich relativiert“, erklärt Hesse. Für die korrekte Vorverdünnung sei außerdem der Verschmutzungsgrad der Fahrzeuge entscheidend. Bei Kiehl seien bei alkalischen Reinigern, wie sie bei der Oberflächenreinigung von Nutzfahrzeugen zum Einsatz kommen, Vorverdünnungen von 1 : 20 bis 1 : 40 üblich. Andere Produkte warten nur mit 1 : 5 bis 1 : 10 auf. Wichtig sei daher die Beratung durch den Anwendungsservice des Chemieanbieters.

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Jan Bergrath, Experte für Fahrerthemen Jan Bergrath Journalist
Harry Binhammer, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Harry Binhammer Fachanwalt für Arbeitsrecht
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