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Verein „Hellwach mit 80 km/h“ gegen Auffahrunfälle

Lkw-Fahrer haben 40 Tonnen Verantwortung

Foto: Polizei Mannnheim

Die Comic-Figur Max Achtzig stellt zehn Regeln vor, um Lkw-Auffahrunfälle zu vermeiden, und die Teil des Fahrer-Handbuchs sein können.

Max Achtzig ist nicht irgendjemand – das ist Dieter Schäfer wichtig: „Max Achtzig ist vorbildlich, ohne besserwisserisch zu sein, mittelalt und hat dunkle Haare – sodass er für viele Fahrer steht, auch für die aus Osteuropa.“ Und Max Achtzig bekommt noch einen Freund namens Maks Nix, der das Gegenteil des Helden in sich vereint, gezeichnet von Karl Gärtner in bester Comic-Manier. Gemeinsam transportieren die beiden in Zeichentrick-Clips zehn Regeln, die Fahrer einhalten sollen, um künftig die folgenschweren Lkw-Auffahrunfälle am Stauende zu verhindern. Außerdem erarbeitet ein Expertenteam des Vereins „Hellwach mit 80 km/h“ ein Max-Achtzig-Sicherheitsregister für die Fahrerhandbücher.

Die Betroffenheit ist Dieter Schäfer immer noch deutlich anzumerken. Er war aus beruflichen Gründen in das Geschehen um einen folgenschweren Lkw-Auffahrunfall involviert, denn er leitet die Verkehrspolizei-Direktion des Mannheimer Polizeipräsidiums. Und seinem Engagement und dem weiterer engagierter Fachleute aus der Transportbranche ist es zu verdanken, dass es den Verein gibt. Der wiederum wirbt unermüdlich dafür, dass Unternehmer sich gemeinsam mit ihren Lkw-Fahrern selbst dazu verpflichten, sich im Straßenverkehr regelkonform zu verhalten.

Innerhalb eines Jahres nach dem besagten folgenschweren Unfall hat Dieter Schäfer als Privatperson gemeinsam mit sieben weiteren Gründungsmitgliedern „Hellwach mit 80 km/h“ ins Leben gerufen – wobei die Achtzig nicht für das Lebensalter von Lkw-Fahrern steht, sondern für die gesetzlich vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit. Die Speditionen müssten ihre Fahrer zur Regeltreue verpflichten, sie mit in die vorhandenen Assistenzsysteme einweisen und möglicherweise gar das ständige Einschalten eines Abstandsregeltempomaten (ART) vorschreiben.

Das sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, sagt der Fachmann, der täglich mit Verkehrsdelikten zu tun hat. „Regeltreue bedeutet nicht in jedem Falle 80 km/h“, sagt er. In Deutschland sei erst bei einer Geschwindigkeit von 89 km/h die Toleranzgrenze überschritten, bis 94 km/h werde der Fahrer lediglich mit 15 Euro Verwarnungsgeld zur Kasse gebeten. „Das ist doch lächerlich“, erklärt Schäfer aufgebracht. Denn Notbremsassistenten, welche die Geschwindigkeit um 20 km/h her­unterregeln, könnten bei stark überhöhtem Tempo nicht effektiv genug herunterbremsen: „Ein Auffahrunfall mit 69 km/h ist genauso tödlich.“

Notbremsassistenten würden außerdem die Fahrer in einer Sicherheit wiegen, die so gar nicht gegeben sei. Zumal der erfahrene Beamte weiß, dass ein Fahrzeugwechsel innerhalb der Flotte dazu führen kann, dass Lkw-Fahrer die unterschiedlich funktionierenden Assistenten nicht gut genug kennen. So bestehe die Gefahr, sie unbewusst zu übersteuern und damit die Notbremsung abzuschalten – gerade dann, wenn es darauf ankommt. Ein ART fördert nach den Erfahrungen von Schäfer defensives und risiko­ärmeres Fahren. „Kein Fahrer fährt absichtlich auf ein Stauende auf, und auch die psychischen Folgen eines Unfalls für die Fahrer sind bekannt“, sagt er.

All sein Fach- und Erfahrungswissen bringt Dieter Schäfer als Schriftführer und Schatzmeister in den Verein „Hellwach mit 80 km/h“ ein. Vorsitzender ist Konrad Fischer, Geschäftsführer bei Contargo Rhein-Neckar, und sein Stellvertreter ist Roland Koch, Pressesprecher und Marketingleiter bei der Mannheimer Versicherung. Neben überhöhter Geschwindigkeit haben die Experten noch vieles mehr im Visier, denn: „Jede Tätigkeit, die nicht dem Fahren dient, verursacht Ablenkung“, so ihr Credo.

Foto: Verein Hellwach mit Achtzig km/h

Der Verein „Hellwach mit 80 km/h“

  • 30 Mitglieder hat der Verein „Hellwach mit 80 km/h“, gestartet wurde er im Jahr 2018 nach einem schweren Lkw-Auffahrunfall von acht Gründungsmitgliedern.
  • Für Unternehmen stehen kurze Präsentationen für Fahrerschulungen zum Herunterladen zur Verfügung und demnächst auch ein an die Kampagne angelehntes Max-Achtzig-Sicherheitsregister für das Fahrerhandbuch.
  • Transport- und Logistikunternehmen sollen sich verpflichten, ihre Fahrer entsprechend zu schulen, sie zum Einschalten des ART zu verpflichten und ihnen professionelle Lkw-Navigations-Apps zur Verfügung zu stellen.
  • Für Fahrer stehen die zehn Regeln von Max Achtzig in 14 Sprachen zur Verfügung, um sie daran zu erinnern, jederzeit ihre volle Aufmerksamkeit auf den Verkehr zu lenken.
  • Karl Gärtner, der Zeichner der Figur Max Achtzig, gestaltete auch ein Plakat mit den zehn Max-Achtzig-Regeln. Dieses signiert er am Sonntag, 21. Juli, beim Truck-Grand-Prix am Stand des ETM Verlags für Besucher.
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