Ulrich Bastert im Interview

Wer Bus kann, kann alles

Foto: Daimler Buses

Interview: Ulrich Bastert, ehemaliger Head of Marketing, Sales and Customer Services bei Daimler Buses, ist seit Ende September im Ruhestand. Zur Übergabe an seinen Nachfolger Mirko Sgodda, bis dato Leiter Compliance Trucks & Buses, haben wir noch einmal mit dem Bus-Manager gesprochen.

Herr Bastert, Sie haben sich jetzt über fünf Jahre um den Bus bei Daimler gekümmert. Was haben Sie als Unterschied vom Lkw- zum Busgeschäft empfunden?

Bastert: Da gibt es mehrere Themen, die sich deutlich unterschieden haben. Wenn ich zuerst einmal vom Kunden ausgehe, dann gibt es im Busbereich die im Konzern außergewöhnliche Situation, dass man für den gesamten Weltmarkt und die Vertriebswelt mit allen ihren diversen Aufschlagspunkten zuständig ist. Das ist wirklich etwas einmaliges und das macht diesen Geschäftsbereich auch zu einer so spannenden Geschichte.

Und das alles mit einem viel kleineren Team, ist das nicht auch herausfordernd?

Bastert: Natürlich, aber genau dieses tolle Team macht es ja so spannend. Till Oberwörder als mein Vorgänger hatte ja noch begonnen mit der Eröffnung unseres Werkes in Chennai/Indien eine Tour durch alle Märkte anzugehen – wo man sich genau anschaut: Wie tickt der einzelne Markt, was ist das Preisniveau, was wird gefordert, wer ist mein Distributor, kurzum, was kann ich hier noch besser machen? Das ist quasi das kleine Einmaleins des Vertriebs, und das war sehr wertvoll auch für mich. Das zweite Thema ist für mich das Kundenspektrum, mit dem man es zu tun hat – und die Kunden sind für mich extrem wichtig. Sie haben die Großkunden, die eher wie im Lkw-Bereich unterwegs sind. Dann haben sie das Ausschreibungsgeschäft, dass es so fast nur im Busbereich gibt. Und dann kleine Mittelständler, die es zwar im Lkw-Bereich auch gibt, die aber im Busbereich nochmal viel familienbezogener sind. Das gefällt mir sehr gut, denn sie sehen hier genau, dass es wirklich der Mittelstand ist, der die Wirtschaft treibt. Das sind also keinen politischen Sonntagsreden. Diese Leute sind mit einem Engagement bei der Sache und nehmen viel Geld in die Hand, ich finde das einfach beeindruckend.

Der Busbereich also als Krönung des Nutzfahrzeugvertriebs?

Bastert: Ja, genau! Ich sage Neueinsteigern und Auszubildenden immer: Wer Bus kann, kann alles. Er vereint Themen wie Motor, Klima, Elektronik, Infotainment und alternative Antriebe. Und das meine ich auch genau so. Deshalb finde ich es durchaus fair, dass der Busbereich bei mir am Ende stand, weil man schon ein wenig durch diese Schule durchgegangen sein muss.

Wie hat sich denn der Busbereich bei Daimler in den letzten Jahren verändert?

Bastert: Ich glaube, was Daimler Buses wirklich ausmacht ist der Teamgedanke. Auch in der Geschäftsführung streiten wir uns zuweilen über unterschiedliche Ansichten und am Ende kommen wir zu einem guten Ergebnis. Was wir wirklich gemeinsam stemmen mussten – und das ist noch nicht zu Ende – ist das Thema Elektromobilität, das extrem viele Bereich betrifft bis hin zu Infrastrukturthemen. Am Anfang der Reise haben wir diese Dinge so in ihrer Tragweite nicht immer erkannt. Aber der Mensch wächst mit seiner Aufgabe und so ist das auch bei Daimler Buses!

Was ist denn aus Ihrer Sicht das Erfolgsgeheimnis von Daimler Buses, als einzigem Hersteller, der noch in Deutschland produziert?

Bastert: Lassen Sie uns fair bleiben: Auch wir haben unser größtes Werk in der Türkei und rechnen mit einer Mischkalkulation und versuchen aus jedem Standort das Beste zu ziehen. Das ist immer wieder eine Herausforderung, und in diesen Zeiten besonders. Auch die Belegschaft macht sich natürlich Sorgen, wenn keine Aufträge reinkommen. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir das schaffen. Unsere Kunden sind nach meiner Meinung auch davon überzeugt, dass wir zwar keine Kosten liegen lassen, aber uns sehr geschickt aus dem Konzernbaukasten bedienen und zudem ausschließlich für den Bus denken. Das ist der wesentliche Unterschied zu unserem Wettbewerb, wie manche Kunden uns öfter mitteilen.

Wo geht es denn aus Ihrer Erfahrung in den nächsten fünf Jahren hin bei Daimler Buses?

Bastert: Sie kennen das, was ich immer gerne sage: Wir vom Bus sind die Guten! Jeder verkaufte Bus bringt uns weiter in Sachen Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Ich glaube das wird auch immer deutlicher werden, auch wenn Covid-19 das gerade etwas behindert hat. Aber langfristig ist der Bus nicht wegzudenken und wird eine wichtige Rolle bei der Verkehrswende spielen. Das zweite Thema ist: Wir müssen uns immer mehr beim großen Bruder Lkw bedienen, um technisch vorne zu bleiben. Wir haben den eCitaro ja quasi allein auf die Räder gestellt, und das kann langfristig so natürlich nicht funktionieren. Wir müssen hier in eine bessere Kostensituation kommen und da stellt sich die Frage, wie man das schafft.

Wie sehen denn die Planungen für den Unruhestand aus? Viele Reisen mit dem Bus? Einfach Umschalten von Workaholic auf Tiefenentspannung?

Bastert: Da muss ich Sie ein wenig enttäuschen, es wird mehr mit Musik zu tun haben. Ich haue ab und zu gern in die Tasten meines Klaviers und Keyboards und ich plane mit zwei Freunden eine kleine Band aufzustellen, natürlich nicht auf professionellem Level. Da meine Frau noch halbtags arbeitet, werden die Proben dann stattfinden, wenn Sie unterwegs ist. Es gibt durchaus Leute, die sagen ich sei ein Workaholic, andere widersprechen diesem Votum. Aber ehrlich gesagt, würde es mir auch leid tun, wenn nicht doch ein gewisses Loch käme. Weil ich den Job wirklich gern gemacht habe, sowohl die Lkw als auch die Busse. Das wäre einfach meinem Berufsleben nicht angemessen.

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