Verkehrssicherheit

Fahrer unterstützen Forschung

Jan Bergrath

Zum zweiten Mal bat die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Berufskraftfahrer um Mithilfe. Diesmal ging es um den effektiven Schutz von Brückenbauwerken.

Erneut hat die renommierte Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) in Aachen Lkw-Fahrer gesucht, um ihre Forschungsarbeiten zu unterstützen. Im Frühjahr ging es um eine Umfrage zu Belastung von Lkw-Fahrern, Anfang September hieß die Aufgabe, belastete Brücken in Deutschland besser zu schützen. „Aufgrund einer stetig wachsenden Verkehrsleistung weist die deutsche Verkehrsinfrastruktur enorme Schwächen, insbesondere bei Brückenbauwerken, auf“, erklärt Philipp Klee, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Straßenwesen der RWTH, der mich dazu kontaktiert hatte.

Die Rheinbrücke der A1 bei Leverkusen stellt hier eines der prominentesten Beispiele dar. Viel zu lange fuhren hier schwere Lkw über das angeschlagene Bauwerk aus den 60er-Jahren. Nach dem materialbedingten Baustop wird seit diesem Frühjahr weitergebaut. Die Schiersteiner Brücke bei Wiesbaden muss dagegen gesprengt werden. „Für viele Landesbetriebe ist die Sperrung von Brückenbauwerken für den Schwerlastverkehr oftmals die einzige Lösung, damit Brückenbauwerke für den gesamten Verkehr weiterhin aufrechterhalten bleiben können“, sagt Klee.

Frühzeitige Ankündigung einer Sperrung notwendig

„Eine frühzeitige Ankündigung einer Sperrung im Zulauf von Brückenbauwerken sowie eine schlüssige Umleitungsstrecke ist oftmals nicht oder nur spärlich vorhanden“, kritisiert Klee. „Der Berufskraftfahrer ist hier immer auf sich alleine gestellt und kann sich nicht darauf verlassen, dass Infrastrukturelemente, also Verkehrszeichen, ihm den Weg weisen.“ Das Institut für Straßenwesen der RWTH Aachen University entwickelt daher im Rahmen seiner Forschungstätigkeiten unter anderem Infrastrukturelemente, welche die Verkehrssicherheit und den Verkehrsfluss erhöhen sollen. „Von besonderer Bedeutung ist hierbei das Verständnis für die Verkehrsteilnehmer“, betont Klee.

Gemeinsam mit dem Landesbetrieb Straßenbau Nordrhein-Westfalen begleitet das Institut für Straßenwesen ein Forschungsprojekt, mit dem Umleitungsbeschilderungen im Zuge von Sperrungen von Brückenbauwerken entwickelt werden sollen. Oberstes Ziel ist hierbei, das beste Verständnis für den Berufskraftfahrer zu erreichen und ihnen anhand einer bestimmten Abfolge von Infrastrukturelementen den Weg zu weisen. „Bereits im vorangegangenen Jahr ist diesbezüglich erfolgreich eine Studie im Fahrsimulator durchgeführt worden sowie das gesamte System im Rahmen eines Demonstrators validiert worden. Im Rahmen dieses Realversucht konnte eine Befolgungsrate von 97 Prozent ermöglicht werden.“

Studie im Fahrsimulator

Das Ziel ist die Aufrechterhaltung der Verkehrssicherheit, während der Fahrer die Streckeninformationen vom Straßenrand aus erhält. Daher wird der Fahrer im Fahrsimulator einer Gefahrensituation ausgesetzt. „So kann sichergestellt werden, dass die entwickelten Infrastrukturelemente den Fahrer nicht von seiner eigentlichen Fahraufgabe ablenken“, erklärt Klee.

Schnell ist es mir gelungen, für einen Samstag im September interessierte Fahrerinnen und Fahrer aus der näheren Region für dieses Projekt zu begeistern. Es waren: Torsten Bremser, Jan Gaede, Lars Krivitz, Tina Thamm, Alexander Scheurer und Robert Zauchowski, die beiden BKF-Auszubildenden Fabian Lentzen und Alexandra Netterscheid. Dazu kam mit Clemens Stanzel der Bildungskoordinator des Berufskollegs Simmerath. Und natürlich habe ich ebenfalls am Versuch teilgenommen und mich in das kleine Simulatormodell eines Pkw gesetzt. Denn es ging nicht um eine Fahrprobe in einem virtuellen Lkw, es ging um die reine Frage der Aufmerksamkeit. Studienleiter Klee hatte für den Versuch ausreichend Getränke und belegte Brötchen besorgt, sein Kollege Adrian Niewiadamski steuerte den Rechner im Nebenraum.

Der gesamte Versuch im Film

An dieser Stelle möchte ich nicht zu viel über den Versuch selbst berichten, außer dass die Probanden eine Strecke fahren mussten, die es real auf der B10 bei Wetter gibt. Mit der entsprechenden Umgewöhnung von einem realen Fahrgefühl in die künstliche Welt des Simulators. Denn im Vorfeld hatte ich den Lkw-Fahrer und begeisterten Amateurfilmer Alexander Scheurer gebeten, den Versuch zusammen mit seinem Bruder Elmar per Kamera aufzuzeichnen und aus seiner Sicht zu beschreiben. Das ist ihm großartig gelungen. Dieser Film ist also Bestandteil dieses Blogs.

Einziger Hinweis: Alle Probanden sollten vorab das Kennzeichen ihres Lkw, natürlich unter der Wahrung aller datenschutzrechtlichen Vorgaben, angeben. Vorläufiges Fazit. Das von der RWTH auch mit Hilfe der beteiligten Lkw-Fahrinnen und Fahrer ständig weiterentwickelte Konzept des „Brückenwächters“ hat Zukunft. Das zeigte auch die Schlussrunde. Von meiner Seite noch einmal herzlichen Dank an alle Beteiligten, dass sie sich im Dienste der Forschung den Samstag freigenommen haben!

Und hier geht es zum Film.

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