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Verkehrsberuhigte Straßen

Schöne neue Zustell-Welt

Lkw und Pkw auf einer Autobahn Foto: Alev Atas/ETM

Verkehrsberuhigte Straßen, Umwelt- und Fußgängerzonen schränken Paketdienste ein. Derzeit testet UPS daher in Hamburg ein neues Logistikkonzept.

Die Innenstadt der Zukunft ist eine Oase der Ruhe. Der Verkehr findet nur in der Randlage statt, das Wohn- und Einkaufserlebnis der Bürger stören allenfalls die emissionsfreien Elektrofahrzeuge der Dienstleister, die freie Zufahrt in die City haben. In dieser schönen neuen Welt ist die Zustellung von Päckchen und Paketen kein Zuckerschlecken. Einerseits müssen die Kep-Dienstleister ihre Kunden in der Innenstadt pünktlich beliefern. Andererseits sind dort Stellplätze für Lieferfahrzeuge absolute Mangelware. Dazu kommen Einfahrbeschränkungen, die eine Zufahrt nur für besonders saubere Fahrzeuge und nur in engen Zeitfenstern erlauben. Was aber, wenn der Kunde zur erlaubten Einfahrzeit nicht erreichbar ist? Oder wenn ein Expresspaket die Zustellung zu einer bestimmten Uhrzeit nötig macht?

Rechtzeitig Weichen stellen

"Mit solchen Einschränkungen müssen wir uns teilweise heute schon arrangieren", sagt Jörg Herden, Manager Industrial Engineering beim Paketdienst United Parcel Service (UPS). Sein Credo: Wenn sich die Strukturen der City-Logistik verändern, müssen die Dienstleister rechtzeitig die Weichen stellen, damit kein Lieferstau entsteht. Für UPS bedeutet Zukunftsmanagement, dass das Unternehmen seine Methoden der Distribution in den Innenstädten immer wieder auf den Prüfstand stellt.

Eine Schlüsselrolle in dieser Strategie kommt der Reduktion der Fahrzeugverkehre zu. Dazu spielt der Dienstleister bereits in diversen Feldversuchen die grüne Karte. In Köln, Hamburg, Bremen, Hannover und Bochum zum Beispiel nehmen die Zusteller die letzte Meile mit dem Lastenfahrrad. Eine mit Elektromotor unterstützte Variante des Lastenfahrrads, den sogenannten Cargo Cruiser, testet das Unternehmen noch bis Ende des Jahres in der Innenstadt von Dortmund. Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass der Cargo Cruiser mit 40 bis 50 Anlieferungen pro Tag ein Zustellerfahrzeug für die City ersetzen könnte. Hier wie dort basiert die Distribution auf der Idee, dass ein herkömmliches Zustellfahrzeug gewissermaßen als mobiles Depot die Zusteller mit Nachschub an Paketen und Päckchen versorgt. Eine Alternative könnte auch darin bestehen, mit der Distribution näher ins Zentrum zu rücken. In diese Richtung geht jetzt das für Anfang Dezember angesetzte Pilotprojekt in Hamburg, das UPS gemeinsam mit der Hansestadt entwickelt hat.

Hamburger Innenstadt wird zum Testfall

Schauplatz des Projekts ist das Viertel rund um die Einkaufsmeile Neuer Wall, die zu den exklusiven Lagen in der Innenstadt gehört. Der Parkraum ist knapp. Vor allem der Handel stört sich an den sperrigen Zulieferfahrzeugen, die in zweiter Reihe vor Geschäften und Schaufenstern parken. Die Lösung: UPS stellt in der Nähe des Viertels einen Container auf, der als Lager für die Zulieferung und Abholung von Päckchen und Paketen fungiert. Vor Ort sind Helfer mit Sackkarre und Lastenfahrrädern im Einsatz. Nur für schwerere Stücke rückt noch das Zustellfahrzeug an.

Eine treibende Kraft für das Projekt ist das Business Improvement District (BID) Neuer Wall. Dahinter stehen rund 500 Grundstückeigentümer, Einzelhändler und Büromieter, die aktiv auf die Gestaltung ihres Viertels Einfluss nehmen. Die Organisation stellt den Stellplatz für den Container zur Verfügung und engagiert darüber hinaus für die Dauer des Projekts einen Sicherheitsdienst. Dabei handelt es sich um einen 24-Fuß-Wechselkoffer, den UPS in Eigenregie für das Pilotprojekt vorbereitet. Das Innere ist mit einem stabilen Regalsystem bestückt, das den Paketen beim Auf- und Abstellen des Containers einen sicheren Halt gibt. Der Behälter wird morgens in der UPS-Niederlassung Hamburg-Ost an der Bandanlage beladen und vorsortiert. Ein Lkw bringt den Container an seinen Stellplatz und holt ihn dort abends wieder ab.

"Der Trend in der Paketlogistik geht zu gebietsnahen Lösungen. Dabei spielen Kooperationen zwischen Kommunen, Kunden und Kep-Dienstleistern eine wichtige Rolle", erklärt UPS-Manager Herden. Das Hamburger Pilotprojekt ist zunächst auf sechs Monate angelegt. Ob es ein Erfolg wird, hängt von der abschließenden Wirtschaftlichkeitsrechnung ab. Auch die Resonanz des BID dürfte eine Rolle spielen. Wenn sich die Parkraumsituation rund um den Neuen Wall und der Paketservice verbessern, könnte eine Fortsetzung des Modells auf der Agenda landen.

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