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Vom Lkw-Fahrer zum Scania-Pressetester

René Seckler hat keine Angst vor Neuem

Scania, René Seckler, IAA 2018 Foto: Franziska Nieß

René Seckler gewann 2007 den Scania-Fahrerwettbewerb in Deutschland. Seitdem hat sich sein Leben komplett verändert.

Nur keine Langeweile: Dieses Motto scheint sich durch René Secklers Leben zu ziehen, und es gilt vor allem für seinen beruflichen Werdegang. Nach dem Hauptschulabschluss folgt eine Ausbildung zum Straßenwärter. Doch schnell zieht es den gebürtigen Schwaben weg vom Straßenbauamt hinters Lenkrad, genauer: hinters Lkw-Lenkrad. Den Führerschein finanziert er selbst. „Mich reizte daran vor allem die Freiheit“, erklärt der heute 42-Jährige im Gespräch mit trans aktuell. Mit Anfang 20 die Welt kennenlernen, tagelang unterwegs sein und dabei Geld verdienen: für Seckler der Traumjob. Doch nicht nur am Fernverkehr findet er Gefallen. Nahverkehr, Schwertransporte, Fahrten mit oder ohne Hänger – der junge Mann probiert alles aus.

Etwa alle zwei Jahre wechselt er den Arbeitgeber. „Aber nicht, weil die Firmen schlecht waren, sondern weil mich die verschiedensten Bereiche interessiert haben.“ Seckler mag die Herausforderung, sich immer in etwas Neues einzuarbeiten. So kommt keine Langeweile auf. Als er im FERNFAHRER, der Schwesterzeitschrift von trans aktuell, im Jahr 2007 auf einen Artikel zum Fahrerwettbewerb des Lkw-Herstellers Scania stößt, überlegt er nicht lange und bewirbt sich.

Seckler setzt sich gegen 2.500 Mitbewerber durch

Die rund 2.500 Bewerber absolvieren verschiedene Prüfungen: Theorie, Erste Hilfe, Ladungssicherung, spritsparendes Fahren, Rangieren und Manövrieren stehen auf dem Programm. Wieder eine neue Herausforderung für Seckler, die er mit Bravour meistert. Er gewinnt das deutsche Finale und qualifiziert sich damit für den Europa-Wettbewerb, an dem die Sieger aus 27 Ländern teilnehmen.

Die Aufgaben beim internationalen Finale ähneln dem deutschen Wettbewerb, aber dieses Mal reicht es nicht für Platz eins. „In den entscheidenden Situationen gehört bei Wettkämpfen einfach auch Glück dazu“, erklärt Seckler. Das hat er in Schweden, wo das Finale stattfindet, nicht auf seiner Seite. Doch mit dem achten Platz ist er trotzdem sehr zufrieden. „Die gute Stimmung vor Ort und vor allem das große Medieninteresse danach: Das war schon ein cooles Gefühl.“

Denn die mangelnde Wertschätzung gegenüber Fahrern bekommen Seckler und seine Mitstreiter schon vor elf Jahren zu spüren. „Das war damals noch weiter verbreitet als heute. Mittlerweile weiß die Branche, dass sie daran etwas ändern muss“, berichtet Seckler. Ein Wettbewerb wie der von Scania gebe den Fahrern Selbstvertrauen, weil sie im Mittelpunkt stehen. Das ändert sich auch nach dem Wettbewerb nicht. Im Nachgang bieten viele Spediteure Seckler einen Job an, doch er bleibt bei seinem bisherigen Arbeitgeber: Schober Logistik mit Sitz in Weinstadt bei Stuttgart.

2014 fängt er bei Scania an

Auch, weil dieser ihn fördert und ihm weitere Herausforderungen bietet. Seckler macht den Industriemeister und wechselt vom Bock ins Büro. Er arbeitet bei Schober zunächst im Fahrzeug-Controlling, leitet schließlich eine Niederlassung. Aber auch als Fahrertrainer sammelt er Erfahrung. Langeweile kommt definitiv keine auf. Hinters Lenkrad zieht es Seckler zunächst nicht mehr, dafür 2014 zu einem neuen Arbeitgeber. Sieben Jahre nach seiner Teilnahme am Fahrer-Wettbewerb klopft Scania an die Tür des Schwaben und bietet ihm einen Job als Fuhrpark-Serviceberater für die Region Südwest an. In all den Jahren ist der Kontakt zum schwedischen Hersteller nicht abgerissen.

Seckler sagt zu und sieht sich wieder mit einer neuen Herausforderung konfrontiert. „Als Serviceberater war ich der Mittelsmann zwischen Verkäufer, Werkstatt und Kunde.“ Stabilität gibt ihm bei den ständigen Veränderungen und Weiterbildungen seine Familie, mit der er in Waiblingen (Baden-Württemberg) wohnt. Doch ganz ausblenden lässt sich das Thema Logistik auch zu Hause nicht: Secklers Ehefrau arbeitet als Controllerin bei einer Spedition. Den Ausgleich zum Job findet er nicht nur bei seiner Frau und den vier Kindern, sondern auch beim Fußballspielen und Mountainbiken. Bei seinem Lieblingsfußballverein weicht Seckler ausnahmsweise von seinen schwäbischen Wurzeln ab: Er favorisiert den FC Bayern München.

Als Pressetester fährt er wieder Lkw

Ansonsten entlarvt ihn sein Dialekt aber sofort als Schwabe. Das dürften auch die zahlreichen Journalisten bemerken, die Seckler bei Scania-Pressetests in Deutschland und Österreich betreut. Denn seit April dieses Jahres stellt sich der ehemalige Lkw-Fahrer abermals einer neuen Herausforderung: Als Pressetester fährt er nun wieder öfter Lkw, was ihn sehr freut. Zusätzlich betreut Seckler als Produktmanager für Connected Services Projekte und Pilotkunden bei den digitalen Diensten, die Scania anbietet. Ein breites Aufgabengebiet, dem er sich stellt. Doch so mag er es ja. „Wer weiß, wo ich heute stehen würde, wenn ich damals nicht am Fahrerwettbewerb teilgenommen hätte.“ Seckler bezeichnet den Wettbewerb als Wendepunkt seines Lebens, ohne den er vermutlich immer noch Lkw fahren würde. Doch wer weiß? Er hätte bestimmt eine andere Herausforderung gefunden, damit keine Langeweile aufkommt.

Der Wettbewerb

Die nächste Auflage der Scania Driver Competitions hat begonnen. Anmelden können sich interessierte Fahrerinnen und Fahrer hier.

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