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Verkehrsfunk am Beispiel von SWR1

Rote Ampeln gegen Geisterfahrer

SWR1, Verkehrsfunk Foto: Ralf Lanzinger, SWR 1 Baden-Württemberg

So arbeiten die Verkehrsredaktionen im Rundfunk: trans aktuell war vor Ort beim Radiosender SWR1 Baden-Württemberg und sprach mit den Moderatoren.

„Achtung, Falschfahrer auf der A 8 zwischen Esslingen und Stuttgart-Flughafen/Messe.“ Radiomeldungen wie diese lassen jeden Lkw-Fahrer zusammenzucken. Und auch am Moderationspult von Birgit Wächter, Leiterin der Verkehrsredaktion von SWR1 Baden-Württemberg, schaltet die Ampel vor der Durchsage auf Rot. Rot heißt: Mikrofon an. Die Verkehrsredakteurin muss die Information sofort an die Hörer weitergeben. „Bei Falschfahrern unterbrechen wir umgehend das laufende Programm – egal, ob nun gerade ein Musikstück läuft oder die Nachrichten gesprochen werden“, erklärt Wächter gegenüber trans aktuell. Dies gilt ebenso, wenn Steinewerfer zugange sind oder sich Kinder auf der Fahrbahn befinden.

Birgit Wächter SWR 1 Baden-Württemberg, Verkehrsredaktion Foto: SWR1 Baden-Württemberg
Birgit Wächter, Leiterin der Verkehrsredaktion von SWR 1 Baden-Württemberg: „Die Verkehrsmeldungen dürfen maximal zweieinhalb Minuten dauern.“

Solche Meldungen lassen nicht nur die Ampel neben dem Moderationspult auf Rot springen, sondern erscheinen auch in Rot auf dem Bildschirm. Weniger dringliche Meldungen wie etwa Gegenstände auf der Fahrbahn erscheinen in Gelb und können warten, bis das gerade gespielte Musikstück zu Ende ist. Alle halbe Stunde sind die Standard-Verkehrsmeldungen zu hören. Das heißt, welche Staus es gerade gibt, wo der Verkehr stockt und welche Straßen gesperrt sind.

Janet Pollok, Moderatorin SWR1 BW Der Nachmittag Foto: Ralf Lanzinger
Moderatorin Janet Pollok bei „SWR 1- Der Nachmittag“. Tagsüber übergeben die Moderatoren an die Verkehrsredaktion für die Verkehrsmeldungen.

Janet Pollok, beim Besuch von trans aktuell im Stuttgarter Funkhaus die Moderatorin von „SWR1 – Der Nachmittag“, übergibt für die Verkehrsmeldungen die Moderation an Birgit Wächter. „Die Verkehrsmeldungen dürfen maximal zweieinhalb Minuten dauern“, erzählt Wächter. Das ist die Vorgabe des Senders, weil sonst das Verhältnis von Wort und Musik nicht mehr ausgewogen wäre. Fallen mehr Meldungen an, sortiert Wächter kleinere Verkehrsbehinderungen aus. Dann heißt es: „Ab jetzt nur noch alle Staus über fünf Kilometer.“

Polizei als Basisquelle

Doch wie kommen die Verkehrsnachrichten eigentlich ins Radio? „Unsere Basisquellen sind Polizei und Feuerwehr“, erklärt Birgit Wächter. Polizisten und Feuerwehrleute senden ihre Informationen an die Landesmeldestellen der Polizei. Diese bedienen die jeweiligen Radiostationen, darunter auch die Zentrale Verkehrsredaktion des Südwestrundfunks (SWR) in Baden-Baden. Von dort erhält auch SWR1 seine Informationen.

Der SWR1-Verkehrsfunk arbeitet auch mit Kameras, die an wichtigen Strecken im Land installiert sind. Auf die Bilder kann der jeweilige Verkehrsredakteur über das Computerprogramm TIC (Traffic Information Center) zugreifen. Auch Navigationssysteme wie etwa Tom-Tom liefern der Redaktion wichtige Informationen. Vor allem bei schweren Unfällen recherchiert die Verkehrsredaktion bei den jeweiligen Autobahnpolizei-Dienststellen sowie über Google Maps und Tom-Tom, um über Größe und Dauer der Behinderung zu informieren.

Arbeitsplatz Verkehrsredaktion SWR1 September 2020 Foto: Ralf Lanzinger
Der jeweilige Verkehrsredakteur arbeitet bei SWR 1 Baden-Württemberg mit vier Bildschirmen.

Wächter hat in der SWR1-Verkehrsredaktion vier Bildschirme vor sich. Auf zwei Bildschirmen zeigt TIC die aktuellen Meldungen der Landesmeldestelle und eine Übersichtskarte von Google Maps. Ein weiterer Bildschirm zeigt das laufende Programm mit den Musiktiteln. Der vierte Monitor ist der Arbeitsbildschirm und dient unter anderem zum Verfassen der nächsten Moderation. Denn so, wie die Meldungen einlaufen, sind sie noch nicht radiogerecht. Und auch die Dialoge für die Überleitung der Moderationen wollen vorbereitet sein.

