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Verkehre vermeiden, verlagern, verteuern

Strecken für Oberleitungs-Lkw ausbauen

Übersicht über Lkw mit alternativen Antrieben bei Rhenus. Foto: Rhenus

Lkw-Verkehr verteuern und elektrifizieren sowie auf die Schiene verlagern: Eine Studie im Auftrag von Fridays for Future fordert zu raschem Handel auf.

Der Klimawandel lässt der Branche keine Zeit. Schon deutlich früher als von der Bundesregierung angestrebt, muss der Güterverkehr komplett CO2-neutral ablaufen. Andernfalls scheitert die im Pariser Klimaschutzabkommen verankerte Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter, warnt das Wuppertal Institut in einer neuen Studie, die es im Auftrag der Fridays for Future-Bewegung erstellt hat.

Branche unter Druck: Bereits 2035 CO2-neutral agieren

Bereits 2035 und nicht erst 2050 müsse eine CO2-Neutralität erreicht werden. „Aus technischer und ökonomischer Sicht zwar extrem anspruchsvoll, grundsätzlich aber möglich“, so das Resümee der Autoren. Sie wollen mit ihrem Beitrag Denkanstöße liefern und listen eine Vielzahl an Maßnahmen auf, um dieses Ziel zu erreichen.

Dazu gehören die drei in der Branche nicht unbedingt populären Vs: Vermeiden, Verteuern und Verlagern von Verkehren. Um fünf bis zehn Prozent lasse sich der Güterverkehr durch regionale Wirtschaftskreisläufe, Wegfall von Leerfahrten und eine bessere Steuerung reduzieren. Beim Verteuern sprechen sich die Autoren für eine starke Erhöhung der Lkw-Maut, City-Mauten und eine höhere Kfz-Steuer aus. Und was die Verlagerung angeht, macht sich das Wuppertal Institut für ein deutlich entschlosseneres Vorgehen stark, damit Güter dauerhaft von der Straße auf die Schiene umsteigen.

Zwölf Milliarden Euro jährlich in das Schienennetz

Dazu müsse der Bund seine Investitionen ins Schienennetz auf jährlich zwölf Milliarden Euro verdoppeln, Engpässe gelte es zu

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beseitigen, Gleisanschlüsse zu reaktivieren, Terminals für den Kombinierten Verkehr sowie die Zugbildung zu automatisieren und die Senkung der Trassenpreise weiter zu forcieren – analog zur Erhöhung der Lkw-Maut auf der Straße. Die Autoren machen hier ein Verlagerungspotenzial von bis zu 30 Prozent aus.

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Gleichzeitig erkennen sie an, dass ein erheblicher Teil des Güterverkehrs auf der Straße verbleiben wird. Er muss, was die Antriebstechnologien angeht, laut der Studie grundlegend umgestaltet werden. „Die Fahrzeugflotte muss möglichst schnell und vollständig elektrifiziert werden“, heißt es. Das gelte für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge. „Für größere Lkw ist eine Umstellung auf Brennstoffzellen und damit Waserstoffantrieb eine Option.“ Die verbleibenden Verbrenner müssten mit synthetischen Kraftstoffen betrieben werden. Die Autoren sehen durch den Mix der Maßnahmen die Chance, die Fahrzeugeffizienz von Pkw um 30 und von Lkw um 25 Prozent zu erhöhen.

Was die Elektrifizierung angeht, sind die Verfasser auf der Langstrecke vom Potenzial des Oberleitungs-Lkw überzeugt und sprechen sich dafür aus, auf Autobahnen eine quasi flächendeckende Strominfrastruktur aufzubauen. Flächendeckend insofern, als dass sie eine Elektrifizierung von 8.000 Autobahnkilometern bis 2035 für machbar halten. „Damit müssten durchschnittlich jedes Jahr rund 550 Kilometer Oberleitungen an Autobahnen installiert werden“, heißt es. Bei einem aktuell rund 13.000 Kilometer langen Autobahnnetz dürften somit die wichtigsten Magistralen abgedeckt sein, auch muss der Lkw ja nicht immer mit dem Fahrdraht verbunden sein, wenn er nach kurzem Kontakt die Energie in seinen Batterien zwischenspeichern kann.

Elektrifizierung von Straße in Schweden geht voran

Dass elektrifizierte Straßen eine Option sind, zeigt sich gerade am Beispiel von Schweden, dem Pionierland in Sachen Oberleitungs-Lkw. Im Sommer 2016 ging dort auf der Autobahn E16 in der Region Gävleborg die erste weltweit Strecke für Lkw mit Stromabnehmer auf einer öffentlichen Straße in Betrieb.

Bei den zwei Kilometern soll es aber nicht bleiben. Nun plant die dortige Regierung den nächsten Schritt und will die Elektrifizierung des Straßennetzes deutlich vorantreiben – bis 2030 sollen 2.000 und bis 2035 3.000 Kilometer elektrifiziert werden, wie der Verkehrsminister dieser Tage vor der Presse ankündigte. Ob der Strom dabei von oben, wie beim eHighway von Siemens, oder von unten über in der Straße verbaute Ladetechniken fließt, ist dabei noch offen.

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Jan Bergrath Jan Bergrath Journalist
Harry Binhammer, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Harry Binhammer Fachanwalt für Arbeitsrecht
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