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Unbegleiteter KV soll wachsen

Standards setzen und Bürokratie abbauen

Foto: Mario P. Rodrigues

Verbände UIC und UIRR legen Bericht zum Kombinierter Verkehr vor. Es braucht Standards und weniger Bürokratie für weiteres Wachstum.

Der Anteil der Bahnen am Gütertransport in Europa soll deutlich steigen, um das Klima und die Straßen zu entlasten. Das dynamischste Wachstum auf der Schiene verzeichnet derzeit der Kombinierte Verkehr (KV): Der Sektor punktet mit einem Plus von 55 Prozent zwischen 2009 und 2019. Das geht aus dem achten Bericht zum Kombinierten Verkehr hervor, den der Internationale Eisenbahnverband UIC in Zusammenarbeit mit der Internationalen Vereinigung für den kombinierten Verkehr Schiene-Straße UIRR vorgelegt hat.

Löwenanteil ist unbegleitet unterwegs

Der Löwenanteil des KV-Volumens, fast 97 Prozent, rollte unbegleitet durch Europa. Begleitete Verkehre fallen weiter zurück. Insgesamt stieg die Menge der im KV transportierten Güter von 2009 bis 2019 im Jahresdurchschnitt um 4,2 Prozent, bei einem Plus von 6,1 Prozent in den letzten beiden Jahren. Betrachtet man die Tonnage, lag das Plus in dem Zehnjahreszeitraum bei 55,3 Prozent. Im inländischen KV ist der größte Teil des Volumens auf Seeverkehrsleistungen zurückzuführen, während der Anstieg im Jahr 2019 bei den kontinentalen Verkehrsleistungen höher ist. International sind kontinentale Verkehre häufiger anzutreffen, während der Seeverkehr stärkere Wachstumsraten aufweist.

30 Prozent Modalsplit erreichen

Die europäischen Bahnen wollen bis 2030 einen Anteil von 30 Prozent am Modalsplit erreichen. Dafür müsse umgedacht werden, heißt es in dem Bericht. Nicht nur Eisenbahnen, Behörden und Politik seien gefragt, es müsse vielmehr eine gute Vernetzung aller Beteiligten im Sektor geben. Aber auch die Zusammenarbeit mit dem Straßengüterverkehr oder staatliche Anreize kann man sich gut vorstellen, um den Schienenverkehr effizienter und damit attraktiver zu machen. „Die Tatsache, dass im Jahr 2020 nur zehn Prozent aller im Straßengüterfernverkehr eingesetzten Sattelauflieger auch im KV einsetzbar sind, zeigt, dass die Verbindung zwischen den verschiedenen Sektoren noch gar nicht funktioniert“, so die Argumentation.

Bürokratie verringern

Vier Handlungsfelder werden genannt. So müssten die Bahnen die Interoperabilität zwischen den europäischen Ländern durch standardisierte Systemelemente verbessern, außerdem sollten digitale Lösungen zur Erhöhung des Volumens und der Datenqualität umgesetzt werden. Die auf der Straße zurückgelegte Strecke müsse - auch durch mehr KV-Terminals - verringert werden, staatliche Unterstützung könnte die hohen Kosten der letzten Meile senken. Wenn bestehende Terminals ausgebaut oder neue errichtet würden, ließen sich die Kapazitäten erhöhen. Wichtig sei ebenso, Informationsfluss, Prozesse und Qualität zu verbessern. Die Vorschriften für den KV in der EU wollen UIC und UIRR harmonisiert und angepasst sehen, dazu gehöre eine Verringerung der Bürokratie.

Auch wenn der KV als besonders geeignet für lange Strecken gilt, finden im internationalen Verkehr satte 45 Prozent der Schienentransporte auf Distanzen von weniger als 600 Kilometern statt, im nationalen Verkehr werden 28 Prozent auf Strecken unter 300 Kilometern abgewickelt. Etwa ein Viertel (26 Prozent) der nationalen wie internationalen KV-Transporte verzeichnete einen Straßenanteil von über 300 Kilometern.

Deutschland zählt zu den Verlierern

Auf den größten zehn europäischen KV-Märkten gehört Deutschland bei den unbegleiteten nationalen Verkehren mit einem Minus von 11,4 Prozent zu den Verlierern, gemeinsam mit Großbritannien (-12,4 Prozent), Norwegen (-7,5 Prozent) und Schweden (-39,2 Prozent). Tschechien dagegen verzeichnete ein Plus von rund 227 Prozent. Auch auf einzelnen internationalen Strecken schneiden UKV-Verkehre mit Ausgangspunkt Deutschland nicht so gut ab.

So wurde zwar zwischen Deutschland und Italien in Tonnen gemessen ein Plus von 18,6 Prozent verzeichnet, in Richtung Schweden ging es sogar um 37,2 Prozent bergauf, und nach Spanien um 12,1 Prozent. In die Niederlande dagegen gab es ein Minus von 4,2 Prozent, nach Ungarn -2,4 Prozent und in Richtung Polen ging das Aufkommen in Tonnen gemessen um 27,3 Prozent zurück.

Wie in fast allen anderen Wirtschaftsbereichen auch, macht die durch die Corona-Krise ausgelöste Unsicherheit dem Sektor Sorgen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil durch Kurzarbeit relevante Themen wie die Digitalisierung und neue Geschäftsmodelle verzögert werden könnten. Grundsätzlich geht die Branche aber in den kommenden Jahren von einem deutlichen Wachstum des KV-Volumens in Höhe von 4,7 Prozent jährlich aus. Im Vergleich zu 2009 würde das KV-Volumen bis 2029 ein Plus von fast 150 Prozent erzielen, der Schienengütertransport insgesamt läge bei fast 40 Prozent Zuwachs im gleichen Zeitraum, lautet die Prognose.

Klare Dominanz der Straße

  • Der überwiegende Teil der Transportaktivitäten findet in Europa mit 74 Prozent auf der Straße statt.
  • Die Hälfte davon (rund 48 Prozent) sind Dienstleistungen mit einer Distanz von unter 300 Kilometern.
  • Auf der Schiene werden europaweit etwas mehr als 18 Prozent der Güter befördert, wobei es hier länderspezifisch große Unterschiede gibt.
  • So liegt der Anteil der Bahntransporte unter den Verkehrsträgern im Norden und Osten Europas im April 2020 durchgängig über 25 Prozent, die Westeuropäer wie Frankreich, Großbritannien oder Spanien tun sich mit weniger als zwölf Prozent immer noch schwer.

Der Bericht

  • In den achten Bericht zum Kombinierten Verkehr vom November 2020 wurden mehr als 30 Länder auf dem europäischen Kontinent einbezogen.
  • Berücksichtigt wurden die Daten von Operateuren, Eisenbahnen, Logistikern und die der Waggonbranche, insgesamt mehr als 100 Unternehmen. Die Untersuchung erscheint alle zwei Jahre.
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
trans aktuell 19 Titel
trans aktuell 19 / 2020
27. November 2020
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