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Neues Verpackungsgesetz

Die Deutschen produzieren zu viel Müll

Foto: Gina Sanders - Fotolia

Deutschland ist europäischer Spitzenreiter bei der Herstellung und beim Verbrauch von Verpackungen. Jeder Bundesbürger produziert Medienberichten zufolge durchschnittlich über 200 Kilogramm Verpackungsmüll pro Jahr.

03.04.2018 Nicole de Jong

Es wird immer mehr Müll. Gründe dafür gibt es einige, etwa gesellschaftlicher Natur. Die Menschen leben zunehmend alleine und kaufen entsprechend mehr Einzelpackungen. Zudem soll alles einfach sein: Die Suppe wird nicht mehr selbst gekocht, sondern die Tüte aufgerissen oder eine Pizza bestellt.

Mehrweg mit Pfand wäre sinnvoll

Und auch der stetig steigende Onlinehandel trägt seinen Teil zum immensen Abfallaufkommen bei. Denn alles, was übers Internet bestellt wird, muss natürlich eine Verpackung haben und wenn die Umverpackung zu groß ist, wird Füllmaterial zugegeben. Übrig bleibt jede Menge Müll. "Wir recyceln ungefähr die Hälfte des Mülls – hier machen die Deutschen schon einen ganz guten Job", sagt Prof. Bernd Sadlowsky, Geschäftsführer des BFSV Ver­pa­ckungs­insti­tuts Hamburg. Der Rest wird verbrannt, weil er sich fürs Recycling nicht eignet.

"Ich frage mich dennoch oft, warum es hier kein Pfandsystem gibt", fügt er hinzu. Vorstellbar sei, einen Verpackungspool aus Kunststoffboxen, die sich gut reinigen lassen, einzurichten, wie es beispielsweise mit der Europalette seit Jahren praktiziert wird. "Hier fehlt es noch an Bewusstsein", sagt der Verpackungsexperte. Wer seine Produkte online bestellt, sollte diese in einer Box bekommen, die er beim nächsten Mal gegen die neue tauscht, lautet seine Idee. Das würde auch den KEP-Diensten zugutekommen, die die modularen Kisten besser stapeln und damit sicherer in ihren Fahrzeugen verstauen könnten. Zudem würde weit weniger Luft transportiert und möglicherweise würden sogar weniger Lieferfahrzeuge gebraucht werden.

Am 1.1.2019 tritt ein neues Verpackungsgesetz in Kraft. Ziel ist es, das Aufkommen von Verpackungsmüll zu reduzieren. Dem neuen Gesetz zufolge sind Händler und Hersteller beim Inverkehrbringen von Verpackungen verpflichtet, sich einem dualen System anzuschließen. Da sie auch für die Entstehung des Verpackungsmülls verantwortlich sind, sollen sie sich an den Kosten für die Verwertung beteiligen. So steht's geschrieben.

Gesetz mit zu vielen Regeln

"Aus meiner Sicht besteht das neue Gesetz aber aus zu vielen Regeln und wird nicht dazu führen, dass wir weniger verpacken", ist Sadlowsky überzeugt. Im neuen Gesetz steht nicht, dass die Verpackung angemessen sein muss – also in dem Sinn, dass eine Zahnbürste nicht in einer Schuhschachtel geliefert wird, in der sich dann naturgemäß auch reichlich Luft oder Füllmaterial befindet. "Man kann natürlich versuchen, das alles zu regeln. Aber eigentlich ist es doch logisch, dass eine Zahnbürste nicht in einer Schuhschachtel verschickt werden sollte", sagt der Experte.

Das Problem dabei sei, dass viele Versender Standardverpackungen verwenden, die sie in größerer Stückzahl und damit preiswerter einkaufen. Einige große Händler haben bereits auf automatisiertes Verpacken umgestellt. Dabei errechnet das System anhand der gescannten Artikel automatisch die optimale Verpackungsgröße.

Dennoch ist Sadlowsky überzeugt, dass mehr Pakete in ein KEP-Fahrzeug passen würden, wären sie optimal gepackt. "Allerdings dient Verpackung auch zum Schutz", sagt er. Die teure Kaffeemaschine benötigt daher eine größere Verpackung, damit sie ohne Kratzer beim Kunden ankommt – und selbst die Umverpackung darf nicht beschädigt sein.

Sadlowskys Blick in die Zukunft zeigt folgendes Szenario: "Wer künftig bestellt, wird mit einem Elektroauto beliefert, das meinetwegen auch autonom vorfährt." Wie eine rollende Packstation verfügt dieses Fahrzeug über viele Schließfächer. Dem Verbraucher wird die Ankunft des Fahrzeugs über eine Nachricht aufs Smartphone avisiert. Mit dem mitgelieferten Code kann er dann das für ihn bestimmte Fach öffnen und seine Produkte entnehmen. Das hat zwei Vorteile: "Wir müssen nicht mehr selbst zum Supermarkt fahren, und auf die Transportverpackung kann verzichtet werden", erläutert er.

Bis das tatsächlich so ist, hält der Experte es für sinnvoller, die Preise für den Grünen Punkt massiv zu erhöhen. "Steigen die Kosten für Verpackungsmüll aus Plastik, ist das ein klares Zeichen an die Industrie", sagt Sadlowsky. Wer bezahlen muss, denkt automatisch über Alternativen nach, etwa wo Verpackungen eingespart werden können oder ob sich mehr recycelte Materialen verwenden lassen.

Das neue Verpackungsgesetz

  • Das neue Verpackungsgesetz (VerpackG) tritt ab dem 1.1.2019 in Kraft.
  • Die Regeln beziehen sich auf das Inverkehrbringen, die Rücknahme, die Sortierung und Verwertung von Verkaufsverpackungen und Umverpackungen.
  • Ziel des Verpackungsgesetzes ist, mehr und besseres Recycling von Verpackungsabfällen zu erreichen.
  • Das neue Gesetz gilt auch für alle Arten gewerblicher Onlineshops.
  • Bei Nichteinhaltung drohen Geldbußen von bis zu 200.000 Euro. 
  • Es entsteht eine Registrierungs- und Datenmeldepflicht. Dritte dürfen zwar damit beauftragt werden, der Inverkehrbringer bleibt aber für die Erfüllung verantwortlich.
  • Die veränderte Prüfungslage gilt bereits ab diesem Jahr.
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