SWR 1-Moderatoren Verkehrsredaktion Foto: SWR 1 Baden-Württemberg
Das Verkehrsteam von SWR1 arbeitet in wechselnden ­Besetzungen (von links): Birgit Wächter, Benedict Walesch, Corvin Tondera-Klein, Ines ­Hennings (oben), Jörg Witzsch, Sarah Zielinski, Thomas Buck und Sebastian Frisch (unten).

Bei SWR1 arbeitet ein Team von mehreren Verkehrsredakteuren im Schichtdienst, das heißt morgens von 6 bis 13 Uhr und nach dem Mittag von 13 bis 19.30 Uhr. Am Wochenende oder nachts, wenn es ruhiger ist auf den Straßen, übernimmt ein Redakteur der Zentralen Verkehrsredaktion des SWR in Baden-Baden den Verkehrsservice für alle SWR-Hörfunk-Programme. Dann tragen die Moderatoren der jeweiligen Sendung den Verkehr selbst vor.

Moderator Matthias Sziedat Foto: SWR 1 Baden-Württemberg
Bei „SWR 1 - Die Nacht“ laufen die Verkehrsmeldungen direkt auf dem Bildschirm von Moderator Matthias Sziedat ein.

Auch Lkw-Fahrer melden bisweilen Staus und Behinderungen, erzählt SWR1-Moderator Matthias Sziedat, der auch in der Nachtsendung von 0 bis 5 Uhr im Einsatz ist. Informationen über Geisterfahrer kommen jedoch so gut wie immer über die Polizei. Sziedat ist es auch schon passiert, dass er zunächst einen Geisterfahrer vermelden musste und weniger später den Folge-Unfall. „Solche Situationen lassen den Moderator im Sendestudio nicht kalt“, erklärt der Radiojournalist. Allerdings: „Prinzipiell gestalten wir die Verkehrsmeldungen neutral“, sagt Sziedat. „Bei den Verkehrsmeldungen halten wir die eigene Emotionalität zurück, denn da geht die Information vor.“

Braucht es in Zeiten, in denen Lkw und andere Fahrzeuge mit vielfältigen Navigationssystemen ausgestattet sind, überhaupt noch einen Verkehrsfunk? „Ich bin ganz sicher“, erklärt Birgit Wächter. „Zum einen arbeitet fast jedes Navi anders, was die Einarbeitung oft verkompliziert und viel Zeit kosten kann. Kein Navi ist so schnell beim Hörer mit wichtigen Infos wie der Verkehrsfunk. Wir senden in Echtzeit.“ Darüber hinaus: „Navi-Infos muss der Lkw-Fahrer ablesen, bei den Verkehrsmeldungen aus dem Radio kann er seine Augen auf der Straße lassen.“

Ganz ähnlich wie der SWR arbeitet der Bayerische Rundfunk (BR). Täglich gehen dort über die Verkehrsmeldestelle der bayerischen Polizei in Rosenheim über 1.500 Meldungen ein, davon im Schnitt zwei Geisterfahrermeldungen. „Von der eingehenden Polizeimeldung bis zur verlesenen Falschfahrermeldung vergehen keine 30 Sekunden“, so der Sender gegenüber trans aktuell.

Bei Staus greift der BR als Informationsquelle auch auf den ADAC mit seinen Floating Car Data (FDC) zurück, wie der SWR. Mit diesen Daten ist es möglich, den Zeitverlust durch einen Stau anzugeben.

Auch der BR zeigt sich überzeugt, dass es den Verkehrsservice auch in Zeiten von digitalen Diensten im Radio braucht: Das bloße Wissen um einen Stau nutze nichts, wenn man etwa bei einem Unfall mit einem Gefahrguttransporter dessen Ursache nicht kennt und daher nicht weiß, wie lange sich die Bergung noch hinziehen werde, erklärt die Sendeanstalt gegenüber trans aktuell. Lange Texte wären beim Fahren nicht nutzbar. Da helfe nur das gesprochene Wort. Zudem werden die Verkehrsübersichten in unterhaltender Form präsentiert und gehen auf regionale Gegebenheiten ein. „Dieses Servicepaket kann kein digitaler Dienst ersetzen.“

Nils Grunwald, Serviceredaktion Hit Radio FFH Foto: Hit Radio FFH
Nils Grunwald von der Servicereaktion bei Hit Radio FFH: „Bei uns sind viele Lkw- und Transporterfahrer als Stau­piloten registriert und geben Hinweise.“

Interaktion mit den Fahrern

Wie steht es um die Interaktion mit den Hörern? Hinweise von Hörern nimmt der BR gerne entgegen. „De facto sind die Hinweise aber selten geworden“, teilt der Sender gegenüber trans ­aktuell mit. Ganz anders bei Hit Radio FFH aus Bad Vilbel bei Frankfurt am Main, dem nach eigenen Angaben zweitgrößten privaten Radiosender Deutschlands.

Zwar arbeite auch Hit Radio FFH eng mit der Polizei zusammen und nutze Verkehrskameras, so Nils Grunwald von der sogenannten Verkehrszentrale des Senders. Im Gegensatz zu SWR und BR sind bei Hit Radio FFH noch viele Lkw- und Transporterfahrer als Stau­piloten registriert und geben täglich Hinweise von den Straßen. Kuriose Funde meldeten die Hörer auch schon: „Dabei sind auch schon mal Strandkörbe, Teppiche oder Schubkarren auf der Autobahn gemeldet worden“, berichtet Grunwald.

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